Titel: Die directen positiven Lichtbilder (Porträte) auf Kattun, Leinwand, Seide, Wachstuch etc. der HHrn. Wulff in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 5 (S. 465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi06_5

Die directen positiven Lichtbilder (Porträte) auf Kattun, Leinwand, Seide, Wachstuch etc. der HHrn. Wulff in Paris.

Die HHrn. Wulff haben der französischen Akademie der Wissenschaften sehr schöne Proben ihrer photographischen Porträte auf Kattun, Wachsleinwand etc. übergeben. Diese direct auf dem Zeug dargestellten Porträte haben unbestreitbare Vorzüge sowohl vor den Daguerre'schen Lichtbildern auf Metallplatten, als vor den Photographien auf Papier, denn 1) spiegeln solche Lichtbilder nicht, wie die Daguerre'schen auf Silberblech; 2) werden sie durch die Berührung nicht verdorben; man kann ein solches Bild abwischen und sogar waschen, ohne daß es im mindesten beschädigt wird, daher sich ein Porträt in einem Brief versenden läßt; 3) kann sie der Photograph ganz sicher und in wenigen Secunden anfertigen, sie können also unmittelbar nach einer Sitzung und zu sehr niederm Preise geliefert werden, was nicht möglich ist, wenn man vorher ein negatives Bild darstellen muß; 4) endlich kann man solche Porträte mit pulverförmigen oder anderen Farben coloriren.

Hr. Abbé Moigno, Redacteur des Cosmos, welcher Zeitschrift diese Notizen entnommen sind, veranlaßte einen seiner Freunde bei den HHrn. Wulff, deren Atelier sich in einem rechteckigen, auf allen Seiten mit fünfstöckigen Gebäuden umgebenen Hof befindet, sich fünfmal nach einander zum Porträtiren zu setzen und ließ sich die in einigen Secunden gemachten fünf Porträte auf Kattun sogleich überbringen; sie waren sämmtlich vollkommen gelungen und ließen nichts zu wünschen übrig.

Die HHrn. Wulff halten ihr Verfahren noch geheim, wahrscheinlich erzeugen sie aber das Lichtbild auf jodhaltigem Collodium.

Hr. Martin aus Versailles theilte schon im April vorigen Jahrs der franz. Akademie ein Verfahren mit, um direct positive Lichtbilder auf Platten aller Art zu erhalten (s. polytechn. Journal Bd. CXXV S. 119); seine Methode ist sehr einfach und besteht darin, die mit Kupferstecherfirniß überzogene Platte von Metall, Pappe etc. mit jodhaltigem Collodium zu bedecken, dann in ein Bad von salpetersaurem Silber zu tauchen, um sie für das Licht empfindlich zu machen, hierauf in der camera obscura während einiger Secunden zu exponiren, sodann das vom Licht nicht modificirte Jodsilber durch eine Auflösung von Cyansilber in Cyankalium abzuziehen und endlich das Bild mit vielem Wasser zu waschen, worauf man es nur noch mit Dextrin zu überziehen und zu trocknen braucht.

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