Titel: Nachweis der Pikrinsäure im Bier; von J. L. Lassaigne.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 7 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi04_7

Nachweis der Pikrinsäure im Bier; von J. L. Lassaigne.

Vor beiläufig einem Jahre wurde der Vorschlag gemacht, beim Bierbrauen einen Theil des Hopfens durch Pikrinsäure (Kohlenstickstoffsäure) zu ersetzen. Diese Verfälschung, welche an einigen Orten geschah, darf nicht geduldet werden, und zum Zweck ihrer Nachweisung habe ich folgende Versuche angestellt:

Die Pikrinsäure läßt sich durch ihre auffallende Bitterkeit, welche sich derjenigen des Hopfenbitters nähert, in dem Bier das solche enthält, also durch den bloßen Geschmack, nicht erkennen, wovon ich mich durch directe Proben überzeugte; mittelst Anwendung einiger chemischen Reactionen kann man aber ihre Gegenwart leicht nachweisen.

Pikrinsäure, welche dem Wasser ihre gelbe Farbe und ihre Bitterkeit mittheilt, im Biere aufgelöst, wird durch basisch essigsaures Blei nicht gefällt, während der Bitterstoff und Farbstoff des Hopfens durch dieses basische Salz fast gänzlich niedergeschlagen werden. Ich habe mich auch überzeugt, daß die gewöhnliche Knochenkohle, sowie die durch Säuren gereinigte, sich mit dem Farbstoff des Biers verbindet und ihn niederschlägt, wogegen die Pikrinsäure mit ihrer natürlichen Farbe aufgelöst bleibt ohne sich mit der Kohle zu vereinigen.

Auf die Anwendung dieser zwei Eigenschaften gründet sich das Verfahren welches ich einschlug, um dem Bier zugesetzte kleine Quantitäten von Pikrinsäure zu entdecken.

Ich nahm einerseits reines Bier, andererseits solches das ich mit 1/12000 und sogar nur 1/18000 Pikrinsäure versetzt hatte; als ich in beide Biere einen Ueberschuß von |319| drittel-essigsaurem Blei goß, oder sie mit einem Ueberschuß von gepulverter Knochenkohle schüttelte, ergab sich, daß das reine Bier fast vollständig entfärbt wurde, wogegen das in obigem Verhältniß mit Pikrinsäure gemischte Bier citronengelb gefärbt blieb, weil diese Säure nicht gefällt wurde.

Um in dem Bier eine noch kleinere Quantität von Pikrinsäure als die erwähnte zu entdecken, müßte man die mit den genannten chemischen Agentien behandelten Flüssigkeiten durch Abdampfen concentriren. (Journal de Chimie médicale, August 1853, S. 495.)

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