Titel: Busse's selbstwirkender Oelapparat für Eisenbahnwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 1 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi03_1

Busse's selbstwirkender Oelapparat für Eisenbahnwagen.

In einem Circularschreiben vom 10. April d. J. theilt der Bevollmächtige der Leipzig-Dresdener Eisenbahngesellschaft, Hr. F. Busse, im Wesentlichen Nachstehendes mit. „Seit der ersten durch mich veranlaßten Anwendung von Oel zur Schmierung der Eisenbahnwagen, wovon ich unterm 1. und 10. Dec. 1844 schon den damals bestehenden Eisenbahn-Verwaltungen Mittheilung machte (vgl. polyt. Journal Bd. XCV S. 163), sind nun acht Jahre verflossen, und ungeachtet zahlloser Widersprüche gegen die Anwendung von Oel überhaupt, wie gegen die verschiedenen von mir zu dem Zweck construirten Apparate – (welche demungeachtet in vielfach veränderter Form nun doch auf fast allen Bahnen in Anwendung gekommen) – haben meine schon damals aufgestellten Angaben über die bedeutenden Vortheile meiner Methode im Allgemeinen sich in jeder Beziehung bestätigt, und es ist jetzt nur noch ein Theil der Eisenbahnwagen mit der sonst über alles gerühmten und doch so mangelhaften Palmöl-Schmierung in Gebrauch, wogegen die Oelschmierung jetzt wohl auf allen Bahnen eingeführt wird.

Es wird den geehrten Verwaltungen nicht unlieb seyn, jetzt von mir Mittheilung über die Construction meines neuesten, gegenwärtig hier angewendeten Apparats zu erhalten, welcher besonders geeignet ist für die weiten Reisen, welche die Wagen durch die jetzigen Eisenbahnverbände zu machen haben, der wegen seiner außerordentlichen Einfachheit wohl von keinem folgenden mehr übertroffen werden dürfte und durch welchen nicht nur die Menge des Schmier-Materials auf ein kaum glaublich erscheinendes Minimum gebracht ist, sondern zugleich auch andere Vortheile erlangt werden, die mit Recht als höchst werthvoll auch für die Sicherheit des Eisenbahnbetriebes und der Fuhrwerke bezeichnet werden dürfen.

Dieser Apparat, welcher leicht und mit sehr geringen Kosten an jedem Eisenbahnfuhrwerk anzubringen ist, gewährt u.a. den wichtigen Vortheil, daß die damit versehenen Wagen mit vollkommenster Sicherheit 1000 und mehr Meilen durchlaufen, ohne daß solche einer Aufsicht oder Ergänzung des Schmiermaterials bedürfen. Ich habe z.B. dergleichen Wagen 3000 bis 4000 Meilen laufen lassen, ohne daß es nöthig geworden wäre die verschlossenen Schmierbüchsen zu öffnen, um eine Ergänzung des Oels vorzunehmen; dabei ist der eigentliche Verbrauch an Oel fast Null.

Dieser Apparat ist sicher und dauerhaft, während alle bisher angewendeten mit Dochten, Federn, Balanciers, Filzwulsten mit Federn, Blechschwimmern etc. häufig durch mancherlei nicht vorauszusehende Einwirkungen zerstört werden, und die Achsen heiß, oft glühend werden lassen.

Die mit diesem meinem Apparat zu erlangenden Vortheile sind hauptsächlich:

  • 1) Sicherung gegen das Warmlaufen der Achsen und die daraus entstehenden, oft sehr bedeutenden Beschädigungen und sonstigen Uebelstände.
  • 2) Wegfall der Schmierung auf den Stationen, was oft bedeutenden Zeitverlust verursacht, besonders wenn Achsen warmlaufen.
  • 3) Leichter Gang der Wagen, folglich sehr erhebliche Ersparniß an Zugkraft, durch die vollkommene und immer gleichmäßige Schmierung.
  • 4) Ersparniß an Schmiermaterial. Ein hier gemachter praktischer Versuch ergab, daß ein Wagen mit zwei Achsen, dessen vier Büchsen mit je 1/2 Pfd. Oel versorgt wurden, über 3000 geographische Meilen zurücklegte, ohne das Oel zu consumiren“.

Nach der diesem Circulär beigeschlossenen Zeichnung und Beschreibung besteht der fragliche Oelapparat aus einem unterhalb des Achsenhalses angebrachten Gefäße mit Oel, in welchem ein Cylinder von leichtem in Leim getränktem Holze schwimmt, der durch seine Schwimmkraft von unten auf gegen die Achse gedrückt, von derselben gleichzeitig mit ihrer eigenen Drehung umgewälzt wird, und so den Achsenhals |234| immerfort und so lange mit Oel versorgt, als das Oel in dem Gefäß hoch genug steht, um den schwimmenden Holzcylinder bis an den Achsenhals zu heben. Der Holzcylinder muß so groß genommen werden, als nur irgend Raum dazu vorhanden ist. Je größer der Durchmesser des Cylinders ist, je besser wirkt er. Hat man Platz genug, um ihn eben so dick als die Achse oder noch dicker anzuwenden, so ist die Wirkung um so sicherer und von längerer Ausdauer. Die früher angewendeten hohlen Blechcylinder erfüllten den Zweck nur unvollkommen, hauptsächlich auch weil dieselben zu klein waren und schon bei einer geringen Abnahme des Oels die Achse nicht mehr berührten.

Die Anbringung des Oelapparats ist sehr leicht. Das Oelgefäß wird als Vertiefung in dem untern Theil der Achsenbüchse angebracht und bekommt eine von außen zugängliche Eingußröhre, durch welche das Oel bis zu dem nöthigen Niveau zugeführt werden kann. Diese Eingußröhre zeigt zugleich, ob das Gefäß gehörig mit Oel versorgt ist. Das überflüssige Oel fällt vom Achsenhals wieder in das Oelgefäß zurück und wird von dem Holzcylinder immer wieder emporgehoben.

Es wird angerathen, die erste Schmierung der Eisenbahnwagen von oben her durch die bisher gebräuchliche Oeffnung einfließen zu lassen, bis die neuen Pfannen sich erst gehörig glatt gelaufen haben. Dann ist eine Schmierung von oben nicht mehr erforderlich. Die obere Oeffnung in der Pfanne muß stets mit einem Tuch- oder Filzlappen gedeckt seyn, damit kein Sand oder sonstige Unreinigkeiten einfallen können.

Das Oel vermischt Herr Busse mit dem vierten oder dritten Theil wohlfeilen ätherischen Oels, z.B. Theeröl, Steinöl, Terpenthinöl etc. und erlangt dadurch den Vortheil, daß das Oel stets ganz dünnflüssig erhalten wird, besser schmiert, den Schlamm zu Boden fallen läßt und nicht einfriert. Das bei gelegentlicher Reinigung der Pfannen sich vorfindende unreine und schlammig gewordene Oel bringt man in ein Gefäß, bringt zu diesem Oelschlamm einen entsprechenden Ueberschuß von ätherischem Oel, rührt dieß gut um, läßt es setzen und gießt das dünne Product ab. Auf diese Weise gewinnt man aus dem zu Boden gefallenen Schlamm fast alles Oel wieder, was man zur Versetzung von frischem Oel zu weiterem Gebrauch verwenden kann.

Für die Anwendung seines Apparats bedingt sich Hr. Busse von den Eisenbahnverwaltungen ein Honorar von 1/3 Thlr. oder 30 kr. für jedes Rad, welches mit seinem Apparat oder einer wesentlichen Nachbildung desselben und seiner Oelmischung versehen wird. Die Einrichtung des Apparats könne übrigens mit weniger als einem Thaler für jede Achsenbüchse hergestellt werden.

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