Titel: Die Leistungen der Engländer in der neueren Zeit hinsichtlich der Mikroskope.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 5 (S. 237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi03_5

Die Leistungen der Engländer in der neueren Zeit hinsichtlich der Mikroskope.

Auf der Londoner Ausstellung befanden sich Mikroskope von Pritchard, Smith und Beck, Roß, Varley und Sohn, Brüdern Chadburn, Abraham und Comp., Pillisher, Field und Sohn, welche zum Theil zu den vorzüglichsten Künstlern dieses Fachs gehören, unter deren eifrigen Bemühungen dieses für die heutige Beobachtungsmethode in den Naturwissenschaften so wichtig gewordene Instrument zu einer früher ungeahnten Vollkommenheit gediehen ist. Nach genaueren Wahrnehmungen, die ich in Cambridge zu machen Gelegenheit gefunden, sind es vorzüglich die Arbeiten von Andrew Roß und von Smith und Beck in London, von welchen das Gesagte in vollem Maße gilt, und ihre Mikroskope verdienen meiner Ansicht nach vor denen der vorzüglichsten auswärtigen Künstler, wie Schieck in Berlin, Plößl in Wien, Robert in Greifswalde, Chevalier, Oberhäuser und Nachet in Paris, ein Vorzug. Es ist bei ihnen nicht nur der eigentlich optische Theil, sondern auch der mechanische wesentlich vervollkommnet. Die mehrfachen, zu einem Objectivsystem verbundenen Doppellinsen sind mit größeren Oeffnungswinkeln versehen und mit Correctionsbewegungen zur feinsten Compensation der durch die Deckplatte erzeugten Aberration. Die durch sogenannte Condenser erzielte Beleuchtung gestattet enorme Vergrößerungen, die bei Roß'schen Mikroskopen bis auf 5000 gehen, ohne wie bisher meist schon bei 800 und 1000 ins unerklecklich Finstere zu gehen. Die Zubchörapparate zum Polarisiren des Lichts, zum graphischen Aufnehmen, zum Messen von Dimensionen und Winkeln u.s.w. sind nicht minder vollkommen. Man darf diesen Zweig der physikalischen Wissenschaft als den Glanzpunkt des englischen Theils der zur 10ten Classe gehörigen Gegenstände der Ausstellung bezeichnen.

Linsen für einfache Mikroskope waren geliefert von Sharpe aus Sheffield in Focalweiten von 1/2, bis 1/100 Zoll. – E. u. W. Jackson hatten mikroskopische Hülfsartikel aus Glas, Smith und Beck außerdem ein ganzes, sehr elegant und höchst praktisch eingerichtetes mikroskopisches Cabinet nebst Drehtisch für mikroskopische Beobachtungen zur Ausstellung gegeben.

Noch muß ein neuer Versuch der Verbesserung der Oculare sowohl für Mikroskope als für Fernröhre erwähnt werden. Reade aus Aylesbury hatte ein sogenanntes positives Ocular ausgestellt, bestehend aus zwei ungleichseitigen biconvexen Crownglaslinsen, zwischen welchen der Raum durch eine dicke (cylindrische) Flintlinse auf bekannte Weise mit den ersteren durch Canadabalsam zusammengekittet, ausgefüllt ist, nach Analogie der früher mehr als jetzt üblich gewesenen dreifachen Objective von Achromaten. Verbesserungen dieser Art sind in der That das neueste Bedürfniß geworden, nachdem der Objectivtheil des Mikroskops fast auf der Gränze des Erreichbaren angelangt zu sehn scheint. Das orthoskopische Ocular von Kellner in Wetzlar hat dargethan daß hier noch wesentliche Verbesserungen möglich sind. Aus dem „Bericht über eine wissenschaftliche Reise nach England im Herbst 1851, in Folge Auftrags des k. Universitäts-Curatoriums, von Prof. Dr. Listing zu Göttingen,“ in den Mittheil. des hannoverschen Gewerbevereins, 1853, Heft 1.)

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