Titel: Neue Beobachtungen über das elektrische Licht.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 4 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi03_4

Neue Beobachtungen über das elektrische Licht.

Wenn man in einem durch die Luftpumpe mehr und mehr seiner Luft beraubten Raume den elektrischen Funken hervorlockt, so sieht man, daß der Funke in dem Maaße als die Luft verdünnt wird, seine Lichtstärke verliert, sich vergrößert und allmählich die Gestalt einer Garbe und eine bläuliche verschwimmende Färbung annimmt. Diese bläuliche matte Lichtgestalt reicht von der einen leitenden Fassung des Glasgefäßes bis zur andern und kann auf eine recht bedeutende Ausdehnung gebracht werden. Gewöhnlich wird der Versuch in einem eiförmigen Glase, dem sogenannten elektrischen Ei, angestellt. Die Elektricität muß von starker Spannung seyn, wenn der Funke den Zwischenraum zwischen den beiden in der gläsernen Hülle befindlichen Leitern durchbrechen soll, daher schien bisher nur die sogenannte Reibungselektricität, wie man solche mittelst der gewöhnlichen Scheiben-Elektrisirmaschinen erzeugt, für diesen Versuch geeignet. Vor einigen Monaten aber ist es Herrn Ruhmkorff in Paris, der bekannt ist als ein geschickter Anfertiger physikalischer Instrumente, gelungen, einen Apparat zu Stande zu bringen, der durch ein einziges Volta'sches Plattenpaar eine Reihenfolge magnetelektrischer Funken hervorbringt, welche einen so hohen Grad von Spannung haben, daß sie, wie der Funke der gewöhnlichen Elektrisirmaschine, einen bedeutenden Zwischenraum zwischen den Leitern überspringen. Im elektrischen Ei bringt dieser Apparat Wirkungen hervor, welche die der Elektrisirmaschine in Beziehung auf die Schnelligkeit, mit der die elektrischen Entladungen auf einander folgen, bedeutend übertreffen. Die elektrischen Funken folgen so rasch auf einander, daß das Auge den Eindruck eines ununterbrochenen Lichtstromes hat, und die Lichterscheinung dauert so lange, daß man sie ganze Stunden mit Muße betrachten kann. Ruhmkorff hat die Beobachtung gemacht, daß in einem so viel wie möglich vollkommen leeren Raume die Elektricität, die in dauernden Strömen kreist, zwei Arten von Licht erzeugt, die an Farbe, Gestalt und Stellung verschieden sind; das eine Licht ist bläulich und umgibt regelmäßig die die negative Elektrode bildende Metallkugel; das andere Licht ist roth, geht von der als positive Elektrode dienenden Kugel aus, zieht sich nach der negativen Elektrode hin und hat die Gestalt einer über der Achse des Recipienten gewölbten Spindel.

Der Professor der Physik am Collège St. Louis, Hr. Quet, hat genauere Beobachtungen über dieses doppelte Licht angestellt und dabei die Entdeckung einer merkwürdigen Eigenschaft an diesem Lichte gemacht. Unter gewissen, leicht herzustellenden Umständen theilt sich die zwischen den beiden Enden der metallischen Leiter erscheinende Lichtmasse in viele parallele Schichten, die durch dunkle Lagen von einander getrennt sind. Man kann das Phänomen als eine Lichtsäule bezeichnen, welche aus Schichten gebildet ist, die eine senkrechte Richtung gegen die Achse der einander gegenüberstehenden Elektroden haben. Um dieser Erscheinung ihre vollkommene Deutlichkeit zu geben, muß man die Versuche, wie es in der Physik heißt, in specifisch leeren Räumen anstellen, d.h. in solchen Räumen, die, bevor ihnen durch die Luftpumpe die Luft möglichst entzogen wurde, mit Dämpfen von Terpenthinöl, Steinöl, Alkohol, Schwefelkohlenstoff u. vgl. erfüllt waren. Von dem Gase oder Dampfe, welche durch die Luftpumpe aus einem Raume ausgeschöpft werden, bleibt immer noch ein Theil zurück, und dieser Theil, |237| wie gering er auch sey, bewirkt die mehr oder minder deutliche Schichtung des elektrischen Lichts in parallelen Lagen.

Das durch den Ruhmkorff'schen Apparat erzeugte elektrische Licht erscheint nun, wie oben bemerkt, ununterbrochen fortdauernd; eigentlich besteht es in einer Reihe von elektrischen Entladungen, die äußerst schnell auf einander folgen. Man kann mittelst einer Vorrichtung die Aufeinanderfolge dieser Entladungen oder magnetelektrischen Funken beliebig regeln und jeden Funkenwechsel einzeln hervortreten lassen. Einem jeden Funkenwechsel entspricht eine Lichterscheinung; und wenn man die Entladungen so aufeinander folgen läßt, daß man sie deutlich von einander unterscheiden kann, so fließen auch die Lichterscheinungen nicht mehr in einander über, sondern das Auge unterscheidet deutlich die abwechselnd auf einander folgenden dunkeln und lichten Schichten. Herr Quet gibt in seinem Bericht über diesen Gegenstand noch viele andere Einzelnheiten über die Verschiedenheit der Erscheinungen je nach der Beschaffenheit der Gase oder Dämpfe, mit denen der luftverdünnte Raum in jenem sogenannten elektrischen Ei erfüllt gewesen, und je nach der Entfernung der beiden Elektroden im Innern des Recipienten; und auch über das Leitungsvermögen dieser verdünnten Mittel, in denen der elektrische Durchgang eine merkwürdige Periodicität anzunehmen scheint. (Böttger's polytechn. Notizblatt, 1853, Nro. 17.)

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