Titel: Ueber die Ausziehtische auf der Londoner Ausstellung von 1851.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 4 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi05_4

Ueber die Ausziehtische auf der Londoner Ausstellung von 1851.

Sieht man von Styl und Ausführung ab und faßt bloß vom mechanischen Standpunkte die Construction ins Auge, so haben wir vornehmlich zwei Systeme von Ausziehtischen (expanding tables) zu erwähnen, wobei die Vorrichtungen zur Vergrößerung des Tischblattes oder zur Befestigung der Theile unter manchen Gesichtspunkten zweckmäßig erschienen. Bei dem runden Speisetische von Johnstone und Jeanes in London bestand das Tischblatt in seiner normalen Form aus 8 Sectoren, welche sich in unten angebrachten hölzernen Coulissen in radialer Richtung ausziehen lassen. Dieses Ausziehen aller 8 Sectoren geschieht gleichzeitig durch eine kleine Drehung des Tischblattes auf dem Untergestelle. Jeder Sector ist nämlich mittelst eines Zapfens an einem eisernen Stabe befestigt, dessen anderes Ende in schiefer Richtung nach der Peripherie des feststehenden Tischfußes reicht und dort, etwa 1 Fuß von der Spitze des Sectors entfernt, gleichfalls mittelst eines Zapfens festsitzt. Wird nun das ganze Tischblatt in der Richtung nach letzterem Befestigungspunkte hin gedreht, so müssen sich, indem die eisernen Stäbe aus der schiefen Stellung sich der radialen nähern, die einzelnen Sectoren von ihrem gemeinsamen Mittelpunkte entfernen, indem sie sich in radialer Richtung in den Coulissen schieben. Einlagen, auf die verschiedenen Durchmesser berechnet, welche man der Tafel geben will, und auf den Kanten mit entsprechenden Zapfen und Zapfenlöchern zur Verbindung mit den Sectoren versehen, werden alsdann zwischen die Sectoren gelegt, und eine kleine Drehung des Tisches in umgekehrter Richtung, wodurch sich die keilförmigen Sectoren wieder dem Mittelpunkte nähern, bewirkt zuletzt einen sehr festen und soliden Schluß aller Theile. Auf alle Fälle dürfte dieses Princip dem Vergrößern der Tische durch Theile von concentrischen Ringen vorzuziehen seyn, wie dieß z.B. bei den Tischen von J. Calder in Bath (durch Auflegen der Theile auf Auszüge) geschah. Johnstone und Jeanes erhielten wegen der beschriebenen Tischconstruction die Preismedaille.

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Ferner hatte S. Hawkins in London ein neues System zum Vergrößern runder und rechtwinkliger Tische in Modellen zur Anschauung gebracht. Bei runden Tischen geschieht hier die Vergrößerung durch Umlegen concentrischer Stücke, deren Auflager und Befestigung durch vier radiale Zugstangen gebildet werden, die nach der Mitte zu in Zahnstangen auslaufen und in ein gemeinschaftliches, im Centrum des Tisches befindliches Zahnrädchen eingreifen, dessen Drehung demnach alle Zugstangen anzieht oder herausschiebt. Die concentrischen Stücke werden so aufgelegt, daß sie gerade über einer Zugstange zusammenstoßen. Jedes Stück hat auf der unteren Seite einen Stift, der in einen keilförmigen Einschnitt der Zugstange paßt. Sind demnach alle Stücke (die man für verschiedene Durchmesser vorräthig hält) eingelegt, so dreht man das Zahnrad in der Mitte rückwärts, wodurch sich alle Theile nicht bloß fest gegen das mittlere Tischblatt andrücken, sondern auch (durch jene Einschnitte und Stifte) in den Fugen unter einander dicht zusammengepreßt werden. In Bezug auf diesen festen Schluß bietet die Hawkins'sche Construction jedenfalls einen großen Vortheil vor ähnlichen Methoden, z.B. vor der erwähnten von Calder. Die Drehung des mittleren Zahnrades wird von einer der Zugstangen aus bewirkt, worin eine Schraube eingeschaltet ist; eine kleine Kurbel, die man nach dem Gebrauche abzieht, bewegt diese Schraube.

Empfehlenswerther noch ist die Hawkins'sche Methode, winkelrechte Tische zu verlängern. Die Vorrichtung zum Ausziehen selbst ist, was die Leitungen anbetrifft, nicht wesentlich verschieden von gewöhnlichen Ausziehtischen, und der Unterschied besteht nur in der Methode des Ausziehens. Es geschieht dieß nämlich durch ein System von Schrauben, die der Länge nach unter dem Tischblatte liegen. In der Mitte liegt eine lange Schraubenmutter, zur Hälfte links, zur Hälfte rechts geschnitten. Die nach beiden Seiten in dieselben eintretenden Schraubenbolzen dienen ihrerseits wieder als Muttern für zwei Schrauben, die bis ans Ende des Tischblattes reichen. Dreht man nun die eine derselbe mittelst einer Kurbel, so schraubt sie sich (falls der Tisch ausgezogen war und zusammengeschoben werden soll) zuerst in die folgende Schraube hinein, nimmt diese alsdann mit herum und schraubt sie in die in der Mitte liegende Mutter ein. Diese ist selbst in zwei Lagern drehbar; sobald also die Schrauben von der einen Seite ganz eingezogen sind, beginnt auch sie die Drehungen und zieht die auf der anderen Seite liegenden links geschnittenen Schrauben ein, deren äußere natürlicherweise am Rande des Tisches befestigt ist. Will man den Tisch vergrößern, so dreht man nur in entgegengesetzter Richtung. Auf diese Art kann eine Person mit Leichtigkeit die Dimensionen des schwersten Tisches verändern, was sonst durch Ziehen und Zerren von beiden Seiten geschehen mußte, und wenn die Schieber in den Leitungen fest gingen, mit großer Anstrengung verknüpft war. Ueberdieß stellen die Schrauben stets einen festen Schluß her, indem man sie, nachdem die Einlagen zwischengelegt sind, in umgekehrter Richtung dreht und somit die beiden Theile des Tisches und die Einlagen zusammenpreßt. (Amtl. Bericht der Londoner Industrie-Ausstellung. 3ter Th. S. 402.)

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