Titel: Ueber die Traubenkrankheit; von Mutius Tommasin
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 15 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi02_15

Ueber die Traubenkrankheit; von Mutius Tommasin

Der rühmlichst bekannte Botaniker Mutius Tommasini, Podestà von Trieft, hat bei Gelegenheit der Uebersendung kranker Trauben folgende allgemein interessante Nachrichten über die Traubenkrankheit in dortiger Gegend mitgetheilt.

|160|

Trieft, 1. August 1853. Es ist ein wahrer Gräuel der Verwüstung, die Trauben sind beinahe ohne Ausnahme zu Grunde gerichtet und werden gar keinen Ertrag liefern; bei den in Reihe gepflanzten Weinstöcken, sogenannten Piante, kann man je nach Lage und Umständen kaum auf 1/3 oder 1/4 des gewöhnlichen Ertrages zählen. Der Ausdehnung des Nebels gegenüber erweisen sich alle angerathenen und angeblichen Mittel, als Laugen, Schwefelblüthe und Blasebälge, Besprengen mit Kalk, mit Kochsalzauflösung oder Meerwasser und dergleichen, mehr als höchst unausführlich, unwirksam, daher vollkommen unnütz; auch das Beschneiden der Triebe oberhalb der Trauben, wovon man sich anfangs gute Wirkungen versprach, hat sich nicht bewährt.“

„Eine constatirte und höchst merkwürdige Thatsache ist: junge Reben, die in diesem Jahre zuerst oder im zweiten Jahre fruchtbringend sind, bleiben von der Krankheit verschont. Ich habe eine Reihe Reben, die, im Jahre 1847 gepflanzt, mitten unter anderen ganz angesteckten Reihen herrlich und unversehrt mit ihren freilich noch nicht zahlreichen Trauben dastehen. Dasselbe Phänomen wird mir von anderen Seiten übereinstimmend bestätigt.“

„Auch ist es bekannt, daß ganz niedrig gehaltene Reben, wie in den Weinbergen Steyermarks, Oesterreichs, Dalmatiens, von der Krankheit verschont blieben, während die hochstämmigen, insbesondere in der fatalen, sonst so ergiebigen Pergolate alle behaftet sind.“

Diese letztere Beobachtung wird uns auch von Seite des Hrn. Sectionsrathes Ritter von Heufler, welcher im Jahre 1852 Gelegenheit hatte, die Traubenkrankheit von Botzen und Trieft bis Neapel und Messina zu beobachten, und dem eine Menge amtlicher und privater Mittheilungen zu Gebote standen, bestätigt.

Es stellt sich als Erfahrungssatz heraus: Je niederer die Rebe, gezogen wird, desto geringer sind die Verwüstungen des Traubenschimmels; je höher, desto größer. In Campanien, wo die Rebe an hohen schlanken Pappeln sich bis zur schwankenden Spitze hinaufrankt und ein Weingarten einer Au ähnlich sieht, war die Verwüstung im vorigen Jahre gränzenlos. Statt üppiger Trauben hingen wüste Moderfetzen von den Bäumen und eine Weinlese fand gar nicht statt. Am Aetna hingegen, wo die Rebe an ganz niederen Stecken, oder, wie ähnliches im Küstenlande auf Sansego und auf Beglia der Fall ist, gar nur am Boden zwischen den Lavatrümmern gezogen wird, macht die Traubenkrankheit äußerst geringen Schaden. In Steyermark, in Unterösterreich und in Ungarn ist sie zufolge verläßlicher Mittheilungen an einzelnen Orten aufgetreten, allein der angerichtete Schaden war unmerklich. In all diesen Ländern wird die Rebe an kurzen Stecken gezogen. Die Triebe widerstehen leichter der Krankheit, die Ansteckungsgefahr ist geringer, weil die Traube vor den Winden geschützt ist, und alle Mittel waren leichter anzuwenden. Sollte das nicht für jene weinbauenden Landstriche, wo die Rebe als Hauptproduct und nicht an kurzen Stäben, sondern an Lauben (Pergole) gezogen wird, wie dieß im tyrolischen Etschlande der Fall ist, ein Wink seyn, diese durch die Menge des nöthigen Weingartholzes ohnehin höchst kostspielige Culturart aufzugeben und jene Art anzunehmen, die in allen Ländern in Gebrauch ist, wo die besten Weine erzeugt werden? (W. Z.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: