Titel: Ueber die chemischen Vorgänge bei der Photographie auf Papier und Glas; von Dr. J. Schnauß in Jena.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 2 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi01_2

Ueber die chemischen Vorgänge bei der Photographie auf Papier und Glas; von Dr. J. Schnauß in Jena.

Der Verfasser brachte verschiedene präparirte Papiere in die Camera obscura: 1) ein mit bloßem Jodsilber imprägnirtes Papier, das 20 Stunden lang in viel destillirtem Wasser gelegen hatte; 2) ein bloß mit salpetersaurem Silber getränktes; 3) ein in einem Gemenge von salpetersaurem Silber und etwa zwei Gewichtstheilen Essigsäure getränktes Papier; 4) ein wie nach 3) bereitetes, auf das aber mit der Silberlösung zugleich etwas Gallussäure aufgetragen war; 5) ein mit reinem Jodsilber getränktes und getrocknetes Papier, das mit neutraler Lösung von salpetersaurem Silber bestrichen war. Diese Platten wurden bei gleich starker Beleuchtung (indirectes Sonnenlicht) desselben Objects (einer weißen Statue) in gleicher Entfernung von dem Objectivglase der Camera 100 Secunden der Wirkung des Lichtes ausgesetzt. 1) zeigte beim Herausnehmen nach mehrstündiger Einwirkung von Gallussäure keine Lichtwirkung oder Schwärzung; 2) war unverändert, Gallussäure bewirkte sogleich eine allgemeine Zersetzung des Silbersalzes, indem sich das ganze Papier brännte; 3) zeigte weder ohne noch mit Gallussäure ein Lichtbild, letztere brachte auch nach stundenlanger Einwirkung im Dunkeln keine Reduction hervor; 4) verhielt sich wie die vorhergehenden. Auf 5) trat nach Behandlung mit Gallussäure und etwas Eisessig ein deutliches Bild hervor; die Essigsäure verhindert hierbei die Reduction des Silbersalzes auf den vom Lichte nicht getroffenen Stellen.

Aus diesen Versuchen geht hervor, daß Jodsilber und salpetersaures Silber zusammen die eigentlich empfindliche Schicht bilden; die Hauptbedingung einer gegen das Licht möglichst empfindlichen Schicht auf Papier oder Glas besteht also darin, daß das Licht erst durch eine Schicht salpetersauren Silbers in Wasser dringen muß, bevor es auf das Jodsilber gelangt. Diese Schicht Silberlösung muß während der Reduction durch geeignete Substanzen auf dem Papiere bleiben, indem sich das aus der Silberlösung reducirte Silber auf die von dem Lichte getroffenen Stellen des Jodsilbers niederschlägt. Wird die Silberlösung nach der Exposition abgewaschen, so erzeugt Gallussäure kein Bild mehr.

Die Wirkung der Essigsäure beruht nach der Ansicht des Verfassers darauf, daß sie an den vom Lichte nicht getroffenen Stellen jeden basischen Einfluß fern hält. Zusatz von Alkali oder eines löslichen neutralen Salzes, z.B. essigsauren Ammoniaks oder essigsauren Kalks, zur Gallussäure verstärkt die Reductionsfähigkeit der Gallussäure; eine nicht gerade concentrirte Lösung von essigsaurem Kalk besitzt, wie Laborde gezeigt hat, die Eigenthümlichkeit, eine zwanzigmal größere Menge Gallussäure aufzulösen, als eine gleich große Menge Wasser. Daß Zusatz einiger Tropfen eines Gemenges von salpetersaurem Silber und Essigsäure zur Gallussäure die Wirkung der Gallussäure erhöht, ist durch Vermehrung von reducirtem Silber auf den vom Lichte getroffenen Stellen zu erklären. Aehnlich wie Essigsäure wirken einige schwere Metallsalze, deren Basen schwer lösliche oder unlösliche Verbindungen mit Gallussäure geben, z.B. salpetersaures Zink, salpetersaures Blei; sie verlangsamen die Reduction durch Gallussäure.

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Dieselben Wirkungen der Essigsäure kehren bei Anwendung von Eisenoxydulsalzen wieder. Ohne diese Säure wirken aber die Salze so kräftig reducirend, daß, wie nach dem Talbot'schen Verfahren, schon während der Exposition die reducirende Einwirkung beginnt, so daß das Bild beim Herausnehmen schon einigermaßen sichtbar ist. Dasselbe zeigt sich aber auch, wenn man bei der ursprünglichen Bereitungsart des Papiers der essig-salpetersauren Silberlösung einige Tropfen Gallussäure hinzufügt. (Aus dem Archiv der Pharmacie, durch das Journal für prakt. Chemie, Bd. LIX S. 186.)

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