Titel: Ueber die Auffindung des Schwefelkohlenstoffs; von Professor A. Vogel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 3 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi01_3

Ueber die Auffindung des Schwefelkohlenstoffs; von Professor A. Vogel.

Wenn man zu einer Lösung von kaustischem Kali in absolutem Alkohol so viel Schwefelkohlenstoff hinzusetzt, als sich darin aufzulösen vermag, so bildet sich bekanntlich eine reichliche Menge weißgelblicher Krystalle von xanthogensaurem Kali. Ich habe diese Eigenschaft benutzt, um in einer Flüssigkeit geringe Quantitäten von Schwefelkohlenstoff zu entdecken. Setzt man zu einer größeren Menge der alkoholischen Kalilösung nur einen Tropfen Schwefelkohlenstoff, oder leitet man einen Luftstrom über Schwefelkohlenstoff in dieselbe, so entsteht zwar die eigenthümliche Krystallbildung nicht, allein auch in einer so verdünnten Lösung kann die entstandene Verbindung durch ihr Verhalten zu Kupferoxydsalzen nachgewiesen werden. Das xanthogensaure Kali gibt nämlich, mit einer Auflösung von essigsaurem Kupferoxyd oder Kupfervitriol versetzt, einen voluminösen citronengelben Niederschlag. Diese Reaction tritt ein, wenn auch nur eine geringe Menge Schwefelkohlenstoff zur alkoholischen Kalilösung zugesetzt ist, und zeigt sich am deutlichsten, wenn man von der Flüssigkeit etwas bei gewöhnlicher Temperatur auf einem Uhrglase verdampfen läßt und dann den Rückstand mit der Auflösung eines Kupfersalzes übergießt. Da der gelbe Niederschlag von Ammoniak in der Kälte fast nicht gelöst wird, so kann er durch Behandeln hiermit von dem gleichzeitig gebildeten Kupferoxydhydrat getrennt werden.

Auch eine andere Eigenschaft des Schwefelkohlenstoffs kann zu einer noch empfindlicheren Reaction benutzt werden, wenn es sich darum handelt, die geringsten Spuren dieser Substanz zu entdecken. Wird nämlich eine wässerige oder alkoholische Lösung von Schwefelkohlenstoff mit Kali gekocht, so bildet sich Schwefelkalium, welches auf Zusatz einer Auflösung von salpetersaurem Bleioxyd einen schwarzen Niederschlag von Schwefelblei gibt. Kocht man eine Auflösung von salpetersaurem Bleioxyd mit Kalilösung und setzt während des Kochens eine höchst verdünnte Lösung von Schwefelkohlenstoff in Wasser hinzu, so entsteht sogleich der charakteristische schwarze Niederschlag. Ein Tropfen von schwefelwasserstofffreiem Schwefelkohlenstoff mit 2 Maaß Wasser geschüttelt, zeigte ganz deutlich die angegebene Reaction, welche daher auch bei außerordentlicher Verdünnung noch anwendbar ist.

Man hat bisher und auch mit Recht angenommen, daß in dem Steinkohlengase stets Schwefelkohlenstoff enthalten sey, indem die Bedingungen zu dessen Bildung bei der Gasbereitung aus Steinkohlen, die stets Schwefel enthalten, gegeben sind. Indeß ist mir kein Versuch bekannt, welcher den directen Beweis für diese Annahme geliefert hätte. Durch die beschriebene Reaction gelingt es, in dem aus Steinkohlen bereiteten Leuchtgase sehr geringe Spuren von Schwefelkohlenstoff nachzuweisen. Zwei Kubikfuß gereinigtes Steinkohlengas, durch Kalilauge von Schwefelwasserstoff gänzlich befreit, so daß es auf Bleipapier durchaus nicht mehr wirkte, wurden langsam durch eine alkoholische Kalilösung geleitet. Von dieser Flüssigkeit ein Theil etwas abgedampft und zu einer kochenden Lösung von salpetersaurem Bleioxyd gesetzt, zeigt deutlich eine schwarze Färbung, welche nur von einer geringen Menge in dem Gase enthaltenen Schwefelkohlenstoffs herrühren kann. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Juni 1853, S. 369.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: