Titel: Ueber die Grundsätze welche die Wald- und Hüttenbesitzer zu befolgen haben, um in dem zwischen Holz und Steinkohlen entwickelten Kampf zu bestehen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 2 (S. 394–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi05_2

Ueber die Grundsätze welche die Wald- und Hüttenbesitzer zu befolgen haben, um in dem zwischen Holz und Steinkohlen entwickelten Kampf zu bestehen.

Von besonderem Interesse ist ein über diese wichtige Frage in den Annales des mines, 1853, t. III. p. 463 von dem französischen Ober-Bergingenieur, Hrn. Le Play, enthaltener Aussatz. Der Verfasser geht von der Voraussetzung aus, daß nicht nur der Hohofen- und Walzwerk-Betrieb, sondern auch der Waldbesitz für ein Hüttenwerk von 200,000 Centner Stabeisenproduction sich in Einer Hand befinde, und daß sowohl die Hohöfen als das Walzwerk das Brennmaterial aus dem Wald zu beziehen haben. Die Anschaffung der Eisenerze ist für ein solches Hüttenwerk mit |395| 14 kr. der Centner62) und für den Centner Roheisen (à 2,5 Cntr. Erz) mit 35 kr. nicht besonders günstig angenommen. Bei der Anschaffung der Holzkohlen für die Roheisenerzeugung, und des gedörrten Holzes für den Walzwerkbetrieb, sind nur die wirklichen Auslagen für die Forstcultur und für die Beischaffung des Brennmaterials zur Hütte berechnet; für die Eisenfabrication sind außer den wirklichen Auslagen an Löhnen, Materialien und Verwaltung, 5 Proc. Zinsen aus dem Grund- und Betriebscapital des Hüttenwerks, und 5 Proc. Benefiz, zusammen also 10 Proc. Capitalrente berechnet. Bei den auf diese Weise berechneten Selbstkosten ist der Ertrag aus dem Waldcapital Null, und ein Waldertrag tritt erst ein, wenn höhere Preise aus den Fabricaten erlöst werden. Die Verhältnisse der Holzanschaffung sind nicht besonders günstig in Rechnung gebracht, indem das Holz auf eine Entfernung von 100 Kilometer oder 27 Poststunden zur Hütte beigeflößt werden soll, wobei für 10,000 Tonnen à 20 Centner Eisenfabricate aller Art, ein Bedarf von 180,000 Stère in gemischten Sorten berechnet, und die sämmtlichen Kosten für Forstcultur, Transport und Verwaltung, zu 1 fl. 7 kr. für das Stère oder 3 fl. 48 kr. für die Klafter zu 3,4 Stère berechnet sind. Die sämmtlichen Auslagen für Cultur, Fällung, Beischaffung und Verkohlung sind im Detail berechnet, und stellen sich auf 32 kr. der Centner Kohlen aller Art. Die Selbstkosten des Roheisens sind unter diesen Voraussetzungen folgendermaßen für den Centner angeschlagen:

2,5 Ctr. Eisenstein zu 14 kr. der Ctr. 35 kr.
0,25 Ctr. Fluß zu 4 kr. 1 „
1,15 Ctr. Kohlen zu 32 kr. 37 „
Löhne der Arbeiter bei einer wöchentlichen Hohofen-Production
von 2500 Ctr.

3 „
Allgemeine Kosten für Unterhaltung, Verwaltung,
Steuern, Unfälle und außerordentliche Ausgaben

14 „
10 Proc. Zinsen aus einem Grund- und Betriebscapital
von 333,000 fl.

8 „
–––––––––––––
zusammen 1 fl. 38 kr. der Ctr. Roheisen.

Für die Verarbeitung des Roheisens in einem gut eingerichteten Walzwerk empfiehlt Le Play das in Kärnthen und Steiermark für Holzfeuerung erprobte Verfahren unter Angabe der einzelnen Nachweisungen, wobei das Holz in besondern Oefen gedörrt und beim Verbrennen in Flammöfen durch Zuleitung von erwärmter Luft zu Erzeugung der höchsten Hitzgrade tauglich gemacht wird. Die Kosten des Dörrens sind zu 2 kr. der Centner wasserfreie Holzfaser (Ligneux) berechnet.

Unter diesen Voraussetzungen, wegen welcher wir auf den Aufsatz selbst verweisen, sind die Kosten von 1 Centner Stabeisen aller Art berechnet:

1,26 Ctr. Roheisen zu 1 fl. 38 kr. 2 fl. 3 kr.
2,5 Ctr. gedörrtes Holz zu 12 kr. 30 „
Löhne der Arbeiter 15 „
Allgemeine Kosten für Unterhaltung, Verwaltung, Steuern 24 „
10 Proc. Zinsen aus einem Grund- und Betriebscapital
von 800,000 fl.

24 „
–––––––––––––
zusammen 3 fl. 36 kr. per Ctr.

Werden die Zinsen aus dem Anlagecapital nicht berechnet, so stellen sich die wirklichen Auslagen für 1 Ctr. Stabeisen auf 3 fl. 2 kr., worunter die Kosten der Waldcultur, der Köhlerei und des Hüttenbetriebs begriffen sind.

Nach der bisherigen Erfahrung sind die Preise in England unter diesen Betrag bisher selten gesunken, und in den Steinkohlen-Revieren des Zollvereins sind die Preise des Stabeisens nicht unter 6 fl. der Centner oder 3 Thlr. 13 Sgr. der Zollcentner heruntergesunken, auch ist nicht zu erwarten daß der Preis unter 5 fl. per Centner sich stellen werde. Im südlichen Deutschland sind die Preise des Stabeisens |396| nicht unter 7 fl. der Centner gesunken und in Oesterreich haben sie sich immer noch zwischen 9 und 11 fl. der Centner erhalten.

Um nun zu erheben, welchen Holzwerth ein Grundbesitzer durch die Eisenindustrie erzielen und welche Bodenrente er aus dem Wald ziehen kann, dienen folgende Ansätze;

Zu einer Production von 200,000 Centner Stabeisen sind 500,000 Centner gedörrtes Holz erforderlich, welche 90,000 Stère Tannenholz oder 26,600 Klafter à 3,38 Stère entsprechen, oder in runder Zahl 30,000 Klafter. Für 200,000 Centner Stabeisen werden 252,000 Centner Roheisen erfordert, welche mit 290,000 Centner Kohle im Hohofen erblasen werden und in runder Zahl 50,000 Klafter Tannenholz zu 3,38 Stère entsprechen. Das ganze Holzerforderniß berechnet sich hienach auf 80,000 Klafter Tannenholz. Bei einem Eisenpreis von 5 fl. der Centner bleibt gegen die Selbstkosten von 3 fl. 36 kr. ein Ueberschuß von 1 fl. 24 kr. per Centner Stabeisen oder von einer Fabrication von 200,000 Centner ein Ueberschuß von 280,000 fl., und auf 80,000 Klafter vertheilt, stellt sich ein Holzwerth auf dem Stamm heraus von 3 fl. 30 kr. bei der Klafter; bei einem Eisenpreis von 6 fl. der Centner ist der Ueberschuß von 480,000 fl. und der Holzwerth der Klafter 6 fl., bei einem Eisenpreis von 7 fl. wird das Holz zu 8 fl. 30 kr. die Klafter verwerthet. Für die Laubholz-Sorten stellt sich der Preis der Klafter im Verhältniß von 7: 10 höher.

Diese Ergebnisse sind so glänzend, daß Zweifel in ihre Zuverlässigkeit sehr nahe liegen. Eine Vergleichung mit der Schrift des Bergraths Schübler („der Kampf der Eisenhüttenwerke“) ergibt daß die Ansätze hinsichtlich der wöchentlichen Production der Hohöfen, hinsichtlich des Roheisen- und Brennmaterial-Verbrauchs und der Production der Puddelöfen bedeutend günstiger gegriffen sind, was sich jedoch dadurch erklärt, daß die Erfahrungen der mit vorzüglichen Spatheisensteinen ausgestatteten Hüttenwerke in Kärnthen und Steiermark zum Anhalt genommen sind. Indessen sind die Ansätze für die Eisenstein-Anschaffung und für sonstige Angaben so hoch, daß die berechneten Selbstkosten sich in manchen Districten sollten einhalten lassen, wenn die Hauptbedingung eines mit der Eisensteingewinnung in Verbindung stehenden Waldcomplexes erfüllt werden kann, was allerdings sich nicht so häufig finden dürfte, daß eine Ueberproduction, wie sie bei Steinkohlen-Betrieb häufig eintritt und alle Uebel des Arbeiter-Proletariats mit sich führt, zu befürchten wäre. Die günstigsten Verhältnisse für die Beischaffung von Holz und Kohlen würde sich bei einem Hüttenwerk finden, welches in der Mitte der für den Bedarf erforderlichen Waldfläche gelegen wäre, deren Halbmesser von Le Play zu 8 Kilometer oder 2 Stunden berechnet wird, unter der Voraussetzung daß 1 Hektare Wald 3 Tonnen wasserfreie Holzmasse jährlich erzeugt, was einem jährlichen Erzeugniß von 1 Klafter Tannenholz à 3,38 Stères auf 1 Morgen à 0,315 Hektare entspricht und für viele Gegenden bei vollkommener Bewirthschaftung zu erreichen seyn sollte. Für Laubholzwaldungen ist der jährliche Waldertrag zu 7/10 Klafter berechnet, was hinsichtlich des Kohlenerzeugnisses nach dem Gewicht dem gleichen Werth entspricht.

Es ist einleuchtend welchen hohen Werth in volkswirthschaftlicher Beziehung der Hüttenbetrieb gewinnen müßte, wenn auf diese Weise dem Morgen Waldboden eine Bodenrente von 7 bis 8 fl. nachhaltig abgewonnen werden könnte. Denken wir uns einen gebildeten Forstmann mit der Bewirthschaftung eines Waldcomplexes von etwa 1000 Morgen beschäftigt, so wird die Cultur der Pflanzungen, das Roden der Stöcke, das Fällen des Holzes, das Anrücken des Holzes zu der Meilerstätte, die Beifuhr der Kohlen zur Hütte, von seiner in der Mitte des Waldes gelegenen Wohnung durch seine Knechte und Taglöhner mit den geringsten Kosten geschehen können, und bei gehöriger Eintheilung der landwirthschaftlichen Nutzung werden die Nahrungsmittel für Arbeiter und Zugvieh dem Waldboden abgenommen werden können, ohne daß der Waldertrag darunter leidet, so daß bei einem jährlichen Kohlenerzeugniß von 6000 Centner die bei dem Ofenbetrieb berechnete Auslage von 32 kr. für die Anschaffung von 1 Centner Kohlen mit einem Aufwand von weniger als 3200 fl. sich sollte bestreiten lassen, und die Nebennutzungen des Waldes und der Köhlerei noch hinzukommen würden. Die Lösung der Frage, ob die Forstcultur auf Bauholz oder auf Kohlholz sich richten soll, wird bei solchen Holzpreisen in den meisten Gegenden nicht zweifelhaft seyn, und die Interessen der Waldwirthschaft und des Hüttenbetriebs werden am meisten gewinnen wenn die Hütte einerseits der Holzanschaffung |397| versichert ist der Waldbesitzer aber andererseits bei einem durchschnittlichen Erlös von 6 fl. aus dem Centner Stabeisen eine Rente von 480,000 fl. zu erwarten hätte, welche den Interessen eines Capitals von 9,600,000 fl. bei 5 Proc. Zins, oder von 12,000,000 fl. bei 4 Proc. Zins entspricht, und noch annehmlich erscheinen würde, wenn auch statt der von Le Play berechneten Waldfläche von 80,000 Morgen eine Waldfläche von 130,000 Morgen für die Holzanschaffung erfordert würde, wie diese bei einem jährlichen Erzeugniß von 6/10 Klafter vom Morgen nach der Annahme von Schübler sich berechnete. Le Play erklärt daher auch als die nothwendigste Bedingung eines auf Holz gegründeten Hüttenbetriebs, daß die Waldbesitzer und die Hüttenbesitzer sich über ihre Interessen verständigen, wo diese Besitzungen sich nicht in Einer Hand befinden, was allerdings in vielen Gegenden als eine sehr schwierige Aufgabe sich darstellen dürfte.

Weniger schwierig wird die Lage des Hüttenbesitzers seyn, wenn er auch nur einen Theil seines Brennmaterialbedarfs durch eigene Waldungen gedeckt hat und einen Theil des Bedarfs durch Steinkohlen, Braunkohlen oder Torf decken kann, wie dieses auf vielen Hüttenwerken mit Vortheil geschieht. Sind die Verhältnisse des Eisenabsatzes günstig, die Holzanschaffung kann aber über ein bestimmtes Quantum nachhaltig nicht ausgedehnt werden, so wird der Hüttenbesitzer seine Rechnung leicht stellen können und die Holzkohlen dem Hohofenbetrieb zuwenden, den Walzwerkbetrieb aber mit Surrogaten von Steinkohlen, Braunkohlen und Torf unterhalten.

Bei der Ausdehnung, welche der Eisenverbrauch mit der steigenden Industrie nothwendig gewinnen muß, werden die auf den Holzverbrauch angewiesenen Hüttenwerke immer mehr von den Hüttenwerken in den Steinkohlen-Revieren überflügelt werden, wenn sie nicht von den mit den Holzkohlen zu erzielenden Vortheilen den gehörigen Gebrauch machen. Diese Vortheile werden in den Steinkohlen-Revieren am besten erkannt, indem hier trotz der Wohlfeilheit der Steinkohlen die Holzkohlen höher bezahlt werden als in den auf Holz angewiesenen Gegenden. Diese Betriebsmethode ist auf den Grund der in Deutschland gemachten Erfahrungen von einem französischen Techniker seinen Landsleuten dringend empfohlen worden, und nach so vielfachen Erfahrungen sollte diesen Vorschlägen dadurch in Deutschland mehr Aussicht auf Berücksichtigung zu Theil werden, als wenn diese von deutschen Technikern ausgehen; wir wollen daher hoffen, daß diese Grundsätze bei der deutschen Eisenindustrie bald ins Leben treten werden, wozu es an Capitalien nicht fehlen sollte, vielmehr würde die Größe des Capitals von 8 bis 10 Millionen Gulden bei der Sicherheit der Anlage im Grundbesitz ein solches Unternehmen für die Börsenwelt empfehlen, und in manchen Gegenden sollte es großen Grundbesitzern erwünscht seyn, auf diese Weise ihre Waldungen als Actien-Einlagen zu verwenden. (Allgemeine Zeitung, 1853, Nr. 342.)

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Die Preise in rheinischen Gulden im 24 1/2 fl.-Fuß für den Zollcentner, welche durchaus gerechnet sind, sind den Preisen in C.-M. im 20 fl.-Fuß für den österreichischen Centner bei 9 Proc. Silber-Agio gleich.

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