Titel: Die Anwendung der Gutta-percha als Kolbenliederung; von C. A. Beuthner in Oberhohndorf bei Zwickau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 4 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi03_4

Die Anwendung der Gutta-percha als Kolbenliederung; von C. A. Beuthner in Oberhohndorf bei Zwickau.

Durch die günstigen Resultate, welche bei der probeweisen Verwendung der Gutta-percha zu Pumpenkolbenliederungen in Freiberg und dem Plauen'schen Grunde, und später im Zwickauer Kohlenreviere sich herausstellten, wurde der Verfasser veranlaßt, auch bei der Wasserhaltung der Oberhohndorfer Steinkohlengruben derartige Versuche anzustellen. Das dabei erlangte Resultat war ein sehr günstiges. „Im Jahr 1851,“ sagt der Verfasser, „hatte ich, ungerechnet der Ventile, bloß zur Liederung der Kolben für 17, bald 32 8zöllige gangbare Kolben, je nachdem es der Wasserzugang gebot, 132 Pfd. gutes Sohlleder im Werthe von circa 60 Thlr. verbraucht. Im Jahr 1852 hingegen, wo ich ein volles Jahr der Gutta-percha-Liederung mich bediente, wurden bei gleichem Gange des Kunstgezeuges bloß 15 Pfd. zum Werthe von 12 Thlr. von Gutta-percha consumirt, und demnach verhältnißmäßig zum Jahr 1851 48 Thlr. Gewinn gemacht. Und dieses Ergebniß steht übrigens gar nicht vereinzelt da; die Bockwaer Wasserhaltung und andere Wasserhaltungsmaschinen im hiesigen Reviere sahen ihre Versuche von demselben Gewinne gekrönt. Kaufe ich für die Folge, wie ich beabsichtige, wenn die noch lagernde Gutta-percha verbraucht seyn wird, dieses Product in seinem rohen Zustande pro Pfund zu 12 Ngr. ein, also noch unter dem Lederpreise, so werden sich obige 12 Thlr. noch um die Hälfte reduciren, ein Verhältniß der Gutta-percha zum Leder wie 1 : 10. Und dabei sind die Grubenwasser von der Beschaffenheit, daß sie vorzüglich auf das Eisen sehr nachtheilig wirken. Schraubengewinde z.B. in der Grube, wie über Tage an der Dampfmaschine, auf die der Dampf unmittelbaren Einfluß übt, z. E. im Dampfkolben u.s.w., sind fort und fort einer Auswechselung unterworfen.

Aber nicht nur, daß diese Liederung allen Anforderungen genügend entspricht, sie verlangt auch weit weniger Beaufsichtigung und Wartung des Kunstgezeuges, indem ein solcher Kolben ungleich länger geht, als ein dergleichen mit Leder.“

Hieran knüpft der Verfasser folgende durch seine eigenen Versuche gewonnenen praktischen Erfahrungen über die Anwendung der Gutta-percha zu Kolbenliederungen:

„Den Riemen um die Kolbenhölzer gebe man die gewöhnliche Breite zwischen 3 und 4 Zoll, aber durchaus keinen sogenannten Sturz, indem derselbe bei der gummiartigen Gutta-percha einen unruhigen Gang verursacht und sogar das Wasser über Satzstöcke hinausspringen macht. Es ist daher den Kolbenhölzern der größtmögliche Durchmesser zu geben. Hat ein Kolben die gehörige Stärke nicht, so geht er anfangs auch ruhig, wird aber unruhig und nicht so viel Wasser heben, sobald die Liederung sich etwas abgeführt hat. In solchem Falle nehme man den Kolben heraus und mache in die Peripherie des Kolbenschweifes von oben bis aufs Kolbenholz nieder drei Einschnitte, nur darf ein solches Einschneiden nicht radial erfolgen, indem ein solcher Schnitt die Wasser durchlassen würde, sondern es muß jeder Theil den anderen gehörig decken. Durch diesen kleinen Kunstgriff von wenigen Minuten Arbeit erlangt der Kolben hinreichende Elasticität und ist so vermögend, wiederum mit voller Kraft heben zu können. Ebenso bedingt die Erhaltung der Elasticität die Stärke der Gutta-percha-Riemen von 3/16 Zoll, also ungefähr gutem Sohlleder gleich, nicht zu überschreiten. Hat sich nach längerer Zeit ein kleiner Vorrath alter Abfälle gehäuft, so werden dieselben, vom Schmutze gereinigt, in |237| kochendes Wasser gebracht, zu einem Teige wohl durcheinander geknetet und in diesem weichen Zustande auf einer bereit liegenden Schablone mittelst einer Walze zu Riemen gewalzt. Hierbei werden stets fünf bis sechs alte wiederum vier neue Riemen liefern, indem sich der Kolben nicht mehr als ungefähr 1/3 abgenutzt hat. Auf gleiche Art verarbeitet man die rohe Gutta-percha, nachdem man sie vorher mehrmals durcheinander geknetet hat. Bedient man sich der bereits gewalzten Gutta-percha, so schneide man, um weniger Abfall zu erhalten, die Riemen in gerader Länge und biege sie alsdann in heißem Wasser erwärmt nach der Schablone. Eine solche Anfertigung der Riemen geht so geschwind von Statten, daß man in kurzer Zeit sich auf eine lange Zeit hinaus mit vorräthigen Riemen versehen kann; nur wähle man hierzu möglichst, wegen seiner Wärme, den Sommer, indem im Winter die zu bearbeitende Masse zu schnell erkaltet und erhärtet. Die Riemen werden wie das Leder stumpf zusammengestoßen auf die Kolbenhölzer aufgenagelt und beide Enden, an dem Ofen erweicht, wasserdicht verbunden.“ (Sachs. Bergwerkszeitung.)

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