Titel: Preisaufgaben der Société d'Encouragement in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 130/Miszelle 1 (S. 433–435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj130/mi130mi06_1

Preisaufgaben der Société d'Encouragement in Paris.

Chemische Künste.

1°. Preis von 6000 Franken, im J. 1854 zu ertheilen, für die ökonomische Fabrication von Ammoniak und Ammoniaksalzen behufs der Verwendung in der Landwirthschaft.

In Oesterreich hat man Salmiak und nebenbei kohlensaure Bittererde bereitet, indem man die Mutterlauge der Salinen mit dem durch Destillation gefaulten Harns gewonnenen Ammoniak zersetzte; zu demselben Zweck ließe sich das alkalische Wasser der Steinkohlengas-Anstalten verwenden, welches kohlensaures Ammoniak, schwefelwasserstoffsaures und blausaures Ammoniak enthält. Die bekannten Versuche Faraday's über die Ammoniakbildung beim Glühen der stickstofffreien organischen Substanzen |434| mit den fixen Alkalien bei Luftzutritt; ferner die Wirkung des Stickstoffs auf die mit caustischem oder kohlensaurem Natron imprägnirte Kohle; endlich Boussingault's Versuche über die Verdichtung des atmosphärischen Sauerstoffs – machen es sehr wahrscheinlich, daß man zur ökonomischen Fabrication der Ammoniaksalze gelangen kann.

2°. Preis von 3000 Franken, im J. 1854 zu ertheilen, für die ökonomische Fabrication eines in den Haushaltungen und Gewerben anwendbaren Brennmaterials mittelst des Torfs.

Die Gesellschaft ist überzeugt, daß man mit dem Torf ein Brennmaterial darstellen kann, welches zu den Abdampf-Operationen im Großen, also in den Alaunfabriken, Brennereien, Brauereien, Salinen etc., sowie auch zum Brennen des Kalks, der Backsteine, Ziegel, des Porzellans und Steinguts, und selbst zur Glas- und Roheisen-Fabrication sehr vortheilhaft verwendet werden kann.

3°. Preis von 6000 Franken, im J. 1855 zu ertheilen, für die ökonomische Bereitung des Sauerstoffs, als Mittel hohe Temperaturen in der Industrie hervorzubringen.

Die Gesellschaft verweist auf die merkwürdigen Versuche von Boussingault, über die Verdichtung des atmosphärischen Sauerstoffs durch den glühenden Baryt, und über die Leichtigkeit womit der überoxydirte Baryt den aufgenommenen Sauerstoff fahren läßt. Die Entdeckung eines technischen Verfahrens, welches gestatten würde, mittelst des Baryts oder eines andern Körpers, den atmosphärischen Sauerstoff zu fixiren und ihn hernach ökonomisch in Gasform überzuführen, wäre für die Metallurgie, die Glas- und Porzellanfabrication, überhaupt alle Industriezweige welche eine hohe Temperatur anwenden müssen, sehr vortheilhaft. – Selbst für die Beleuchtung könnte man vielleicht aus dieser Entdeckung Nutzen ziehen, weil jetzt ein Theil der Wärme als reiner Verlust aufgewendet werden muß, um die vier Fünftel Stickstoff der atmosphärischen Luft zu erhitzen, mit welcher man die Verbrennung des Leuchtgases unterhält.

4°. Preis von 10,000 Franken, im J. 1865 zu ertheilen, für die Entdeckung eines Verfahrens, mit künstlichen Materialien welche wohlfeil zu stehen kommen, einen hydraulischen Mörtel zu bereiten, welcher der Wirkung des Meerwassers, wenigstens zehn Jahre lang, vollkommen widerstehen kann.

Die Erfahrung hat gelehrt, daß der künstlich bereitete hydraulische Kalk bei den Bauten welche sich in süßem Wasser befinden, während einer gewissen Anzahl von Jahren vollkommen widersteht, was aber bei seiner Anwendung zu den Bauten im Meerwasser nicht der Fall ist, indem hier Elemente ins Spiel kommen, welche die Adhärenz des unter dem Wasser erhärteten Mörtels nach und nach aufheben. – Die künstliche Puzzolane verändert sich nach einer mehr oder weniger kurzen Zeit im Meerwasser jedesmal. Dagegen bleibt die natürliche italienische Puzzolane unverändert, ihr Preis ist aber außerordentlich hoch.

Oekonomische Künste.

1°. Preis von 2000 Franken, im Jahr 1854 zu ertheilen, für die Ausarbeitung einer allgemeinen Instruction, welche die Angabe der verschiedenen Sorten unverbrennlicher Materialien für Bauzwecke, ihrer gewöhnlichen Dimensionen, ihrer bequemsten Anwendung, ihres Preises etc. enthält. Der Verfasser muß in verschiedenen Abschnitten die verschiedenen Arten von Materialien behandeln, das unverbrennlich gemachte Holz, die Metalle, natürlichen und künstlichen Steine, Ziegel, und auch die verschiedenen Theile der Gebäude, Mauern, Wände, Fußböden, Treppen, Dächer, Decken etc.

2°. Preis von 3000 Franken, im Jahr 1854 zu ertheilen, für neue Verfahrungsarten, neue Arten von Materialien oder neue Constructionsweisen, wodurch die Unverbrennlichkeit erzielt werden kann. Den betreffenden Mittheilungen müssen Muster oder Modelle beigegeben werden.

Landwirthschaft.

1°. Preis von 3000 Franken, im J. 1855 zu ertheilen, für die Bestimmung des Einflusses, welchen die Bewässerungsarten mittelst des Regenwassers oder Quellwassers |435| auf das Wachsthum der Bäume, auf die Bildung und Beschaffenheit des Holzes haben. Diese Frage wurde schon von einem unserer geschicktesten Förster, Hrn. Chevandier Sohn, studirt, sie erfordert aber eine noch viel umfassendere Experimental-Untersuchung. Der Versuch muß mindestens fünf Jahre dauern, und vergleichsweise auf Flächen von wenigstens einer Hektare angestellt werden, der Schlag muß beim Beginn des Versuchs wenigstens ein zehnjähriger seyn.

2°. Preis von 3000 Franken, im J. 1860 zu ertheilen, für die Bestimmung des Einflusses, welchen die Art der wirthschaftlichen Behandlung und des Lichtens auf den Ertrag an Holz derselben Art in gleichem Boden hat.

Außerordentlicher Preis.

Preis von 1000 Franken, im J. 1854 zu ertheilen, für das beste Werk über die Wirkungen der Kartoffelnahrung auf die Constitution, das Temperament, den Charakter der Individuen; auf die Sitten und Institutionen der Völker. Insbesondere soll ermittelt werden, ob die Kartoffeln mit Nutzen das Roggenbrod ersetzen, in welchem Verhältniß sie nähren, endlich ob der Kartoffelbranntwein weniger löslich ist, als der aus Wein oder Korn bereitete Branntwein.

Die Abhandlungen, mit den Modellen, Proben, Zeichnungen etc. sind portofrei an den Secretär der Société d'Encouragement pour l'industrie nationale, rue Bonaparte No. 44 in Paris, einzusenden.

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