Titel: Ueber das Verhalten des Schwefels zum Roheisen) vom Geh. Oberbergrath Dr. Karsten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 3 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi02_3

Ueber das Verhalten des Schwefels zum Roheisen) vom Geh. Oberbergrath Dr. Karsten.

Hr. Janoyer hat seine Versuche und Untersuchungen über das Verhalten des Schwefels zum Roheisen (polytechn. Journal Bd. CXXIII S. 441) mitgetheilt, durch welche er zu dem Resultat gekommen zu seyn glaubt, daß der Schwefel dem Roheisen in der Schmelzhitze einen Theil des Kohlegehaltes entziehe und sich in dieser Verbindung als Kohlenschwefel verflüchtige, während ein anderer Theil Schwefel mit dem von Kohle befreiten Eisen in Verbindung trete. Von der Richtigkeit dieses Verhaltens der drei Körper zu einander in der Schmelzhitze ausgehend, macht er eine Anwendung zur Erläuterung der Erfolge, welche sich beim Verschmelzen von Eisenerzen, die Schwefel enthalten, bei dem Betriebe der Hohöfen ergeben sollen.

Es wäre zu wünschen gewesen, daß Hr. Janoyer bei seinen Untersuchungen auch mit denjenigen bekannt geworden wäre, welche über denselben Gegenstand schon vor langer Zeit von mir angestellt worden sind und welche ich vor zwölf Jahren in dem „Handbuch der Eisenhüttenkunde“ (3te Auflage, Berlin 1841, Bd. I. §. 181. 192–194., Bd. IV. 996) veröffentlicht habe. Könnte die Kohle dem Eisen den Schwefel entziehen, so würde es, da sich in den Schmelzräumen des Hohofens eine große Menge von freier und ungebundener Kohle befindet, nicht erst der ganz unwahrscheinlichen Annahme bedürfen, daß durch den Gaargang des Hohofens der Schwefelgehalt aus dem Grunde in größerem Verhältniß aus dem Roheisen abgesondert werde, als bei einem minder gaaren Gange, weil das Roheisen, je gaarer es sey, auch um so mehr Graphit ausstoße. Das flüssige Roheisen enthält unbezweifelt keinen fertig gebildeten Graphit, auch ist es mir wenigstens niemals gelungen, die Bildung von Kohlenschwefel bei der Einwirkung des Schwefels auf das Roheisen zu beobachten. Daß dem Roheisen ein großer Theil des Schwefelgehalts, welchen es beim Verschmelzen kiesiger Erze oder Kohks aufgenommen hat, durch einen möglichst hohen Gaargang des Hohofens wieder entzogen wird, erklärt |155| sich sehr einfach durch die Einwirkung des Kalksilicats (der Schlacke) auf das Schwefel enthaltende flüssige Eisen. (Aus Karsten's Archiv für Mineralogie etc. Bd. XXV. S. 672.)

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