Titel: Ueber Rübenfuselöl; von Prof. Dr. Fehling.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 4 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi01_4
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Ueber Rübenfuselöl; von Prof. Dr. Fehling.

Ich erhielt im vorigen Sommer aus einer Rübenzuckerfabrik, in der die Rübenmelasse gebrannt wird, ein Rübenfuselöl, welches aus den zur Reinigung des Spiritus verwendeten Holzkohlen abgeschieden war. Dieses Fuselöl enthält verschiedene freie flüchtige Fettsäuren (Caprinsäure, Caprilsäure etc.) und ein neutrales Fett, welches beim Verseifen mit Kali reine Caprinsäure (HO C₂₀ H₁₉ O₃) gab. Das unverseifte Fett war durch Destillation theilweise zersetzt, seine Analyse gab sehr annähernd die Formel C₂₃ H₂₁ O₄, oder vielleicht C₂₃ H₂₂ O₄; nach der ersten Formel würde das Fett caprinsaures Lipyloxyd seyn (C₁₉ H₁₉ O₃ . C₃ H₂ O). Es war mir wegen Mangel an Material nicht mehr möglich, aus der verseiften Masse Glycerin abzuscheiden, doch gab ein Tropfen des Fetts, auf dem Platinblech erhitzt, unzweifelhaften Acroleingeruch. Ich hoffe bald neue Quantitäten dieses Fuselöls zu erhalten.

Vor einigen Monaten erhielt ich von Dr. E. Dingler in Augsburg ein sogenanntes Weinbeerenöl, welches in Leipzig im Handel zu haben sey und für Rumfabriken gebraucht werden soll. Dieses Oel verhält sich nun genau wie das vorige und ist ganz wie dieses zusammengesetzt; die nach der Elementaranalyse zusammengesetzte Formel liegt näher an C₂₃ H₂₂ O₄, als C₂₃ H₂₁ O₄. Es gibt beim Verseifen auch reine Caprinsäure.

In England soll in neuerer Zeit ein Whiskyöl in den Handel kommen, um dem rohen Branntwein den Geruch des irischen Whiskys zu geben. Dieses Oel ist, wie Professor Hofmann mir sagte, reines pelargonsaures Aethyloxyd, dessen Säure aus Rautenöl (Caprinaldehyd) durch Salpetersäure von gewisser Concentration erhalten wird. Dieses Product ist also ein Kunstproduct, während das erste von mir untersuchte Product, wie ich sicher weiß, keineswegs ein Kunstproduct ist, und auch das sogenannte Weinbeerenöl ist wohl ein natürliches Product, vielleicht durch Destillation von Weinheft erhalten. (Amtlicher Bericht über die 29ste Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte im September 1852. Wiesbaden 1853.)

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