Titel: Selbstkosten des Roheisens in Schottland und Oberschlesien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 3 (S. 315–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi04_3

Selbstkosten des Roheisens in Schottland und Oberschlesien.

(Auszug aus einem Reisebericht des Hütteninspectors Eck und des Maschinenmeisters Chuchul.)

Es folgt hier eine Berechnung der ungefähren Selbstkosten von 1 Tonne (= 20 engl. Centnern) schottischen Roheisens, nach den Durchschnittspreisen der Betriebsmaterialien auf den dortigen Hauptwerken, wobei jedoch die Zinsen des Anlagekapitals nicht mit berücksichtigt sind.

Zu einer Tonne Roheisen sind erforderlich:

35 Cntr. gerösteter Eisenstein46) zu 10 Sh. die Tonne Liv. 17 Sh. 6 D.
2 Tonnen 5 Cntr. Steinkohlen zu 3 Sh. 8 D. die Tonne 8 3
10 Cntr. Kalkstein zu 4 Sh. 6 D 2 3
3/4 Tonne kleine Kohlen zu 1 1/2 Sh. 1 1 1/2
Arbeitslohn für die Hohofenarbeiter 1
Kosten für Unterhaltung der Vorrichtungen, Gebläse etc., für
Nebenarbeiten; auch Generalkosten, nach gewöhnlicher
Annahme in Schottland für die Tonne Roheisen






6






––––––––––––––––––––––––
Zusammen als Selbstkosten für 1 Tonne 1 Liv. 16 Sh. 1 1/2 D.,

so daß bei dem jetzigen47) niedrigen Stande des Preises von 1 Liv. 19 Sh. für die Tonne Roheisen nicht voll 3 Sh. Gewinn bleiben, wovon aber die Interessen des Anlagekapitals in Abrechnung kommen müssen.

Reducirt man obige Selbstkosten für die Tonne auf preußisches Geld48) für |316| einen Centner und vergleicht dieselben in den einzelnen Positionen mit den Selbstkosten bei den Hohöfen auf der Königshütte in Oberschlesien, rechnet aber die Kohlen, nicht so wie in Schottland, zu dem eigentlichen Selbstkostenpreise, sondern zu demjenigen Preise, welcher dafür als Kaufpreis verrechnet wird und einen Gewinn der Steinkohlengrube (Königsgrube) einschließt, so erhält man:

Selbstkosten für 1 Cntr. Schottisches für 1 Cntr. Königshütter
Roheisen
1) Für Erz49) Thlr. 8 Sgr. 9 Pf. Thlr. 10 Sgr. 6 Pf.
2) Für Steinkohlen 4 1 1/2 11
3) Für Kalkstein 1 1 1/2 1
4) Für Kleinkohlen 4 3/4 2 3
5) An Arbeitslöhnen 1 1 7
6) An sonstig. Kosten 3 6
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Summa Selbstkosten
für 1 Cntr. Roheisen
Thlr. 18 Sgr. 4 3/4 Pf. 1 Thlr. 2 Sgr. 4 Pf.

Hieraus ergibt sich ein Unterschied von circa 14 Sgr. zu Gunsten des schottischen Roheisens, und zwar stellt sich diese Differenz hauptsächlich in den Positionen 2, 4 und 6 heraus. Die beiden ersteren Positionen betreffend, würde, wenn für die Steinkohlen nur die Selbstkosten der Grube wie in Schottland berechnet würden, bei einem Verbrauch von durchschnittlich 1 1/4 Tonne Kohlen auf 1 Ctr. Roheisen, diese Ausgabe sich um 4 Sgr. 6 Pf. bei den Stückkohlen (woraus die Kohks dargestellt werden), und um circa 1 Sgr. bei den Kleinkohlen (zur Maschinenfeuerung), zusammen also auf je 1 Ctr. Roheisen um 5 Sgr. 6 Pf. niedriger, mithin auf nur 6 Sgr. 6 Pf. und 1 Sgr. 3 Pf. stellen. Die Ausgabe unter Nr. 6 ist doppelt so hoch und dieß hat seinen Grund darin, daß auf den schottischen Werken die doppelte, ja selbst bis vierfache Anzahl Hohöfen betrieben werden, von denen jeder im Vergleich mit einem hiesigen Ofen eine vierfache Quantität von Roheisen liefert, wodurch sich die General- und sonstigen Kosten dieser Position besser vertheilen. Durch Abrechnung des obgedachten Gewinns der Grube an den der Hütte zugehenden Kohlen, im Betrage von 5 Sgr. 6 Pf. auf den 1 Centner Roheisen, ermäßigen sich die Selbstkosten des Königshütter Products auf 26 Sgr. 10 Pf., bleiben aber dennoch um 8 Sgr. 5 1/4 Pf. höher als die des schottischen Roheisens; indessen ist auch die Qualität des hiesigen Roheisens bekanntlich eine bessere, und zu berücksichtigen, daß bei dem Umschmelzen des schottischen Roheisens wegen des anhängenoen groben Formsandes ein größerer Abgang statt findet.

Durch eine bedeutende Erhöhung der hiesigen Roheisenproduction, wie solche jetzt in Aussicht steht, werden sich übrigens die Selbstkosten des Roheisens erheblich herabstellen. Es werden sich beim Umbau des Werkes manche Vorrichtungen anbringen lassen, welche ebenso wie die höhere Production, zur Verminderung der Selbstkosten beitragen werden; dazu gehört namentlich der maschinelle Betrieb der jetzt mit Menschenhänden bewegten Gichtaufzüge, die auf den meisten Werken in Schottland und Wales angewendete einfache Art und Weise der Fortschaffung der Hohofenschlacke, und endlich auch die Benutzung der Hohofengase.

Aber durch alles dieß, sowie durch Anwendung noch anderer Hülfsmittel, wird ein so niedriger Selbstkostenpreis des Products, wie in Schottland, in Oberschlesien nie erreicht werden können. Die ausgezeichnete Beschaffenheit der Kohlen, die Reichhaltigkeit und Leichtschmelzbarkeit der Eisensteine, so wie die geringen Kosten der Heranschaffung des Schmelzguts und Baumaterials, ganz besonders aber die Anwendbarkeit der Kohlen im rohen Zustande, sind Vortheile, in denen der schottische Hohofenbetrieb in keinem andern Lande zu erreichen ist.

|317|

Endlich kommt jenen Werken noch zu statten, daß sie für den Betrieb der Oefen trotz der hohen Production einer weit geringeren Gebläsekraft bedürfen als die hiesigen Werke, und daß sie bei dem dortigen milden Clima weder eines Gießhüttengebäudes, noch eines Möllerhauses bedürfen, wodurch sich das Anlagecapital niedriger stellt.

––––––––––

In Nr. 821, S. 237 des Mining Journal (1851) gibt ein Correspondent des Blattes die Selbstkosten bei den schottischen Hohöfen für 1 Tonne Roheisen folgendermaßen an:

Für 32 Ctr. calcinirten Eisenstein
zu 12 Sh. per T. (einem Gehalt
von 62,5 Proc. entsprechend)




Liv.


19


Sh.


2


D.


=




Thlr.


9


Sgr.


7


Pf.
Für 45 Ctr. Steinkohlen zu
4 Sh. per Tonne



9




=



4


6

Für 16 Ctr. Schlacke zu
1 1/2 Sh. per Tonne



1


3


=





7 1/2

Für 7 Ctr. Kalkstein zu
3 1/2 Sh. per Tonne



1


3


=





7 1/2

Für Arbeitslöhne in der
Hütte



3


3


=



1


7 1/2

An Nebenausgaben, einschließlich
Pferde



2




=



1



An Zinsen vom Capital
(20,000 Liv. für einen
Hohofen, einschließlich
aller sonstigen Anlagen
auf der Hütte und den
Gruben)















3










4










=















1










8





––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Summe als Selbstkosten 1 Liv. 19 Sh. 3 D. = Thlr. 19 Sgr. 7 1/2 Pf.
Dazu für Transport nach
dem Schiffe



2




=



1



––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Also Selbstkosten frei
Schiff

2

Liv.

1

Sh.

3

D.

=


Thlr.

20

Sgr.

7 1/2

Pf.

für den Centner. Dabei ist bemerkt, daß einige Werke mit mäßigeren Selbstkosten arbeiten. – (Aus der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem preußischen Staate, herausgegeben von R. v. Carnall, Bd. I. Lieferung 2).

|315|

Es wird hauptsächlich Kohleneisenstein (blackband) verhüttet, welcher 25 bis 30 Proc. Eisen hält, in gebranntem Zustande, wo das Gewicht sich gemeiniglich auf das Halbfache vermindert, also 50 bis 60 Proc.; nach dem obigen Verhältniß von 35 Cntr. auf eine Tonne Eisen berechnen sich circa 57 Proc. Die Steinkohlen werden roh, in möglichst großen Stücken angewendet; es ist die sogenannte Splint-Kohle“ von hoher Festigkeit; eine Steinkohle, welche sich in unseren Kohlendistricten nicht findet, wenigstens nicht in ganzen Flötzen. Den Kalkstein gibt man ebenfalls in groben Stücken auf; fast wie sie bei der Gewinnung im Steinbruch fallen, von Faustgröße bis Centnerschwere. In Bezug auf den Arbeitslohn muß bemerkt werden, daß ein Einformen der Gänze nicht stattfindet, sondern es werden, mittelst einer kleinen Kratze, in dem – sehr groben – Formsande Rinnen gezogen, in welche das Eisen fließt.

|315|

August 1851.

|315|

Es ist hier 1 Pfd. Sterling = 6 2/3 Thlr. preußisch und 1 engl. Tonne = 20 Cntr. preuß. Centner gerechnet; richtiger wären 19,74 Cntr.

|316|

Die Eisensteine, welche die Königshütte verschmilzt, finden sich in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen S. 91 angegeben, und über das Ausbringen s. m. ebendaselbst S. 157. Die – mageren – Kohlen werden in offenen Meilern verkohkt; künftig soll dieß aber in – geschlossenen – Oefen geschehen.

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