Titel: Gefäße zur Aufbewahrung der Flußsäure; von G. Städeler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 6 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi05_6
|398|

Gefäße zur Aufbewahrung der Flußsäure; von G. Städeler.

Der häufigeren Anwendung der Flußsäure bei der Analyse der Silicate und Borate stand bisher der Umstand hindernd entgegen, daß zu ihrer Aufbewahrung sehr kostbare Gefäße erforderlich waren; man pflegte deßhalb die Säure für den jedesmaligen Gebrauch in kleiner Menge darzustellen, was mit einem verhältnißmäßig großen Aufwand von Zeit und Mühe verbunden waren.

Ich habe beobachtet, daß Gutta-percha und vulcanisirter Kautschuk der Einwirkung der Flußsäure sehr gut widerstehen; diese Stoffe bieten deßhalb ein geeignetes Material dar zur Anfertigung von Gefäßen, die zur Aufbewahrung der Säure dienen sollen.

Seit länger als einem halben Jahr benutzte ich für diesen Zweck eine Gutta-percha-Flasche, die ich von Hrn. Martin Wallach in Kassel erhalten habe. Sie hat die Form eines länglichen Medicinglases, und kann durch einen Pfropfen von Gutta-percha verschlossen werden. Die darin aufbewahrte Säure war so concentrirt, daß sie bei gewöhnlicher Temperatur Dämpfe ausstieß; dessenungeachtet bemerkt man an der Flasche keine weitere Veränderung, als daß die innere Wand derselben etwas heller gefärbt ist als die äußere. Die Säure selbst zeigte sich bis auf den letzten Tropfen vollkommen klar und farblos.

Die Flußsäure könnte deßhalb sehr gut in Fabriken angefertigt und in Gutta-percha-Flaschen versandt werden.

Zur Darstellung der Säure benutze ich einen Kolben von Blei, der die Form eines Digerirglases hat, dessen Hals abgesprengt ist. Er hat etwa 5'' inneren Durchmesser, und die Weite des sehr kurzen Halses beträgt gegen 1 3/4''. In die ausgedrehte Mündung wird ein gut schließendes weites Bleirohr von 4'' Länge gesteckt, dessen oberes Ende etwas zusammengezogen ist, damit es durch einen gewöhnlichen Flaschenkork, der ein zweischenkliches dünnes Bleirohr trägt, verschlossen werden kann. Der längere Schenkel dieses Rohrs ist 6'' lang; man verbindet ihn mit einer dickwandigen Röhre von vulcanisirtem Kautschuk von beliebiger Länge, die in die zur Aufbewahrung der Flußsäure bestimmte Gutta-percha-Flasche mündet. Wegen der leichten Absorption des Fluorwasserstoffgases und der damit verbundenen Gefahr des Zurücksteigens läßt man die Kautschukröhre während der Darstellung der Säure das vorgelegte Wasser nicht berühren, und trägt für eine gute Abkühlung Sorge.

Der Apparat ist bei den angegebenen Dimensionen leicht zu reinigen, und die Verlängerung des Kolbens durch ein weites Bleirohr macht das Ueberspritzen von Gyps und Schwefelsäure unmöglich. (Annalen der Chemie und Pharmacie, August 1853, S. 137.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: