Titel: Ueber einen neuen gelben Farbstoff in der Faulbaum-Wurzelrinde; von Dr. L. A. Buchner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 5 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi01_5

Ueber einen neuen gelben Farbstoff in der Faulbaum-Wurzelrinde; von Dr. L. A. Buchner.

Der Verfasser hat gefunden, daß die Wurzelrinde des Faulbaums (Rhamnus Frangula) einen eigenthümlichen gelben Farbstoff enthält, welcher flüchtig ist und bei der Aufbewahrung der getrockneten Rinde mit der Zeit aus derselben heraus sublimirt und sich in kleinen goldgelben seidenartig glänzenden Krystallchen außen auf derselben ansetzt. Man erhält diesen Farbstoff, den der Verfasser Rhamnoxanthin nennt, am besten, indem man das alkoholisch-ätherische Extract der Rinde in einem Apparate, den Mohr zur Bereitung der Benzoësäure vorgeschlagen hat, einer Sublimation unterwirft, wobei er sich innerhalb der Papierdüte als stark glänzendes hellgelbes krystallinisches Sublimat anlegt und dabei das ganze Papier gelb färbt. Das Rhamnoxanthin ist geschmacklos und stickstofffrei. Es ist, wie die meisten gelben Pflanzenfarben, am Lichte veränderlich; damit gefärbtes Papier u.s.w. wird am Sonnenlichte sehr schnell gebleicht. In Wasser, namentlich kaltem, ist es nur wenig, in Alkohol und Aether leicht löslich. Von Ammoniak und den fixen Alkalien wird es mit prächtig purpurrother Farbe aufgelöst; auf Zusatz einer Säure wird es aus dieser Lösung wieder mit hellgelber Farbe ausgeschieden. Das Rhamnoxanthin kommt übrigens nicht bloß in der Wurzelrinde, sondern auch, obwohl in geringerer Menge, in der Stammrinde und im Samen von Rhamnus Frangula vor; auch in der Rinde und im Samen von Rhamnus catharticus hat der Verfasser ein wenig davon aufgefunden. Aber die zum Gelbfärben benutzten unreifen Beeren der letzteren Pflanze und diejenigen von Rhamnus infectorius, die sogenannten Gelbbeeren oder Avignonkörner, enthalten kein Rhamnoxanthin, sondern die ersteren das Rhamnin Fleury's, welches blaßgelb ist, sich in Aether nicht löst, und von Alkalien nicht mit purpurrother, sondern mit gelber Farbe gelöst |78| wird, und die letzteren, je nach ihrer Reife, einen oder zwei gelbe Farbstoffe (Chrysorhamnin und Xanthorhamnin nach Kane), welche durch Alkalien nur etwas dunkler, aber nicht purpurroth gefärbt werden. (A. d. gel. Anzeig. der k. bayr. Akad. der Wissensch.)

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