Titel: Ueber Robert's Feuerspritze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131, Nr. XLI. (S. 161–169)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/ar131041

XLI. Bericht über die Feuerspritze des Ingenieurs J. A. Robert zu Paris; erstattet von einer Commission von Ingenieuren, Maschinenbauern und Mitgliedern der Feuerwehr zu Paris.

Aus dem Bulletin du musée de l'industrie, Septbr. 1853, S. 129.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Ungeachtet der vielen Feuersbrünste gibt es in Frankreich (und auch in Deutschland) noch manche Gemeinden, denen es an Feuerspritzen fehlt. Die in Paris gebräuchlichen Feuerspritzen wurden bis jetzt für die besten Modelle gehalten; ihre Construction begreift alle bekannten Verbesserungen in sich und scheint als mechanische Combination nichts zu wünschen übrig zu lassen; sie verbindet äußere Eleganz mit großer Wirkung, und der einzige Vorwurf, den man ihr machen kann, ist ein verhältnißmäßig zu hoher Preis. Dieß ist auch der Hauptgrund, warum viele Gemeinden eine solche Spritze nicht anschaffen können. Daher ist es von großer Wichtigkeit, wohlfeilere Spritzen zu verfertigen, welche dabei dauerhaft und ebenso wirksam sind wie diejenigen der Stadt Paris.

Die Robert'sche Feuerspritze, welche wir hier beschreiben wollen, scheint uns allen diesen Erfordernissen zu genügen. Der Constructeur hat sich durchaus keine Neuerung weder bei der allgemeinen Anordnung noch bei den Dimensionen der Theile erlaubt, um weder an den Grundsätzen der Behandlung der Spritze, noch an den Gewohnheiten der sie bedienenden Mannschaft etwas zu verändern. In dieser Beziehung hat die Pariser Spritze Hrn. Robert als Modell gedient; dagegen ist aber die Einrichtung beider Spritzen eine wesentlich verschiedene.

Bei der Pariser Spritze bestehen die beiden Cylinder oder Pumpenstiefel und der Windkessel aus drei besonderen Messingstücken, die mittelst |162| Schraubenbolzen unter einander und auf das ebenfalls aus Messing bestehende Bodenstück befestigt sind, in welchem sich die Seitenleitungen und die Ventile befinden.

Eine der wichtigsten von Robert eingeführten Abänderungen besteht darin, daß diese vier Stücke einen einzigen Eisenguß bilden. Außerdem hat er noch an den Kolben, Klappen und Verbindungen Veränderungen angebracht, wodurch der Preis gegen denjenigen der Pariser Spritze wesentlich vermindert worden ist.

Es fragt sich nun, ob dieser Ersatz eines Metalles durch ein anderes, und die Weglassung der Verbindungen durch Schraubenbolzen, keinen nachtheiligen Einfluß auf die Festigkeit und die Leistung des Mechanismus haben. Zu diesem Zweck wollen wir die einzelnen Theile der Spritze nach einander genauer betrachten.

Pumpenkörper und Recipient, Fig. 1 und 2. – Die Robert'sche Spritze besteht, wie die Pariser, aus zwei Pumpenkörpern, A, B, C, DA', B', C', D', und aus einem Recipient oder Windkessel R. Auf der Kuppel des Windkessels erheben sich die Supports K für den Balancier. Unter den Cylindern und dem Windkessel befinden sich die beiden Seitencanäle l, t, pl', t', p', oder Verbindungen zwischen den Cylindern und dem Recipient. Diese verschiedenen Theile, welche bei der Pariser Pumpe zusammengeschraubt werden, sind hier in einem Stück aus Eisen gegossen.

In dem unteren Theil dieses Gusses, in dem Bodenstück, befinden sich vier runde Oeffnungen o, o' – p, p'.

Die beiden ersteren o, o' (eine am Boden jedes Cylinders) sind die Oeffnungen durch welche das im Troge befindliche Wasser von den Pumpen während der aufgehenden Bewegung der Kolben angesaugt wird. Die beiden anderen p, p', beide am Boden des Kessels, sind die Oeffnungen durch welche das Wasser in den Kessel gelangt, wenn es bei der niedergehenden Bewegung der Kolben ausgedrückt wird. Unten an der Seite des Kessels befindet sich noch eine Oeffnung H, Fig. 1, welche mit dem Rohr oder dem Schlauche in Verbindung steht. Die Kuppel des Kessels hat eine ovale Oeffnung x, z Fig. 1 und 2, und v, x, y, z, Fig. 2, durch welche die Druckventile s, s' eingebracht werden und nöthigenfalls der Windkessel gereinigt werden kann. Der Verschluß dieser Oeffnung ist wasser- und luftdicht, und wird auf dieselbe Weise bewerkstelligt, wie bei den Mannlöchern der Dampfkessel.

Da das Gußeisen rauh ist, so würde die Reibung der Kolben gegen die Cylinderwände sehr bedeutend seyn, und die Pumpen könnten daher nicht gehörig wirken; um diesen wesentlichen Nachtheil zu beseitigen, steckt |163| in jedem der unausgebohrten gußeisernen Cylinder eine andere cylindrische Röhre, E, F, G, IE', F', G', I'. Diese Röhren bestehen aus dünnem Kupferblech und sind auf der Ziehbank über einen stählernen Dorn gezogen; dadurch erhalten die inneren Wände der Cylinder die erforderliche Glätte und Gleichartigkeit, so daß die Reibung nur gering ist. Würden aber diese Röhren ohne Weiteres in die gußeisernen Cylinder gesteckt, so könnten sie dem Druck der Kolben nicht lange widerstehen; es war daher unerläßlich, die Röhren mit den gußeisernen Cylindern so genau zu verbinden, daß sie einen einzigen Körper ausmachen. Zu dem Ende wird in die kupfernen Röhren, nachdem sie auf ihrer Außenfläche verzinnt worden sind, ein stählerner Dorn, der sie genau ausfüllt, gesteckt, worauf man jede Röhre außen mit engen spiralförmigen Windungen von Eisendraht umgibt und diese auflöthet. Dadurch wird der Widerstand der Röhre gegen die Wirkung des Kolbens bedeutend erhöht. Um die so verstärkten kupfernen Röhren nun in den gußeisernen Cylindern zu befestigen, setzt man jene auf die Schulter B, F, I, D, welche hiezu am Bodenstück angebracht ist; alsdann gießt man in den leeren Raum zwischen der äußern Röhren- und der innern Cylinderwand einen eigenthümlich zusammengesetzten Kitt, welcher in der Wärme flüssig, in der Kälte aber fest wird und ein treffliches Verbindungsmittel zwischen beiden Metallen bildet, so daß einerseits ein fester Zusammenhang stattfindet und andererseits das Eisen gegen Oxydation geschützt ist. Die Spiralen des Drahtes, welche den kupfernen Cylinder umgeben und in dem Verhältniß, als sie gegen den untern Theil (wo der Druck größer wird) vorrücken, einander näher liegen – diese Spiralen bilden um den kupfernen Cylinder eine Art Schraube, zwischen deren Gewinde der Kitt sich legt und folglich eine um so festere Verbindung mit den gußeisernen Cylindern herstellt.

Ein solcher Pumpenkörper kann ohne allen Nachtheil die aus Gelb- oder Rothguß hergestellten ersetzen; die inneren Wände eines solchen Cylinders sind sogar weit glätter als diejenigen eines auf gewöhnliche Weise ausgebohrten.

Das Gußeisen, woraus das Bodenstück besteht, welches gewissermaßen die eigentliche Pumpe bildet, ist allerdings spröder als Roth- oder Gelbguß, aber ebendeßwegen nimmt es auch nicht so leicht Eindrücke an als der Rothguß, und in dieser Beziehung sind die gußeisernen Maschinentheile weit dauerhafter als die messingenen. Bei der Robert'schen Feuerspritze sind die Bodentheile an den Punkten welche am wenigsten auszuhalten haben, mindestens 8 Millimeter dick, und bis 20 Millimeter an denjenigen Theilen die den stärksten Druck aushalten müssen; letztere |164| Theile sind überdieß mit Verstärkungsrippen versehen. Wird zu dem Guß ein gutes und dichtes Roheisen genommen, so gewährt es auch die erforderliche Festigkeit, um den Stößen zu widerstehen, denen eine Spritze bei Feuersbrünsten ausgesetzt ist.

Ventil. – Das von Robert angewendete Ventil hat offenbar große Vorzüge vor dem der Pariser Spritze. Es ist auf einer bronzenen Platte, Fig. 3, angebracht, und mit drei kreisrunden Löchern, o, O, o' versehen. Die mittlere Oeffnung O bildet die Saug- oder Drucköffnung; die beiden anderen kleineren, o, o', dienen dazu, die Platte oder das Futter mittelst Schrauben auf dem Bodenstück zu befestigen.

Die mittlere Oeffnung ist mit einem vorstehenden Kranz v, v' versehen, dessen oberer Rand vollkommen abgerichtet ist.

Eine bronzene Scheibe C, C' von einem um 3 Millimeter größeren Durchmesser als die äußere Peripherie des Kranzes, ist ebenfalls genau abgerichtet und liegt auf dem Kranz, dessen Oeffnung sie (mittelst des Randes ihrer inneren abgerichteten Fläche) luft- und wasserdicht verschließt. Dieselbe Scheibe oder Klappe ist zwischen den vier Armen eines Kreuzes angebracht, welche ihr nur so viel Spiel lassen, daß sie sich frei in senkrechter Richtung bis auf eine Höhe von 15 oder 18 Millimeter bewegen kann, wo sie von den Ouerarmen des Kreuzes aufgehalten wird.

Dieses Klappenventil ohne Scharnier oder Stange, folglich ohne alle Reibung, kann gar nicht in Unordnung kommen, und da es eine sehr wichtige Rolle in dem Mechanismus der Feuerspritze spielt, so ist die vorliegende Einrichtung als eine wesentliche Verbesserung der ganzen Maschine zu betrachten. Sollte sich ein solches Ventil wirklich nicht mehr in gutem Zustand befinden, so läßt es sich sehr leicht wegnehmen und durch ein neues aus der Fabrik ersetzen.

Die Kolben. – Jeder Kolben besteht aus einem gußeisernen Stück a, b, c, d, e, f, g, h, i, Fig. 4, welches außen cylindrisch ist und einen um einige Millimeter kleineren Durchmesser hat, als das Innere des Pumpenkörpers. Dieses Stück ist hohl, oben offen, unten aber mit einem halbkugelförmigen Boden geschlossen, um das untere Ende der Lenkstange aufzunehmen. Dieser Kolbenkern wird alsdann oben und unten, wie ein gewöhnlicher Kolben, mit zwei Scheiben versehen, wovon die eine, m, aus Leder, die andere, n, aus Zinn besteht; jede dieser Scheiben hat genau den Durchmesser vom Innern des Pumpenkörpers; hernach mit einer umgestülpten Lederscheibe p, und endlich mit einer gußeisernen Scheibe q. Durch das Ganze gehen vier Schraubenbolzen r, welche diese Liederung fest zusammenhalten.

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Der hohle gußeiserne Kern dient als Schmierbüchse, und ist mit kleinen Löchern o, o', o'' versehen, durch die sich die Schmiere in den Raum a, b, g, f verbreitet, welcher zwischen dem Kolbenkern und dem Pumpenstiefel leer blieb, so daß das Innere des Pumpenstiefels und der Kolben selbst fortwährend geschmiert bleiben. Diese Schmiermethode und der Umstand, daß die Lenkstange am untern Theil des Kolbens befestigt ist, gewähren große Vortheile: da die Lenkstange länger ist, so wird ihr Abweichungswinkel während des Kolbenlaufes fast unmerklich, und es werden die Führer entbehrlich, welche stets Reibung veranlassen. Da der Kolben von unten gezogen wird, statt wie gewöhnlich von oben geschoben zu werden, so ist die Reibung viel gleichförmiger und geringer, und es wird daher der Pumpenkörper weit weniger angegriffen.

Der Balancier. – Derselbe, in Fig. 5 im Grundriß dargestellt, besteht aus drei starken platten Stäben von Schmiedeisen l, m, l', welche auf die hohe Kante gestellt und durch starke Niete mit einander verbunden sind, daher dieser Balancier eine eben so große Festigkeit hat, als wenn er aus Einem Stück geschmiedet wäre. Die Enden beider Seitenstäbe werden zuerst so gebogen, daß sie Hülsen h, h', für die Griffe der Spritzenleute bilden; ihre zwei Arme h, l und h', l' vereinigen sich bei l, l' mit dem dritten Stabe um den Körper des Balancier zu bilden.

Der mittlere Stab wird zwischen p' – p' unterbrochen, um in dem Zwischenraume die Lenkstangen aufzunehmen. Derselbe Stab geht in gerader Linie durch die Oeffnung der Seitenstäbe zwischen den beiden Supports, und durch alle drei Stäbe geht der Bolzen welcher die Drehungsachse für den Balancier bildet. Durch diese Einrichtung wird jeder Biegung der Seitenstäbe vorgebeugt.

Eine eiserne Röhre a, die zur Seite offen ist, um die Schmiere einzuführen, welcher sie als Büchse dient, enthält drei bronzene Ringe, deren Lappen dieses Schmierrohr auf den drei Eisenstäben befestigen. Die bronzenen Ringe dienen auch dazu, eine geringe Reibung auf die hindurchgehende Drehungsachse auszuüben.

Lenkstangen. – Jede Lenkstange besteht aus einem starken platten Eisenstabe, dessen Enden abgerundet und mit zwei Löchern M, N, Fig. 1, versehen sind. Letztere haben bronzene Futter, durch welche der Bolzen V des Balancier geht, sowie auch der Bolzen N, welcher die Lenkstange mit dem Kolben verbindet.

Der Wasserkasten. – Der Wasserkasten hat dieselbe Form und Dimensionen, wie derjenige an der Pariser Spritze, und besteht aus Eisenblech, welches mit einer Oelfarbe angestrichen ist. Ein solcher Kasten ist fester als ein von Kupferblech angefertigter und viel wohlfeiler; zur Verhinderung |166| der Oxydation des Eisenblechs muß aber der Anstrich öfters erneuert werden.

Der Wasserkasten ruht auf drei Längenbalken, welche durch platte Eisenstäbe verbunden sind. Vier Schraubenbolzen verbinden das Bodenstück der Maschine und den Boden des Kastens mit diesen Hölzern. Die beiden Seitenhölzer reichen über den Kasten hinaus, um vier Griffe T, X, T', X', Fig. 1 und 2, daran befestigen zu können, mittelst deren sich die Spritze leicht von ihrer Stelle verrücken läßt.

Der mittlere Balken ist auch um einige Centimeter länger als der Kasten, um als Stützpunkt der beiden eisernen Stäbe V, V', Fig. 1, zu dienen, welche an der äußeren Seite des Kastens vertical bis Q, Q' hinaufreichen und zur Regulirung des Balancierlaufes dienen. Diese verticalen Stäbe sind mittelst Nieten an dem Kasten befestigt, und jeder ist mit einem Haken versehen, an den eine Kette gehängt wird, deren Zweck unten angegeben ist.

Schläuche. – Man wendet die gewöhnlichen Schläuche an, welche allerdings wesentlicher Verbesserungen fähig wären.

Verbindung der Schläuche. – Die gewöhnliche Verbindung der Schläuche mittelst Schrauben zeigt sich in der Praxis in mehrfacher Hinsicht mangelhaft; da die Schrauben und Muttern oft bedeutende Dimensionen haben, so erfordert das Zusammen- und Auseinanderschrauben derselben großen Kraftaufwand; auch können diese Verbindungsstücke durch einen nicht bedeutenden Druck platt gedrückt werden, wo sie dann unbrauchbar sind; das Zusammenschrauben derselben erheischt eine gewisse Geschicklichkeit und kann nicht durch eine einzige Person verrichtet werden; kommt ein Sandkorn zwischen die Gewinde, so können sie leicht unbrauchbar werden, indem sie dann Wasser durchlassen; überdieß sind diese Schraubenverbindungen theuer.

Hr. Robert suchte daher dieselben durch eine andere Verbindung zu ersetzen, welche die bisherigen Nachtheile nicht darbietet. Diesen Zweck erreichte er auf folgende sinnreiche Weise.

Seine Verbindung besteht aus zwei gußeisernen Röhren A, B, Fig. 8 und 9, auf welchen die zwei Enden der Schläuche in gewöhnlicher Weise befestigt sind. Der vordere Theil dieser Röhren, nämlich ihr Eintritt, ist ein genau abgerichteter Rand von 5 Millimeter Breite; an den Seiten dieses Randes und einander diametral gegenüber, treten die Lappen e, f um zwei Centimeter vor. Die ebene Fläche des einen der beiden Verbindungsstücke, z.B. von B, ist mit einer ledernen Scheibe K versehen, welche durch zwei messingene Schrauben festgehalten wird. Ueber jedes Ohr dieses Stücks wird ein beweglicher Bügel g, g gesteckt, der von |167| einem Stift festgehalten wird, um den er sich dreht; durch den Scheitel m dieses Bügels geht eine Druckschraube h mit flachem Kopf.

Um die Verbindung zweier Schlauchstücke herzustellen, braucht man sie nur an einander zu legen, die Bügel zu heben, und jede Druckschraube mit dem Daumen und Zeigefinger zu drehen, bis ihre Spitze auf den Rücken des Lappens vom zweiten Verbindungsstück drückt. Da diese Schrauben nur einen kleinen Durchmesser haben und wenig Reibung veranlassen, so können sie auch leicht gedreht werden, obgleich sie einen bedeutenden Druck ausüben und die beiden Schlauchstücke daher sehr fest mit einander verbinden. Ein einziger Mann kann diese Verbindung herstellen.

Das Rohr. – Dasselbe unterscheidet sich nicht von dem gewöhnlichen, nur wird es an dem Schlauchende durch die eben beschriebene Verbindung befestigt.

Die neue Spritze wiegt (ohne den Karren) 160 Kilogr., während die Pariser Spritze ein Gewicht von 204 Kilogr. hat.

Die mit der neuen Spritze in Gegenwart vieler erfahrenen Officiere und Unterofficiere des Feuerwehrcorps der Stadt Paris angestellten Versuche haben bewiesen, daß dieselbe, mit acht Mann bedient, einen wirksamen Strahl von 32 bis 35 Metern gibt, der sich erst bei 15 bis 18 Meter von der Rohröffnung zu theilen beginnt.

Der Karren. – Der Karren oder zweiräderige Wagen, auf welchem die Spritze transportirt wird, besteht aus einem Langbaum F, L, Fig. 6, und einem hölzernen Querstück T, V, unter welchem die eiserne Achse angebracht ist; ferner aus vier Bändern A, B, C, D, welche einerseits mit dem Langbaum und andererseits mit dem hölzernen Achsstück verbunden sind; diese Verbindung ist durch Zapfen und Zapfenlöcher, sowie durch acht eiserne Klammem hergestellt. An den Enden des Achsfutters sind zwei Unterlager angebracht, auf denen der Wasserkasten ruht.

Am vordern Ende des Langbaums befindet sich eine eiserne Klammer B, D, Fig. 7, unter welcher der mittlere Schwell von dem Wasserkasten hervortritt. Daran ist eine Kette befestigt, welche in den Haken C eingehängt wird und den Spritzenkasten festhält, auch das Aufsetzen der Spritze auf den Karren erleichtert, wenn sie von demselben abgehoben wurde.

Am hintern Theil der Spritze und auf der Verlängerung des Langbaums befindet sich ein länglicher Ring p, q Fig. 7; dieser bewegliche Ring tritt in ein Zapfenloch in der Verlängerung des Langbaumes und wird darin durch zwei Bolzen p gehalten, so daß er von unten nach oben und von oben nach unten verschiebbar ist, ohne aus dem Zapfenloch |168| treten zu können. Das hintere Ende des unter der Mitte des Wasserkastens befindlichen Balkens ist mit einem Loch versehen, welches dem Zapfenloch entspricht, so daß der bewegliche Ring über den Balken emporgehoben werden kann. In dieser Lage erhält man ihn durch einen Haken r, welcher sich an dem einen Ende einer Kette befindet, deren anderes Ende an dem Wasserkasten befestigt ist, und alsdann verhindert der Ring den Kasten nach hinten zu gleiten.

Will man nun die Spritze von dem Karren abheben und auf die Erde setzen, so braucht man bloß den Haken zu lösen, welcher den langen Ring hält; dieser Ring fällt durch sein eigenes Gewicht in die Oeffnung zurück, worauf man den Kasten hinten am Karren auf dem geneigten Langbaum niederlassen kann.

Allgemeine Bemerkungen.

Da das Bodenstück als ein einziges Stück gegossen ist, so fällt das schwierige und umständliche Auseinandernehmen der Theile, aus denen eine gewöhnliche Spritze besteht, ganz weg. Um die Robert'sche Spritze aus einander zu nehmen, braucht man nur die vier großen Bolzen loszuschrauben, welche die Spritze auf dem Boden des Kastens befestigen, ferner die zwei Schrauben abzunehmen, durch welche das Austrittsrohr befestigt ist; und um zum Innern der Spritze zu gelangen, genügt es, die einzige Schraube loszuziehen, welche den Bügel festhält, der das Mannloch verschließt.

Der erwähnte Guß aus Einem Stück gewährt noch zwei wesentliche Vortheile: 1) Die beiden Cylinder können sehr nahe gestellt und ganz in Berührung mit dem Windkessel gebracht werden, wodurch die Seitencanäle viel kürzer werden, daher die Reibung des Wasserstrahls in den verengten Theilen bedeutend geringer ist. 2) Da die Cylinder einander so nahe gestellt sind, so werden die kleinen Hebelarme des Balancier viel kürzer diese Verkürzung, welche etwa 1/5 der Länge des kleinen Hebelarms bei der Pariser Spritze beträgt, hat zwar die Folge, daß der Kolbenlauf etwas kleiner wird, aber andererseits leisten vier Mann an einer Seite des Balancier der Robert'schen Spritze ebensoviel wie fünf Mann an der Pariser Spritze.

Wir bemerken noch, daß bei dem gewöhnlichen Klappenventil für das Scharnier ein weit stärkerer Kranz erforderlich ist, als bei dem Robert'schen Ventil; der Durchmesser dieser Klappe ist auch außen kleiner als der Durchmesser der Klappe mit Scharnieren. Die Halbmesser dieser beiden Klappen sind im Verhältniß von 6 : 7 – und da die Kreisoberflächen |169| im Verhältniß der Quadrate ihrer Halbmesser stehen, so folgt, daß die Oberfläche des Robert'schen Ventils und diejenige der gewöhnlichen Klappe sich zu einander wie 36: 49, oder nahezu wie 3: 4 verhalten. Nun sind die Widerstände, welche die Oberflächen darbieten, proportional der Größe dieser Oberflächen, woraus folgt, daß das Wasser, um zuvörderst in die Cylinder und hernach in den Recipient einzudringen, um 1/4 weniger Kraft aufwenden muß, um das Robert'sche Ventil zu heben als für das gewöhnliche Ventil (dabei ist noch angenommen, daß beide Ventile gleiches Gewicht haben, eine für das Robert'sche Ventil ungünstige Hypothese, weil es leichter ist als das gewöhnliche Ventil); dieser Betrag kommt noch in Abzug bei der Kraft, welche bei der Robert'schen Spritze von den sie bedienenden Arbeitern ausgeübt werden muß.

Da überdieß diese Spritze mittelst der Schmierbüchse der Kolben und derjenigen der Balancierachse stets geschmiert bleibt, so wird die Reibung merklich vermindert, was um so wichtiger ist, da bei den meisten gewöhnlichen Spritzen 20 bis 25 Procent der von der Mannschaft angewendeten Kraft auf die Reibung kommen, wodurch sich der Nutzeffect beim Saugen und Ausdrücken des Wassers sehr vermindert. Auch die Form der Ausströmungsröhre ist bei der Robert'schen Spritze beachtenswerth, da sie am Eintritt des Wassers weit und conisch ist, so daß der Strahl sich nicht zusammenzuziehen braucht.

Endlich wirken bei den meisten gewöhnlichen Spritzen die Kräfte dahin, die verschiedenen Theile der Maschine, welche mit einander fest verbunden bleiben müssen, von einander zu trennen; so streben das in den Cylindern stattfindende Ansaugen und Ausdrücken des Wassers, der Druck in dem Windkessel, den Cylinder und den Kessel von der Kuppel zu trennen. Bei der Robert'schen Spritze hingegen tragen alle drückenden Kräfte bei, um die Ventile auf ihren Sitzen festzuhalten und die einzige Fuge der Maschine, nämlich das Mannloch, auf dem Windkessel zu verschließen.

Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß die Robert'sche Spritze dauerhaft und wirksam, und in jeder Hinsicht zweckmäßig construirt ist. Die verschiedenen Theile sind einfach, nicht zahlreich, nicht schwierig anzufertigen und zu adjustiren, und die Reparaturen können nöthigenfalls von jedem Dorfschmied gemacht werden. Die Spritze empfiehlt sich daher hauptsächlich für kleinere Gemeinden, einzelne Gehöfte u.s.w.

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