Titel: Die Jobard'sche Lampe für Oel und Gas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 5 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi03_5

Die Jobard'sche Lampe für Oel und Gas.

Hr. Jobard hat nach mehrjährigen Bemühungen die Construction einer Lampe zuwege gebracht, welche insofern auf einem neuen Principe beruht, als bei der Verbrennung des Oeles in derselben das Volum der Flamme an die Stelle ihrer Intensität tritt. Volum und Intensität sind nicht, wie man bisher glaubte, hinsichtlich des Lichts äquivalent, ebenso wenig als bezüglich des Wärmestoffs eine lebhafte Verbrennung bei starkem Zug unter einem Dampfkessel das Aequivalent einer langsamen Verbrennung bei mäßigem Zug ist (bei Vergleichung dieser letztern, in Cornwallis gebräuchlichen Heizung mit der gewöhnlichen, fand Hr. Combes eine bedeutende Ersparung an Steinkohlen). Dem entsprechend ließ Hr. Jobard bei der Lampe den Glascylinder und den künstlichen Zug weg, um das Oel in der heißen Luft bei möglichst geringem Zug zu verbrennen. Die neue Lampe beweist, daß die gewöhnliche Meinung, das entwickelte Licht sey stets proportional dem verzehrten Oel, durchaus falsch ist; es ist auch schon bekannt, daß man mit derselben Menge Leuchtgas durch bloßes Vermindern des innern Luftzugs fast die doppelte Lichtmenge erhalten kann. Die Jobard'sche Lampe, deren Beschreibung unser Original noch nicht gibt, ist frei von aller Mechanik, fließt nicht ab, hält gleiches Niveau, hat eine stetige, weiße, rauchlose Flamme, ist gegen Wind, Regen und Schwankungen unempfindlich, dem Auge wohlthätig und kostet nicht viel. Sie verzehrt, vorgenommenen Prüfungen zufolge, mit dem großen Licht stündlich 7,01 Gramme Oel, mit dem kleinen 1,125 Gramme, soll übrigens nicht die Salonlampe verdrängen, sondern ist eigentlich eine Nachtlampe, die aber den Dienst des Kerzenlichts, der Studirlampe, der Laterne etc. sehr gut verrichtet. Sie wird Omnibus-Lampe benannt. (Moniteur industriel, 1853, Nr. 1734.)

Der Director des Industrie-Museums in Brüssel, Hr. Jobard, hat die französische Akademie der Wissenschaften ersucht, eine Commission zu ernennen, um eine von ihm gemachte Entdeckung zu constatiren, deren Möglichkeit man längst voraussah. Es handelte sich darum, das Leuchtgas zu verbrennen, ohne die Flamme abzukühlen, folglich ohne sie zu verkleinern; anstatt die mit dem Wasserstoff in Berührung zu bringende Sauerstoffmenge soviel als möglich zu vergrößern, wie man es bisher that, befolgte Hr. Jobard das entgegengesetzte Verfahren. Er bemühte sich seit mehreren Jahren den Luftzug zu vermindern und der Flamme nur das Minimum der zu ihrer Verbrennung nothwendigen Luft zu liefern. Auf diese Weise gelang es ihm, mehr Flamme und weniger Wärme zu erhalten; der Kohlenstoff wird langsamer und vollständiger, mit einer Ersparniß von 50 bis 56 und sogar 65 Litern Gas per Stunde und per Normal-Brenner verzehrt. – Dieselben Principien wendet Hr. Jobard auf die Verbrennung des Oels mit einem |238| noch größern ökonomischen Erfolg an, da seine Lampe nur sieben Gramme Oel in der Stunde verzehrt. – Die Akademie hat die HHrn. v. Seguier und Payen mit der Prüfung dieser Sache beauftragt. (Cosmos, revue encyclopédique, Juli 1853.)

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