Titel: Der Rauch des Bovists (Lycoperdon proteus) als anästhesirendes Mittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 11 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi04_11

Der Rauch des Bovists (Lycoperdon proteus) als anästhesirendes Mittel.

Der genannte Pilz, früher in den Apotheken als blutstillendes Mittel gangbar, soll in England benutzt werden, um durch den bei dessen Verbrennung entstehenden Rauch die Bienen, vor dem Ausnehmen des Inhalts der Bienenkörbe, auf einige Minuten zu betäuben, wodurch man die für solche tödtliche Anwendung des Schwefeldampfs umgeht. B. Richardson wurde dadurch veranlaßt, Versuche mit diesem Rauch behufs seiner Anwendbarkeit zum Narkotisiren anzustellen. Die Versuche welche er mit Katzen, Hunden und an sich anstellte, ergaben, daß der Rauch des Bovists in starker Dosis und gereinigt rasch und vollkommen narkotisirt, ohne unangenehm zu seyn; die narkotische Wirkung verschwindet bald wieder, das Individuum in vollkommener Gesundheit zurücklassend. In verdünntem (unreinem) Zustand bringt er Vergiftungs-Erscheinungen und Convulsionen hervor, bewirkt erst nach längerer Zeit die Narkotisirung, erregt manchmal Husten und Brechen, und das Thier bleibt längere Zeit in einem Zustand der Betäubung und des Uebelbefindens. Wird die Wirkung auf das Aeußerste getrieben, so hört das Athmen früher auf als der Herzschlag, und so lange jenes, wenn auch noch so schwach, fortdauert, wird sich das Thier bei Entziehung der narkotisirenden Ursache stets wieder erholen. Verwundungen und Operationen erträgt das Thier, ohne sie zu fühlen. Der unreine Rauch, welcher schwieriger einzuathmen ist und Augen und Nase reizt, kann dadurch gereinigt werden, daß man ihn durch Aetzkalilösung leitet. – Vielleicht ergeben weitere Erfahrungen, daß dieses neue Mittel zum Narkotisiren die Vortheile der bisher bekannten darbietet, ohne die Gefahr derselben zu theilen. (Journal de Chimie médicale, Juli 1853, S. 401.)

Hr. Gerard stellte in Folge gleicher Angaben in der Mainzer Zeitung den Versuch an sich selbst an. Das Einstecken des Kopfes mitten in den Bovistrauch verursachte ihm mehrere Ungemächlichkeiten und Schmerzen, der Zustand der Fühllosigkeit stellte sich aber bei ihm nicht ein. (Comptes rendus, Juni 1853, Nr. 25.)

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