Titel: Schmirgelfeilen zum Gebrauch auf Glas und Metall; von Karl Karmarsch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 2 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi03_2

Schmirgelfeilen zum Gebrauch auf Glas und Metall; von Karl Karmarsch.

Es ist ein schon länger bekanntes Verfahren, künstliche Schleifsteine auf die Weise herzustellen daß man in geschmolzenen Schellack so viel Schmirgelpulver oder scharfkörnigen Quarzsand einrührt, als er ertragen kann, um dann noch in Formen gegossen zu werden. Runde Schleifsteine (Drehsteine) von dieser Art gewähren den Vortheil daß sie beim Schleifen einen schweren Staub geben, welcher niederfällt und sich nicht so in der Werkstätte verbreitet, wie jener vom Trockenschleifen auf natürlichen Sandsteinen. Zur Darstellung großer Drehsteine ist empfohlen worden eine eiserne Trommel nur etwa 1 Zoll dick mit der Schellackmasse zu umkleiden, indessen scheint man sich doch fast ausschließlich auf kleine, gänzlich aus dieser Masse gebildete Steine beschränkt zu haben.

Gegenwärtig findet die Composition von Schmirgel und Schellack eine ausgedehntere Anwendung dadurch daß man daraus nicht nur kleine runde Schleifsteine oder Schleifscheiben, sondern auch gerade feilenähnliche Werkzeuge verschiedener Art herstellt, welche auf Glas, Messing, Eisen, Stahl (weich und gehärtet) mit bestem Erfolge gebraucht werden können. Die Handlung von Heinrich Spann in Hamburg (große Michaelisstraße Nr. 17) hält Vorrath von diesen ungemein nützlichen Geräthen und verkauft selbe unter dem Namen Mineralfeilen zu ziemlich billigen |235| Preisen. Da ich ein derartiges Sortiment angeschafft und hierdurch den Artikel näher kennen gelernt habe, so halte ich es im Interesse unserer Glas- wie Metallarbeiter angemessen, auf denselben ernstlich aufmerksam zu machen.

Man kann diese Werkzeuge trocken und naß, in manchen Fällen auch mit Oel anwenden; sie ersetzen bei Metallarbeit die gewöhnlichen Schmirgelhölzer und Schmirgelscheiben, ja selbst die feinsten stählernen Feilen; auf Glas wirken sie nicht minder gut und schnell, so daß man mit ihnen beliebig Flächen mattfeilen, Ränder und Ecken abnehmen, Löcher ausbilden, Einschnitte machen kann etc.

Was das Material dieser Feilen und Scheiben betrifft, so besteht es – wie schon erwähnt – aus einer Zusammensetzung von Schmirgelpulver und Schellack. Dieß läßt schon eine oberflächliche Untersuchung leicht erkennen; denn nicht nur entspricht die dunkel bräunlichgraue Farbe, die Härte und Festigkeit der Masse jener Voraussetzung, sondern auch das Erweichen derselben in einer Lichtflamme und der dabei entschieden hervortretende Schellackgeruch bestätigen dieselbe vollkommen. Als ich ein Stück der Masse zu Pulver gestoßen mit Weingeist auskochte, blieben von 100 Theilen 74 1/2 Theile trockenes reines Schmirgelpulver zurück und der Weingeist hinterließ beim Eindunsten ein braunes Harz, welches alle Eigenschaften des Schellacks zeigte. Dieses Resultat wurde durch einen Gegenversuch controlirt, indem ich 3 Theile Schmirgel und 1 Theil feingepulverten Schellack innig vermengte, dann vorsichtig erhitzte, durchknetete und so eine breiartige, leicht in Formen zu pressende Composition erhielt, welche nach dem Erkalten hart und fest war und, gleich der aus Hamburg bezogenen, Stahl und Glas sehr gut angriff, Das Verhältniß von 3 Theilen Schmirgel gegen 1 Theil Schellack wird wahrscheinlich nicht durchgehends streng beizubehalten seyn; denn da der Schellack keine weitere Bestimmung hat, als die Schmirgelkörner haltbar zusammen zu kitten, jeder Ueberfluß desselben eher schädlich als nützlich ist, so wird man zu grobem Schmirgel etwas weniger Schellack bedürfen als zu feinem. Sehr fein darf übrigens der Schmirgel überhaupt nicht seyn; es kommt dagegen auf ein möglichst gleiches Korn desselben wesentlich an. In der That bestand mein Rückstand von der untersuchten Probe aus Körnchen von sehr nahe gleicher Größe, welchen nur eine geringe Menge feinen Staubes beigemengt war. (Mitth. des hannov. Gewerbevereins, 1853, S. 140.)

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