Titel: Neuer sehr billiger Ansatz zum Dampfblau für den Zeugdruck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 9 (S. 467–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi06_9

Neuer sehr billiger Ansatz zum Dampfblau für den Zeugdruck.

Zur Herstellung des Dampfblau wurde bisher gewöhnlich das eisenblausaure Kali in der Weise zersetzt, daß man dasselbe in der entsprechenden Menge Wasser löst, dann die zur Zersetzung nöthige Menge einer Säure mit Wasser löst oder verdünnt, und beide Mischungen vereinigt. Benutzt man Weinsteinsäure, so scheidet sich, wenn die Lösungen nicht zu stark verdünnt waren, das sich bildende weinsteinsaure Kali beim Erkalten in feinen Krystallen ab und die Lösung eignet sich sehr vorzüglich zu einem schönen Blau. Der hohe Preis der Weinsteinsäure – man braucht zur ganz genauen Zersetzung auf 1 Pfd. blausaures Kali 45 3/4 Loth derselben – war Veranlassung zu vielen Versuchen und Anwendungen, bei welchen man dieselbe durch billigere Substanzen ersetzte, als namentlich durch Schwefelsäure und durch saures schwefelsaures Kali.

Wenn man Lösungen des eisenblausauren Kali mit der von Schwefelsäure oder saurem schwefelsaurem Kali in Wasser mischt, so geht zwar die zur Bildung der blauen Farbe nöthige Zersetzung vor sich, allein die entstehende Lösung enthält eine große Menge schwefelsaures Kali aufgelöst, welches die damit bedruckten Stoffe bei dem Dämpfen sehr stark angreift, auch der Schönheit der Farbe Eintrag thut.

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Der neue Ansatz beruht auf der Eigenschaft des blausauren Kali, sich in einer kleinen Quantität verdünnter Schwefelsäure kalt vollkommen zu zersetzen, ohne daß es nöthig wäre dasselbe vorher in Wasser zu lösen. Man schüttet es in nußgroßen Stücken hinein. Das sich bildende schwefelsaure Kali scheidet sich vollständig ab.

Bei dieser Art des Ansatzes ist es durchaus nöthig, genau die Quantität der Schwefelsäure, welche zur Zersetzung einer gewissen Menge von eisenblausaurem Kali nothwendig ist zu wissen, da ein Ueberschuß an Säure der Waare nachtheilig werden würde, anderntheils ein Mangel derselben ein schlechteres Blau und einen Verlust an eisenblausaurem Kali ergeben würde.

Die Menge des zur Verdünnung der Säure nöthigen Wassers braucht nicht größer zu seyn, als um das hineingeschüttete blausaure Kali zu bedecken, es ist weniger kaltes Wasser nöthig, als zur Lösung des blausauren Kali heißes erforderlich ist. Man erhält mithin auf diese Weise eine so concentrirte Lösung von blausaurem Eisen, wie sie auf andere Art nur sehr schwer zu erzielen ist.

Bei der Erwärmung entwickelt sich aus diesem wie aus den andern Ansätzen Blausäure, und Berlinerblau fällt nieder. Da die anderen Ansätze immer warm bereitet werden, so geht die weitere Zersetzung sofort vor sich, was hierbei nicht der Fall ist, da die Lösung, mit gehöriger Vorsicht bereitet, ganz kalt bleibt, sich auch längere Zeit hindurch unzersetzt erhält.

Zu beobachten hat man dabei dann nur, daß das eisenblausaure Kali nicht gepulvert, sondern in nußgroßen Stücken in die verdünnte Säure gebracht, und dann bis zur ziemlich rasch erfolgenden Zersetzung umgerührt wird. Es bildet sich ein weißer Bodensatz von fein krystallisirtem schwefelsaurem Kali und eine klare grünlich gelbliche Lösung von blausaurem Eisen.

Das genaue Verhältniß der zu verwendenden Säure ist auf 1 Pfund gutes trockenes Blutlaugensalz 14,86 (14 3/4) Loth Schwefelsäure von 66° B. Denn blausaures Kali enthält 44,66 Proc. Kali oder 1 Pfd. 14,29 Loth. Um schwefelsaures Kali zu bilden, ist auf 1 Atom Kali 1 Atom Schwefelsäure nöthig, die Rechnung also bei dem Mischungsgewicht von 589,9 für Kali und 613,6 für Schwefelsäure sehr einfach 589,9 : 6136 = 14,29 Loth: x, = 14,86 Loth Schwefelsäure.

Bei den Ansätzen die ich verwende, rechne ich für 1 Pfd. eisenblausaures Kali 1/2 Quart Wasser, ich erhalte dadurch einen so starken Ansatz, daß ich solchen zu 1 bis 2 Quart kalter ganz dick gekochter Stärke rühren kann, und doch eine sehr intensive Farbe erhalte.

1 Quart Wasser, 14 3/4 Loth Schwefelsäure und 1 Pfund blausaures Kali liefert einen vorzüglichen Ansatz; derselbe nach Farbe verdünnt, mit Stärke verdickt und mit einer gehörigen Menge blausaurem Zinn versetzt, gibt auf mit Präparirsalz vorbereiteter Waare, sowohl Kattun als Halbwolle, ein sehr schönes, dem mit Weinsteinsäure bereiteten wenig nachstehendes Blau, welches nicht halb so viel kostet, als das erstere.

Ein gutes Dampfblau auf Kattun aus dem Ansatz von 1 Quart Wasser pro Pfund eisenblausaures Kali ist:

1 Quart Wasser verdickt mit
16 Loth Stärke, halb kalt gerührt, dann
1 Pfund Ansatz und
1 „ blausaures Zinn zugerührt.

Die hiermit bedruckte Waare muß nach dem Dämpfen einige Tage hängen bleiben, oder vor dem Spülen durch eine schwache Lösung von chromsaurem Kali genommen werden. W. Grüne jun. (Deutsche Musterzeitung, 1853, Nr. 6.)

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