Titel: Leroux neue galvanische Batterie.
Autor: Leroux, F. P.
Fundstelle: 1853, Band 130, Nr. IX. (S. 46–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/ar130009

IX. Ueber die Anwendung eines erwärmten Gemenges von Manganhyperoxyd und Schwefelsäure, oder einer Mischung von Salpetersäure und Schwefelsäure, anstatt Salpetersäure, in der Bunsen'schen Batterie; von Hrn. F. P. Leroux.

Aus den Comptes rendus, August 1853, Nr. 9.

Hr. Guignet bemerkt (in der vorstehenden Abhandlung), daß man die Salpetersäure in der Bunsen'schen Säule, bei gewöhnlicher Temperatur durch ein Gemenge von Schwefelsäure und Manganhyperoxyd ersetzen kann.

Ich wollte mich von der Richtigkeit der von ihm angegebenen Thatsachen überzeugen. Um einen vergleichenden Versuch anzustellen, dessen Resultate einige Sicherheit darbieten, bediente ich mich mehrerer Kohlen (Kohks aus Gasretorten), die ich aus demselben Stück geschnitten hatte, damit die Porosität dieselbe war, sowie auch das Leitungsvermögen; ich hatte eben so viele Diaphragmen, welche ich nach einander in dasselbe Bunsen'sche Element mit innerer Kohle brachte, dessen Zink vollkommen amalgamirt war; überdieß war ich besorgt, ein angesäuertes Wasser von stets gleicher Stärke anzuwenden.

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Dabei fand ich:

1) Daß die Wirkung des Manganhyperoxyds, wenn man es mit concentrirter Schwefelsäure mischt und bei gewöhnlicher Temperatur anwendet, nicht mit derjenigen der Salpetersäure vergleichbar ist, und daß es die Elektricitäts-Erzeugung in Folge der Auflösung des Zinks nicht merklich vergrößert; die in dem Diaphragma enthaltene Schwefelsäure (des Gemenges) wirkt fast nur als Leiter. Von dieser letztern Thatsache habe ich mich auf die Art überzeugt, daß ich abwechselnd ein mit dem Gemenge gefülltes Diaphragma anwandte, und ein anderes welches bloß Schwefelsäure enthielt.

2) Wenn man das Gemenge mehrere Stunden sich selbst überlassen hat und es dann in die Batterie bringt, so erhält man in der ersten Zeit einen fast eben so starken Strom als mit Salpetersäure; aber die Stärke dieses Stroms nimmt rasch ab, und nach Verlauf von zehn Minuten, höchstens einer Viertelstunde, ist es so schwach als ich eben sagte.

Dieß rührt daher, daß das Gemenge bei gewöhnlicher Temperatur nur sehr langsam Sauerstoff entbindet, daher, wenn man es sich selbst überläßt, der freie Sauerstoff sich entweder durch Auflösung oder mechanisch in ihm anhäufen muß; in diesem Falle wäre also der Apparat gewissermaßen mit einer Gasbatterie zu vergleichen; ist aber einmal aller freie Sauerstoff verzehrt, so kann die Elektricitäts-Erzeugung nur noch durch denjenigen Sauerstoff unterhalten werden, welcher sich nach und nach sehr langsam entbindet.

3) Daraus folgt, daß wenn man die Sauerstoff-Entbindung vergrößern könnte, man einen viel stärkeren Strom erhielte. Nun besteht das einfachste Mittel zu diesem Zweck darin, die Temperatur zu erhöhen. Ich stellte also mein Element in ein Gefäß mit Wasser, welches ich bis zum Sieden erhitzte; ein im Innern des Elements angebrachter Thermometer zeigte mir dessen Temperatur an. Ich überzeugte mich so, daß gegen 60° C. die Stromstärke sehr rasch zunahm; gegen 75° C. erreichte sie das Maximum. Man bemerkt gleichzeitig einige Blasen Sauerstoff, welche sich aus dem Gemenge entbinden. Auf diese Weise erhält man einen stärkeren Strom als mittelst Salpetersäure.

Nur wenn man die Temperatur des fraglichen Gemenges erhöht, wird also hinreichend Elektricität erzeugt; mit zunehmender Temperatur vermindert auch die Leitfähigkeit der Flüssigkeiten die inneren Widerstände.

Leider ist dieses Verfahren nur in großem Maaßstab anwendbar.

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Indem ich über die Ursachen nachdachte, weßhalb die von Hrn. Guignet und mir beobachteten Resultate nicht übereinstimmen, verfiel ich auf ein im Kleinen anwendbares bequemes Verfahren. Ich vermuthete nämlich, daß zu den ersten Versuchen über die Anwendung des Manganhyperoxyds Kohlen verwendet wurden, welche schon gebraucht und noch mit Salpetersäure getränkt waren. Um zu sehen ob diese Erklärung zulässig ist, tränkte ich eine nur mittelmäßig poröse Kohle mit Salpetersäure, und tauchte sie in das mit concentrirter Schwefelsäure gefüllte Diaphragma. Der erzeugte Strom war stärker als mit reiner Salpetersäure. Ich sah nun ein, welchen großen Vortheil die Anwendung der Schwefelsäure gewähren kann. Durch ihre Verwandtschaft zum Wasser entzieht sie nämlich solches der Salpetersäure, und macht sie unbeständiger, geeigneter Sauerstoff abzugeben. Bekanntlich muß die in den Batterien angewandte Salpetersäure, nachdem sie auf eine gewisse Verdünnung gekommen ist, als zu schwach beseitigt werden; durch die Anwendung von Schwefelsäure kann man sie hingegen bis auf das letzte Atom wasserfreier Salpetersäure benutzen.5) Dazu kommt noch, daß der Verlust in Folge von Verdampfung, der Porosität der Kohle und des Umgießens der Säuren, eine Flüssigkeit von geringerem Preise betrifft. Die Schwefelsäure kann beiläufig ihr gleiches Volum Salpetersäure, welche man ihr portionenweise und nach Bedarf zusetzt, hinreichend entwässern. Uebrigens ist diese Schwefelsäure nicht verloren, sie läßt sich zum Auflösen des Zinks der Batterie benutzen, wenn man sie vorher einige Zeit kochen läßt, um die letzten Antheile von Salpetersäure zu verjagen, welche das Quecksilber auflösen und die Amalgamirung zerstören könnten. Aus meiner Arbeit geht also hervor, daß man in der Bunsen'schen Batterie anstatt der reinen Salpetersäure, mit Vortheil

1) Manganhyperoxyd und Schwefelsäure, aber mit Beihülfe der Wärme, oder

2) Schwefelsäure, welche ein Zwanzigstel oder ein Zehntel Salpetersäure enthält, bei gewöhnlicher Temperatur anwenden kann.

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Bekanntlich wird die Entwässerung der Salpetersäure mittelst Schwefelsäure bei der Bereitung der Schießbaumwolle benutzt. A. d. Red.

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