Titel: Ueber Abnutzung der Metalllager bei Achsen an Eisenbahnwagen; von A. A. C. de Vries Robbé.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 1 (S. 313–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi04_1

Ueber Abnutzung der Metalllager bei Achsen an Eisenbahnwagen; von A. A. C. de Vries Robbé.

Die Abnutzung der metallenen Lager, in welchen die Achsen der Locomotive oder Waggons einer Eisenbahn sich drehen, verursacht eine beträchtliche Ausgabe in der Reihe der Material-Erhaltungskosten einer Bahn. Man ist daher darauf bedacht gewesen, Mittel zu ersinnen, durch welche man diese Lager bei ihrer Abnutzung nicht geradezu wieder neu herzustellen genöthigt wäre.

Mit Auftrag des Ingenieur-Directors F. W. Conrad sind zu diesem Zwecke, in der Werkstätte der holländischen Eisenbahn, durch den Hrn. de Vries Robbé Proben mit einer Metallcomposition ausgeführt worden, über welche man Mittheilung erhalten hatte. Das Resultat derselben wird im Folgenden berichtet:

Die Anwendung einer Composition aus 85 Gewichtstheilen Blei und 15 Theilen Antimon zur Ausfüllung des abgenutzten Metalles45) ist sehr befriedigend. Sie vereinfacht sehr die Reparatur der Locomotive, bei welcher vor der Anwendung dieser Composition die abgenutzten Metalle stets eingeschmolzen, neu gegossen, ausgedreht und zurecht gefeilt werden mußten. Diese Arbeiten werden nun beinahe ganz überflüssig. Das auszufüllende Metall wird bloß verzinnt, und, nachdem es heiß gemacht worden ist, auf oder an ein Stück Eisenblech angelegt, welches so gebogen ist, daß |314| es gerade die Form jener Achse hat, auf welche dieses Metall passen soll. Wenn dieses geschehen ist, muß man die Oeffnungen zwischen dem Metalle und dem Eisenbleche bis auf ein zu belassendes Eingußloch dicht machen, und hierauf vorhin genannte Metallcomposition in dieselbe eingießen. Sobald diese ein wenig erkaltet ist, kann man das Metall nach Maaßgabe des beabsichtigten Zweckes ein wenig abebnen oder nöthigen Falles abdrehen und in Gebrauch nehmen, und man wird finden, daß die Composition so innig mit dem Metalle verbunden ist, als wenn alles aus einer Masse bestünde; nur die Farbe macht den Unterschied kenntlich.

Die Composition kann, je nach dem beabsichtigten Zwecke, etwas geändert werden.

Diese Composition ist nicht nur viel wohlfeiler als das Metall, sondern sie nutzt sich auch bei weitem nicht so schnell ab, und erzeugt eine viel geringere Reibung. Das Einzige ist bei dem Gebrauche zu beobachten, stets Oel oder Fett dabei vorräthig zu halten, da sonst das Trocken- und Heißlaufen dieses Metall in Folge seines niedrigen Schmelzpunktes leicht flüssig machen könnte. Die Kosten für das niederländische Pfund dieses Compositionsmetalles betragen 0,80 Gulden, während vom Messing oder Kanonenmetall das niederländische Pfund im Durchschnitt auf 2,25 Gulden zu stehen kommt.

Auf diesen Bericht, den Herr Conrad in der Versammlung des königlichen Ingenieur-Vereins in der k. Akademie zu Delft vortrug, bemerkte Herr Hartz, daß dieses angegebene Mittel viel Aehnlichkeit mit dem sogenannten Antifrictionsmetalle habe. Bei der Direction der Stapel- und Constructions-Magazine sehen, nach seiner Angabe, Versuche damit vorgenommen worden, deren Erfolg keineswegs der Erwartung entsprochen habe. Von besagtem Metalle seyen unter anderen zwei Nabenbüchsen gegossen worden, welche im Vergleich mit zwei aus Bronze gegossenen und an demselben Waggon angebrachten Nabenbüchsen probirt wurden. Nach dem eingetretenen Erfolge seyen die aus obiger Metallcomposition gegossenen Büchsen ihrer Dicke nach gebrochen und daher als zu spröde befunden worden; der Bruch sey grobkörnig und unregelmäßig gewesen, und das Metall habe sich mit leichten Hammerschlägen zerbröckeln lassen; bei Untersuchung der inneren Abmessung ergab sich eine merkliche Abnutzung, während bei den Nabenbüchsen aus Bronze sich noch keine bemerkbar machte. Die Abnutzung erstgenannter Büchsen ergab sich sogar schon aus dem verminderten Gewichte.

Herr Conrad erwiederte hierauf, diese von ihm erwähnte Metallcomposition sey von dem sogenannten Antifrictionsmetalle ganz verschieden, und er habe mit letzterem auch Versuche ohne befriedigenden Erfolg vorgenommen.

Bei dieser Gelegenheit erwähnte Herr v. Cordt einer sonderbaren Erscheinung, die er bei Abnutzung der Achsen der Schleifsteine wahrgenommen hatte. Durch den dabei stattfindenden ungleichmäßigen Druck sind die Metalllager einer sehr schnellen Abnutzung unterworfen. Man hat deßhalb später zu Lagern bei den erwähnten Schleifsteinen in Oel gekochtes Essigholz (Azynhout, wahrscheinlich das Holz des Essigbaums oder virginischen Sumach, Rhus typhinum) angewendet, und ist hierauf durch 2 oder 3 Jahre jeder Erneuerung überhoben gewesen. Er erwähne dieses Vorfalles, da er glaube, es könnte vielleicht bei manchen ähnlichen Gelegenheiten diese Erfahrung mit Vortheil benutzt werden. (Aus d. Verhandl. d. königl. holländ. Ingenieur-Vereins, übersetzt v. J. M. Méert, in d. Zeitschr. d. österr. Ing.-Vereins, Jahrg. 1853, S. 160).

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Hier und noch mehr in der Folge wird Wohl, wie es auch im deutschen Verkehrsleben sehr häufig geschieht, unter Metall ausschließlich Messing oder Kanonengut verstanden.

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