Titel: Reinigung der Kupfer-, Messing-, Zinn-, Eisen- und Silbergefäße; von Dr. E. Erlenmeyer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 9 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi03_9
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Reinigung der Kupfer-, Messing-, Zinn-, Eisen- und Silbergefäße; von Dr. E. Erlenmeyer.

Kupferne und messingene Gefäße ohne einen Zinnüberzug erlangen eine vollständig blanke Oberfläche, wenn man diese, nach gehöriger Abwaschung mit Lauge oder mit heißem Wasser und Sägmehl, mit einem Putzzeug aus Weizenkleie, Wasser und Vitriolöl oder mit gepulvertem rohen Weinstein und Wasser putzt, um Kupferoxyd und Grünspan durch Auflösen zu entfernen. In dem angeführten Gemenge wirkt das Vitriolöl selbst nicht unmittelbar, sondern nur auf die Kleie, welche sehr viel phosphorsaure Salze enthält, in der Art, daß die Phosphorsäure frei wird. Die freie Phosphorsäure löst das Kupferoxyd leicht auf und greift das Kupfer weit weniger an, wie die Schwefelsäure, woher es kommt, daß nach dem Scheuern mit Putzzeug, welches gerade mit der hinreichenden Menge von Schwefelsäure versetzt wurde, das Kupfer niemals anläuft, was immer geschieht, wenn zuviel Schwefelsäure vorhanden war. Der Weinstein löst ebenfalls das Kupferoxyd leicht auf und greift das Kupfer selbst nicht an, wenn er mit Wasser gehörig weggespült wird. Wo es sich um die Wegschaffung von ganzen Decken von Kupferoxyd handelt, da wendet man der Billigkeit halber Salzsäure an.

Das Reinigen des Zinns wird in den Haushaltungen ganz richtig durch kalische Laugen bewirkt; da diese das oberflächlich aufsitzende, den metallischen Glanz trübende Zinn- und Bleioxyd leicht auflösen, davon abgesehen, daß dieses Reinigungsmittel auch anderen Schmutz entfernt.

Gefäße von Eisen, welche beim Gebrauch mit Fett in Berührung kommen, das eine gegen das Rosten schützende Decke erzeugt, werden am besten nach jedesmaligem Gebrauch nur mit heißem Wasser und einem Stück Zeug ausgewaschen, mit kaltem Wasser nachgespült und zum nächsten Gebrauch bei Seite gestellt.

Bestreicht man eine blanke Eisenfläche mit irgend einem Fett, so wird sie vor Rost geschützt seyn, so lange als jenes eine ununterbrochene Decke bildet, mithin die abgenutzten Stellen immer wieder von neuem überkleidet werden. Versäumt man diese Vorsicht, so hilft das gepriesenste Mittel nichts. Gegenstände anderer Art, für deren Gebrauch ein Anstrich von Firniß oder Theer nicht hinderlich ist, halten sich ebenfalls unter solcher Decke ganz gut.

Hat sich aber auf einem eisernen Gegenstand Rost erzeugt, so müssen zu dessen Wegschaffung Schritte gethan werden.

Obgleich uns mancherlei chemische Mittel zur Entfernung des Rostes zu Gebote stehen, so ist es doch nicht gerathen, dergleichen anzuwenden, weil alle Flüssigkeiten, welche den Rost lösen, auch das Eisen selbst stark angreifen, und es dadurch wenn nicht mit größter Sorgfalt durch Wasser nachgereinigt wird, ganz besonders geneigt wird, von neuem zu rosten. Sowohl Salzsäure als auch Schwefelsäure lösen den Rost auf, und wenn sie angewendet werden sollen, so müssen sie stets mit Wasser verdünnt, und darauf die Gefäße mit etwas Asche oder zerfallenem Kalk nachgescheuert werden, um die Einwirkung dieser Säuren auf das Eisen zu verhindern. Am geeignetsten ist Schmirgel und Oel bei feineren Gegenständen, oder Sand und Wasser bei weniger feinen. Trockenes Reiben mit Bimsstein, oder Sandstein oder Rostpapier (Papier mit Bimssteinsand überkleidet) ist ebenfalls anwendbar.

Silberne Gerätschaften werden fast überall mit Kreide oder Trippel oder Hirschhorn und Branntwein gereinigt, was auch ganz zweckdienlich ist, wenn die genannten Substanzen aufs feinste geschlemmt sind und keine sandigen Theile enthalten. Als ganz vortheilhaft läßt sich auch an der Luft zerfallener vorher gebrannter Kalk oder gesiebte Holzasche empfehlen. Alle diese Stoffe sind nur mechanische Putzmittel. Will man chemische benutzen, so sind die bei dem Kupfer angeführten auch hier geeignet; denn das Silber ist auf seiner Oberfläche immer mit Kupferoxyd, was sich aus dem mit dem Silber legirten Kupfer gebildet hat, bedeckt.

(A. a. O.)

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