Titel: Anbau der Trüffeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 11 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi03_11
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Anbau der Trüffeln.

Die Botaniker kennen ohne Zweifel die Bedingungen, unter denen sich diese Knollen entwickeln und die zu ihrer Fortpflanzung erforderlichen Umstände; bis auf die letzte Zeit hatte aber niemand daran gedacht, daraus Nutzen für den Gartenbau zu ziehen, als Mad. Nagel, Eigenthümerin des Schlosses la Moussiere zu Biziat, Bezirk von Pont-de-Veyle, die Lösung des Problems fand. Sie pflanzte im Jahre 1851 kleine Trüffeln und Putzicht dieser Knollen längs eines Hagebuchenganges in ihrem Garten. Der Versuch gelang; die Trüffeln wuchsen und vermehrten sich, und dieses Jahr konnten mehrere Gartenliebhaber zu Maçon die Thatsache bestätigen und veröffentlichten sie im Journal de la Société d'horticulture dieser Stadt, welchem wir sie entnehmen.

Die Kunst die Trüffeln anzubauen wäre also entdeckt; es handelt sich nur noch darum sie zu vervollkommnen, indem man an den Orten welche die Trüffeln natürlich hervorbringen, die ihre Entwicklung begünstigenden Bodenverhältnisse sorgfältig studirt, denn darin besteht die ganze Schwierigkeit. Wie die meisten Kryptogamen derselben Familie sind die Trüffeln Schmarotzerpflanzen, welche eine Dammerde besonderer Art erfordern, zum Beispiel den Humus von Blättern der Hagebuche oder einiger Eichen gemengt mit einem thonigkalkigen Boden, welcher ihnen eben so nothwendig ist als dem Erdschwamm der Pferdedünger. Wahrscheinlich könnte man auch jede andere Schwammspecies anbauen, wenn man die Bedingungen des Erdreichs, der Temperatur und Feuchtigkeit, unter denen sie von selbst wachsen, künstlich hervorzubringen vermöchte. Wir sind überzeugt, daß wenn man diesen neuen Culturzweig einmal ernstlich studirt, er ebenso gut gelingen wird wie der Anbau unserer gewöhnlichen Gemüse. (Journal des Débats vom 8 November 1853.)

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