Titel: Ueber Anwendung des Centrifugalapparats zum Abscheiden sich schwer absetzender Niederschläge, Farben etc. statt des Pressens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 4 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi04_4

Ueber Anwendung des Centrifugalapparats zum Abscheiden sich schwer absetzender Niederschläge, Farben etc. statt des Pressens.

Bekanntlich wendet man bereits die Centrifugalkraft in Färbereien zum Trocknen der Zeuge, in Zuckerfabriken zum Scheiden des Syrups vom Zucker, in Bierbrauereien zum Kühlen der Würze und zu andern technischen Zwecken an.

Ich benutzte die Centrifugalkraft seit längerer Zeit, um einen überaus feinen, sich schwer absetzenden Niederschlag, das nach meiner Methode erzeugte Bleiweiß, von der Flüssigkeit, in welcher dasselbe suspendirt ist, zu trennen. Der Apparat, welchen ich anwende, ist eine kupferne, innen verzinnte Trommel, wie sie alle Centrifugalapparate haben, mit dem Unterschiede, daß die Seitenwände dieser Trommel für meinen Zweck dicht sind, und nicht wie gewöhnlich siebförmig durchlöchert. Am Boden der Trommel, welcher etwas nach innen geneigt ist, befindet sich ein Hahn, welcher außen unter dem Boden zu öffnen und zu schließen ist. Die innere Rückwand des Apparats ist durch mehrere vertical eingelöthete Scheidewände in verschiedene Fächer eingetheilt; letztere Vorrichtung, um das Kreisen der Flüssigkeit im |318| Apparate, bei rascher Bewegung desselben, zu vermeiden. Einen äußern Sammelkessel brauche ich natürlich nicht.

Die Trommel wird bis zu etwa drei Viertel mit der milchigen Bleiweißflüssigkeit gefüllt, sodann eingerückt und nach und nach einer Rotation von etwa tausend Umgängen per Minute ausgesetzt. Die Flüssigkeit ist schnell an den Seitenwänden der Trommel in die Höhe gestiegen und man bemerkt bald, wie die weiße Farbe von der Oberfläche derselben verschwindet und letztere farblos erscheint. Nach zehn Minuten ist die Abscheidung des Bleiweiß vollendet. Die Bleiweißmilch hat sich in zwei Schichten geschieden, deren äußere, ein fester Bleiweißteig, sich dicht an die Wände des Apparats angelegt hat, deren innere eine klare Flüssigkeit ohne eine Spur Bleiweiß ist. Der Apparat wird gebremst und angehalten; die klare Flüssigkeit fließt auf dem Boden zusammen und wird hier durch den beschriebenen Hahn abgelassen; der Bleiweißteig wird mit Schaufeln von den Wänden des Apparats gelöst und in Trockengefäße gefüllt.

Die beschriebene schleunige Decantation gelingt vorzüglich und würde sich auch bei anderen, sich schwer absetzenden Niederschlägen, Farben etc. statt des Pressens derselben anwenden lassen. Auch dürfte der Centrifugalapparat anzuwenden seyn, um feine Thonsorten welche sich nach dem Schlämmen schwer absetzen, von Wasser zu befreien, vielleicht sogar, da die schwersten Körper sich zuerst ablagern, zum Schlämmen, zum Trennen der Schlieche vom tauben Gestein u.s.w.

Einen Apparat für obengenannten Zweck hat mir Hr. A. Fesca, Maschinenbauer in Berlin, von vorzüglicher Construction und zu einem mäßigen Preise angefertigt. H. Grüneberg in Stettin. (Journal für praktische Chemie, 1853, Nr. 19.)

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