Titel: Ueber die Nähmaschine von Singer,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 3 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi03_3

Ueber die Nähmaschine von Singer,

welche in Hannover ausgestellt war, bringt die Nummer 3033 der Weserzeitung folgendes Urtheil von Hrn. Karl Karmarsch. „Nachdem eine geraume Zeit von Nähmaschinen nichts zu hören gewesen war, erschien Judkins aus New-York im Jahre 1851 auf der Londoner Industrieausstellung mit einer von ihm construirten derartigen Maschine, welche dem Grundgedanken nach offenbar als Vorbild für die gegenwärtig so viel besprochene Singer'sche Nähmaschine gedient hat. Singer (ebenfalls in New-York) bildet nämlich die Naht auf dieselbe Weist wie Judkins, d.h. aus zwei Fäden, von welchen der eine mittelst der Nadel in Schleifenform durch den Zeug gestochen, der andere von einer kleinen Schütze (einer Art Weberschiffchen) durch jene Schleife hindurchgezogen wird. Aber die Schütze ist bei Singer's Maschine auf andere, bessere Weise angebracht und zur Wirkung vorgerichtet, sowie überhaupt der Mechanismus beträchtlich abweicht. So wie die Maschine vor uns steht, ist sie ein höchst compendiöses Werk von überraschend präciser mechanischer Wirksamkeit. Sie erzeugt Nähte nach geraden und krummen Linien mit ausnehmender Regelmäßigkeit und erstaunlicher Schnelligkeit, kann auf Leinwand, Tuch, Leder etc. gebraucht werden und scheint einer Störung ihres Ganges nicht leicht unterworfen zu seyn. Gegen die Sauberkeit und Haltbarkeit ihrer Arbeit kann der strengste Kritiker vom Fach gewiß nichts einwenden, und es ist leicht zu glauben daß die einfache Bedienung der Maschine in 6 Stunden erlernt werden könne. Die beiden gleichmäßig angespannten Fäden, durch deren Verschlingung die Naht entsteht, sind von sehr beträchtlicher Länge auf Spulen vorräthig, so daß ein Anhalten behufs ihrer Erneuerung selten eintritt. Die Nadel kann bis zu 300 Stiche in einer Minute machen; ich habe sie mit Geschwindigkeit arbeiten sehen, wobei schätzungsweise |236| – genaues Zählen während der Arbeit ist unmöglich – 150–250 Stiche auf die Minute kamen. Stiche mittlerer Feinheit (womit Tuch in meiner Gegenwart zusammengenäht wurde) wurden 12 bis 13 auf einen Zoll Länge (300 auf Ellenlänge) gemacht; eine Naht von 1 Elle Länge erfordert also wenig über eine Minute zu ihrer Darstellung. Bei einem etwaigen Wettnähen dürfte sich wohl ergeben daß die Maschine wenigstens eben so viel leistet, als 4–5 geübte Handarbeiter, und daß sie dabei besser näht als viele unter diesen zu thun gewohnt seyn werden.“

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