Titel: Ueber die Benutzung der Traubenkerne zum Klären der Weine und als Mittel gegen verschiedene Krankheiten derselben; von Dr. Gall.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 12 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi02_12

Ueber die Benutzung der Traubenkerne zum Klären der Weine und als Mittel gegen verschiedene Krankheiten derselben; von Dr. Gall.

Das Trübebleiben einiger Weine, sowie das Schmeer und das sogenannte Spinnen oder Langwerden, dem häufig gerade die besseren Weine ausgesetzt sind, rühren, wie man jetzt bestimmt weiß, von einem Uebermaaß an stickstoffhaltigen Substanzen (Pflanzenleim, Pflanzeneiweiß), im allgemeinen Kleber genannt, her. Sobald man dieß erkannt hatte, war auch das wirksamste Mittel dagegen bald gefunden, da man wußte, daß der in vielen Pflanzenkörpern, namentlich auch in den Traubenkernen, enthaltene Gerbstoff mit dem gallertartigen Kleber eine lederartige unlösliche Verbindung eingeht, und als solche sich im Weine ablagert.

Sowohl um trüben Wein vollkommen zu klären, als um schmeerigen oder langgewordenen Wein zu heilen, bedarf man auf 1 Ohm 8 Loth Traubenkerne. Zur Bereitung der Gerbstofflösung aus denselben übergießt man je 8 Loth Kerne mit 1/4 Quart siedendem Wasser, worin man sie 24 Stunden weichen läßt, worauf die Kerne im Wasser mit der Hand bearbeitet, um deren äußere Rinde, den eigentlichen Sitz des Gerbstoffs, möglichst zu zerreiben. Nachdem dieß geschehen ist, gießt man alles in ein blank gescheuertes, kupfernes Gefäß, welches man in einen größeren mit Wasser gefüllten Kessel stellt und so lange erhitzt, bis das Wasser in letzterem etwa zwei Stunden gekocht hat. Während dieser Zeit hat sich aller Gerbstoff im Wasser gelöst, und man braucht die Lösung dann nur noch, ohne sie vorher erkalten zu lassen, durch Leinwand zu filtriren.

Bei der Anwendung wird die Gerbstofflösung mit zwei Quart per Ohm des trüben oder kranken Weins innig vermischt und darauf diese Mischung in kleinen Portionen ins Faß gegossen und mit dem Weine gut durchgeschlagen. Acht Tage später wird dann noch, um den gewonnenen Kleber vollends niederzuschlagen, mit Hausenblase, Gelatine oder weißem kölnischen Leim geschönt.

Will man sich die Gerbstofflösung für längere Zeit auf einmal bereiten, so muß derselben, nachdem sie filtrirt ist, gleich viel reiner Weingeist zugesetzt werden, worauf sie, in Flaschen gefüllt, sich im Keller Jahre lang aufbewahren läßt. Vor dem Gebrauch muß die so in Flaschen aufbewahrte Gerbstofflösung gut aufgerüttelt werden, da sich nach längerer Zeit einiger Gerbstoff wieder ausscheidet und absetzt.

Wer es versäumt hat Traubenkerne zu sammeln, findet reinen Gerbstoff, unter dem Namen Tannin, Gerbsäure (Acidum tannicum) in den Apotheken. Zwei Loth desselben, in 1/2 Quart reinem Weingeist aufgelöst, genügen für 1 Fuder Wein. (Deutsche Gewerbezeitung. 1853, S. 236.)

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