Titel: Der Chilisalpeter als Düngerstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 9 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi01_9

Der Chilisalpeter als Düngerstoff.

Der Würfelsalpeter, auch Chilisalpeter, Sodasalpeter genannt (salpetersaures Natron), ist zweifelsohne einer der kräftigsten Düngerstoffe und verspricht für die Landwirthschaft ebenso werthvoll und bedeutend zu werden, wie der Guano. Ganz ausführlich ist die Wirksamkeit dieses ausgezeichneten Minerals |80| in dem neuerschienenen interessanten Werke des Dr. Hartstein Vom englischen und schottischen Düngerwesen beschrieben und hervorgehoben, und findet sich darin eine besonders reichhaltige Zusammenstellung der damit erhaltenen Erfolge. Schon früher haben auch tüchtige deutsche Landwirthe den Werth des Würfelsalpeters zur Düngung untersucht, hervorgehoben und anerkannt. unter A. Hr. Wilhelm Hirschfeld auf Groß-Nordsee in Holstein, und unser vielberühmter Ackerbauchemiker, Hr. Professor Stöckhardt in Tharand, hat sich gleichfalls über den Werth dieses Düngerstoffs hinreichend ausgesprochen.

Der Würfelsalpeter wirkt auf alle Getreidearten, Hülsenfrüchte, Wurzelgewächse und Futtersaaten gleich entschieden gut. Hr. Dr. Hartstein führt in seinem genannten Werke eine Reihe von 47 Versuchen im Großen an. wonach auf dem württemb. Morgen eine Gabe von 74 Pfund Würfelsalpeter einen Mehrgewinn lieferte bei:

Simri Körner Ctr. Stroh.
Weizen 7–9 4–7
Gerste 12 7
Haber 16–20 9–13
Erbsen 8 6
Gras 10–16 Ctr. Heu.

Darnach ist die außerordentliche Wirksamkeit dieses Düngerstoffs leicht zu ermessen.

Aber er bietet noch außerdem Vorzüge, namentlich dem Guano gegenüber, welche mit Sicherheit annehmen lassen, daß er diesen mit der Zeit gänzlich verdrängen wird. Vor Allem sind seine dungkräftigen Stoffe weit minder flüchtig, wie die des Guano, weßhalb auch dieser bei trockenem Wetter auf die Früchte gar nicht wirkt, wohingegen der Würfelsalpeter sich bei jeder Witterung wirksam zeigt. Der Würfelsalpeter scheint daher berufen zu seyn, das Monopol des Guano aufzuheben; schon aus dem ferneren Grunde, weil er viel wohlfeiler ist! Denn der Bedarf per Morgen preußisch übersteigt niemals 75 Pfund, und zwar ist dieß die höchste Menge für den ärmsten Boden, während für Mittlern Boden schon 40 Pfund, für guten Boden sogar nur 25 Pfund hinreichen, um den auffallendsten Mehrertrag zu sichern. Zu dem Allem kommt noch, daß der Würfelsalpeter durchaus ohne Unbequemlichkeit und Nachtheil ausgesäet werden kann, und durchaus keiner Verfälschung unterworfen ist. Das letztere ist nicht hoch genug anzuschlagen; denn selbst bei dem directen Bezug des Guano aus Peru ist der Käufer nicht immer gegen Verfälschung gesichert.

Um diese Vorzüge auch so rasch und ausgedehnt wie möglich der deutschen Landwirthschaft anheim zu geben, habe ich mich entschlossen, eine erste Ladung Würfelsalpeter direct zu beziehen, und ist dieselbe so eben in vorzüglichster Qualität eingetroffen. Den Centner Würfelsalpeter kann ich frei ab hier mit 7 Thaler preußisch ablassen.

Leipzig, den 1. August 1853.

Dr. W. Hamm.

(Württb. Wochenblatt für Land- und Forstwissenschaft, 1853, Nr. 38.)

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