Titel: Wittstein, Beitrag zur Kenntniß der Pinus sylvestris.
Autor: Wittstein, G. C.
Fundstelle: 1854, Band 131, Nr. LXXXIII. (S. 303–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/ar131083

LXXXIII. Beitrag zur Kenntniß der Pinus sylvestris in chemischer und ökonomischer Beziehung; von Dr. G. C. Wittstein.

Die gemeine Fichte, Föhre oder Kiefer (Pinus sylvestris) wird aus den Waldungen bei Bamberg schon seit Jahrhunderten in bedeutender Anzahl nach Holland ausgeführt und daselbst vorzüglich in der Marine verwendet. Die Erfahrung hat nun gelehrt, daß nicht alle dort wachsenden Stämme sich gleich gut zu Schiffsmasten eignen; um diesem Zwecke zu entsprechen, müssen sie bekanntlich einen möglichst hohen Grad von Festigkeit und Zähigkeit besitzen, damit sie den Stürmen gehörigen Widerstand leisten können. Es stellte sich nach und nach heraus, daß in der eine gute Stunde östlich von Bamberg sich von Nord nach Süd sechs Stunden lang hinziehenden Fichtenwaldung, welche den Namen Hauptsmoor führt, nur eine gewisse Strecke desselben, der sogenannte Hirschrangen, diejenigen Fichtenstämme trägt, welche die besten Schiffsmasten liefern. Solche Stämme werden aber sehr theuer bezahlt, während andere, wenn auch von gleicher Dicke und Höhe, in unverhältnißmäßig geringerm Preise stehen.

Der naturforschende Verein zu Bamberg hielt es daher für ebenso wichtig als interessant, die Unterschiede zu ermitteln, welche ohne Zweifel zwischen der innern Beschaffenheit der in dem angedeuteten Sinne guten und schlechten Fichtenstämme bestehen, sowie den Ursachen nachzuforschen, von welchen diese verschiedene Beschaffenheit abhängt.

Hr. Hofapotheker A. Lamprecht in Bamberg, ein sehr eifriges und thätiges Mitglied dieses Vereins, hatte sich anfangs zur Anstellung von Untersuchungen bereit erklärt, mußte jedoch wegen seiner Berufsgeschäfte bald darauf verzichten, und ersuchte mich, dieselben zu übernehmen, was ich auch gern zusagte. Nachdem ich das Terrain selbst besucht und durch die gefällige Vermittlung des Hrn. Lamprecht mit dem nöthigen Materiale versehen war, begann ich im Herbste 1852 die Arbeit; sie beschäftigte mich den ganzen Winter 1853 über und zog sich bis in die Mitte des Sommers hin.

Die Versuche wurden mit drei verschiedenen Bäumen angestellt. Einer derselben, welchen ich mit A bezeichnen will, war aus dem Hirschrangen, gehörte also zu den zu Schiffsmasten brauchbaren, hatte ein Alter von |304| 220 Jahren, eine Höhe von 120 Fuß und maaß anderthalb Fuß über der Erde etwa 2 Fuß im Durchmesser. Von den andern beiden Stämmen, welche, nach dem Urtheile der Sachverständigen, sich zu Schiffsmasten nicht eignen, war der eine, B, aus dem Reviere Bug bei Kirchaich, 172 Jahre alt und unten 2 1/2 Fuß dick; der zweite, C, aus dem Reviere Seehof bei Strullendorf, 135 Jahre alt und unten 1 1/2 Fuß dick.

Holz und Rinde wurden den Bäumen unten, in der Nähe des angegebenen Durchmessers entnommen. Da es auch von Nutzen schien, die Zusammensetzung des Bodens, auf welchem die Bäume gewachsen, kennen zu lernen, so stach man Proben desselben, nach Entfernung der obersten Kruste, 1 Fuß tief am Stamme aus. Diese zur Analyse bestimmte Erdschicht hat eine Mächtigkeit von etwa 9 Fuß und ruhet auf einer 10 bis 30 Fuß betragenden Schicht von Sandstein.

Sämmtliche der Prüfung unterstellte Materialien waren der bessern Vergleichung wegen zuvor bei einer Temperatur von 100° C. getrocknet.

Da die Untersuchung aller drei Holz-, Rinden- und Bodenarten auf ein und dieselbe Weise ausgeführt wurde, so erscheint es ausreichend, den dabei eingeschlagenen Weg nur einmal speciell hier mitzutheilen. Hinsichtlich des zur Analyse der Aschen befolgten Ganges verweise ich auf die in meiner Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie (Bd. II S. 344) gegebene Anleitung.

A.
Fichtenstamm und Boden aus dem Hirschrangen.

a. Holz.

1000 Gram, des feingeraspelten Holzes wurden mit Alkohol von 90 Proc. einige Tage lang in gelinder Wärme digerirt, hierauf die weingelbe Flüssigkeit abfiltrirt, der Rückstand mit Alkohol vollständig ausgewaschen, sämmtliche Tincturen zur Wiedergewinnung des größten Theils Alkohol destillirt, die rückständige Flüssigkeit in eine tarnte Porzellanschale gegossen und diese so lange in das Dampfbad gestellt, bis kein Gewichtsverlust mehr stattfand. Der Inhalt der Schale wog jetzt 144 Gram, und stellte eine spröde, harzige, dem Colophon ähnliche, in Aether lösliche Masse dar.

Durch Kochen dieser Harzmasse mit Wasser wurde eine trübe, kaum gefärbte, schwach sauer reagirende Flüssigkeit erhalten, welche beim Verdunsten nur wenige Gramme Rückstand hinterließ. Beim Behandeln dieses Rückstandes mit wenig Wasser blieb ein wenig braunes Harz zurück; die |305| wässerige, etwas trübe Flüssigkeit, von stark saurer Reaction und rein bitterm Geschmack, gab mit Eisenchlorid keine Spur von Gerbestoff zu erkennen. Auf Zusatz von Ammoniak verschwand die trübe Beschaffenheit der Flüssigkeit. Weitere Versuche erlaubte die geringe Menge der Substanz vorläufig nicht; ich habe mir aber vorgenommen, zur Erforschung der Natur dieses (den vorliegenden Zweck nicht weiter tangirenden) Bitterstoffs später größere Quantitäten Holz in Arbeit zu nehmen.37)

Das mit Alkohol erschöpfte Holz wurde nach dem Trocknen mit Wasser übergossen, 2 Stunden lang im Dampfbade digerirt und hierauf filtrirt. Das Filtrat war farblos, geschmacklos und ward durch Jodtinctur nicht verändert.

Auch das mit Wasser behandelte Holz veränderte auf Zusatz von Jodtinctur seine Farbe nicht ins Violette oder Blaue, so daß hiedurch die vollständige Abwesenheit des Stärkmehls in demselben erwiesen war. Ein noch mit sehr verdünnter Salzsäure bereiteter Auszug des Holzes erlitt durch Ammoniak keine Trübung.

3000 Gram. Holz lieferten beim Verbrennen 13,533 Gram. (0,451 Proc.) Asche, und diese zeigten folgende Zusammensetzung:

In 100 Theilen:
Kali 0,953 7,042
Natron 0,600 4,434
Kalk 3,333 24,629
Magnesia 0,714 5,276
Alaunerde 0,124 0,916
Eisenoxyd 0,666 4,921
Manganoxydul
Chlor 0,049 0,362
Schwefelsäure 0,274 2,025
Phosphorsäure 0,520 3,842
Kieselsäure 4,100 30,296
Kohlensäure 2,200 16,257
–––––––––––––––––
13,533 100,000.

b. Rinde.

1000 Gram, gröblich gepulverte Rinde wurden mit Alkohol von 90 Proc. ausgezogen, filtrirt, der Rückstand mit Alkohol gewaschen und die vereinigten dunkelrothen Filtrate zur Trockne gebracht. Es blieben 117 |306| Gram, einer dunkelrothen, spröden, luftbeständigen Masse. Beim Kochen mit Wasser ballte sie sich zu einer krümligen Masse zusammen; das Wasser nahm eine dunkelrothe Farbe an, trübte sich aber beim Erkalten, weßhalb es noch heiß abcolirt wurde. Durch mehrmaliges Auskochen mit Wasser gelang es, der Masse alle in heißem Wasser löslichen Antheile zu entziehen.

Die mit heißem Wasser erschöpfte Substanz wog nach dem Trocknen 82 1/2 Gram., war bröcklig pulverig, geruch- und geschmacklos; in der Hitze verkohlte sie ohne zu schmelzen unter Verbreitung eines Geruches nach anbrennendem Oel und hinterließ nur 0,6 Proc. weiße Asche, welche etwas kohlensaures Alkali, Kaltsalze und Kieselerde enthielt. In Ammoniak, sowie in Kalilauge löste sie sich mit tiefrother Farbe und durch Säuren wurde sie aus diesen Auflösungen wieder gefällt. In der Wärme gut ausgetrocknet, ertheilte sie dem damit in Berührung gebrachten Alkohol kaum mehr eine Farbe. – Es ist dieß der von Hofstetter und Stähelin mit dem Namen Phlobaphen bezeichnete rothe Farbstoff, welchen diese Chemiker, außer in der Fichtenrinde, auch in der China flava, der Rinde von Platanus acerifolia und von Betula alba, und nach der Formel C₂₀H₈O₈ zusammengesetzt fanden.

Die durch das wiederholte Kochen der rothen Masse mit Wasser erhaltene und zusammengegossene Flüssigkeit hatte nach dem Erkalten ein trübes, ziegelrothes Ansehen, etwa wie ein schwaches Decoct der rothen Chinarinde und schmeckte auch ähnlich bitter. Durch wiederholtes Filtriren ließ sie sich nicht klar erhalten; nach mehrtägigem Stehen hatte sie sich nur wenig geklärt und der klare Antheil wurde nach dem Filtriren bald wieder trübe.

Eisenchlorid erzeugte in einer Probe der Flüssigkeit eine schwarz-olivengrüne Färbung und Trübung.

Bleizucker brachte einen sehr reichlichen grau-röthlichen Niederschlag hervor, der sich in Essigsäure mit röthlicher Farbe ziemlich klar löste; die essigsaure Lösung trübte sich aber wieder durch Wasser ziemlich stark und ließ ein braunrothes Pulver fallen, das sich in Alkohol und in Ammoniak mit tiefrother Farbe löste, und beim Einäschern nur wenig Bleioxyd zurückließ.

Sämmtliche trübe Flüssigkeit wurde mit Bleizucker gefällt, der Niederschlag ausgewaschen, in Essigsäure gelöst, die Lösung mit Wasser verdünnt, von dem dadurch entstandenen Niederschlag befreit und durch Schwefelwasserstoff zersetzt. Der gebildete schwarze Niederschlag wurde nach dem Auswaschen und Trocknen mit Alkohol behandelt, an welchen er eine geringe Menge bitterer Materie abgab. Die vom schwarzen Niederschlage |307| abfiltrirte Flüssigkeit war dunkelgelb und hinterließ beim Verdunsten harzige Gerbesäure (keinen Bitterstoff).

Die von dem durch Bleizucker entstandenen Niederschlage getrennte Flüssigkeit war farblos und schmeckte nicht sehr bitter. Sie wurde mit Kalkhydrat im Ueberschuß digerirt, filtrirt, der Filterinhalt mit Wasser gewaschen, getrocknet und mit Alkohol behandelt; dieser hinterließ beim Verdunsten nur Spuren eines geschmacklosen Rückstandes. – In die Flüssigkeit, welche von dem Kalkniederschlage abfiltrirt worden war, wurde Kohlensäure geleitet, um den frei vorhandenen Kalk zu entfernen; hierauf filtrirt und abgedampft, hinterließ sie eine weiße matte, luftbeständige Salzmasse von anfangs erwärmendem, dann schwach bitterlich salzigem Geschmacke. In der Hitze verkohlte das Salz ohne zu schmelzen. Mit concentrirter Schwefelsäure übergossen, entwickelte es einen den sauren Gurken ähnlichen Geruch. In Wasser löste es sich sehr leicht auf; die Auflösung reagirte spurweise sauer. Bleizucker trübte diese Solution nicht. Salpetersaures Silberoxyd bewirkte nur eine schwache Trübung; als aber die Probe erhitzt wurde, färbte sie sich erst röthlich, dann immer dunkler bis schwärzlich, setzte schwarzes metallisches Silber ab und erschien nun wieder farblos. Salpetersaures Quecksilberoxydul erzeugte einen starken weißen krümlig-stockigen Niederschlag, der beim Erhitzen der Probe sofort wieder verschwand, während sich gleichzeitig graues metallisches Quecksilber ausschied. Diese Versuche beweisen, daß in dem Kalksalze, neben der von dem Bleizucker her darin vorhandenen Essigsäure, noch Ameisensäure befindlich war.

Die mit Alkohol erschöpfte Rinde wurde nach dem Trocknen der Einwirkung des kochenden Wassers unterworfen. Das Wasser nahm dadurch kaum eine Farbe, auch keinen Geschmack an, und zeigte keine Reaction auf Stärkmehl. Ich fetzte nun dem Ganzen 2 Drachmen Salzsäure hinzu, digerirte einen Tag lang und filtrirte. Das saure Filtrat war fast farblos, Ammoniak erzeugte darin einen sehr feinen Niederschlag, der anfangs ganz weiß aussah, aber, als ein Ueberschuß von Ammoniak hinzukam, einen Stich ins Röthliche annahm. Er setzte sich sehr langsam ab, und konnte nur durch Decantiren ohne Verlust gewaschen werden, weil er stets mit durch das Filter ging. Sein Gewicht betrug 17,4 Gram, und er bestand, wie eine Glühprobe und sein Verhalten zu einer kochenden Auflösung von kohlensaurem Kali (an welche er seine Säure abgab) zeigte, aus oxalsaurem Kalk.

1000 Gramme Rinde lieferten durch Verbrennen 11,270 Gramme (= 1,127 Proc. Asche), welche folgende Zusammensetzung hatte: |308|

In 100 Theilen:
Kali 0,201 1,783
Natron 0,092 0,816
Kalk 2,570 22,806
Magnesia 0,178 1,580
Alaunerde 1,141 10,124
Eisenoxyd 0,730 6,477
Manganoxydul
Chlor 0,017 0,150
Schwefelsäure 0,161 1,428
Phosphorsäure 0,602 5,342
Kieselsäure 3,670 32,564
Kohlensäure 1,908 16,930
–––––––––––––––––
11,270 100,000

c. Boden.

Ein hellbräunlich grauer Sand aus ziemlich gleichartigen Körnern, welche höchstens die Größe eines Senfkorns hatten. Organische Theile waren nur in äußerst geringer Menge darin zu bemerken. Der salzsaure Auszug desselben reagirte auf Eisenoxydul.

20 Gram, des feingepulverten Bodens hinterließen nach anhaltendem Glühen 19,16 Gram, von blaß-ziegelrother Farbe. Bei der Behandlung dieses Rückstandes mit Salzsäure war kein Brausen zu bemerken. Nach längerer Einwirkung der Säure in der Hitze nahm dieselbe eine goldgelbe, das Pulver eine weiße Farbe an.

Die salzsaure Auflösung enthielt 0,18 Gram. Eisenoxyd und 0,24 Gram. Alaunerde; keinen Kalk, leise Spuren von Magnesia und Phosphorsäure.

Das von der salzsauren Lösung getrennte weiße Pulver wog 19,15 Gramme. Mit kohlensaurem Kali-Natron aufgeschlossen, lieferte es 18,68 Gram. Kieselsäure, 0,40 Gram. Alaunerde, 0,05 Gram. Kalk und eine Spur Magnesia.

Eine neue Menge des Bodens wurde zur Ermittelung etwaiger Alkalien mit Baryt aufgeschlossen, aber nur eine Spur Kali gefunden.

Der untersuchte Boden hat hiernach folgende procentische Zusammensetzung:

Kieselsäure 93,40
Eisenoxyd (z. Th. als Oxydul vorhanden) 0,90
Alaunerde 3,20
Kalk 0,25
Magnesia
Phosphorsäure
0,25
organische Materie 2,00
––––––
100,00

B.
Fichtenstamm und Boden aus dem Reviere Bug bei Kirchaich.

|309|

a. Holz.

1000 Gram. Holz lieferten durch Behandeln mit Alkohol 112 Gr. gelbes Weichharz. Kochendes Wasser entzog dieser Harzmasse etwas Bitterstoff, Spuren von Gerbestoff und etwas Benzoësäure (die sich entschieden durch Geruch, Geschmack und Fällung des Eisenchlorids zu erkennen gab); das rückständige Harz wurde bei längerm Verweilen in der Wärme nicht fest, sondern blieb steif extractartig.

Eine Prüfung des Holzes auf Stärkmehl hatte keinen Erfolg.

3000 Gram. Holz hinterließen beim Verbrennen 17,400 Gramme (= 7 0,58 Proc.) Asche, welche folgende Zusammensetzung hatte:

In 100 Theilen:
Kali 2,128 12,230
Natron 0,600 3,448
Kalk 6,650 38,214
Magnesia 0,646 3,714
Alaunerde 0,125 0,718
Eisenoxyd 0,333 1,914
Manganoxydul 0,010 0,057
Chlor 0,098 0,563
Schwefelsäure 0,330 1,900
Phosphorsäure 0,474 2,724
Kieselsäure 2,506 14,403
Kohlensäure 3,500 20,115
–––––––––––––––––
17,400 100,000

b. Rinde.

1000 Gram. Rinde gaben 155 Gram, trockenes geistiges Extract, von ähnlicher Beschaffenheit wie das der Rinde von A. Der in Wasser unlösliche Antheil desselben betrug 119 Gram.

Stärkmehl enthielt diese Rinde ebenfalls nicht; aber der salzsaure Auszug ließ auf Zusatz von Ammoniak wieder eine nicht unbedeutende Menge oralsauren Kalks fallen.

1000 Gram. Rinde gaben 19,810 Gram. (= 1,981 Proc.) Asche, und diese bestand aus:

|310|
In 100 Theilen:
Kali 0,419 2,115
Natron 0,240 1,212
Kalk 7,210 36,399
Magnesia 0,200 1,009
Alaunerde 0,890 4,493
Eisenoxyd 0,420 2,120
Manganoxydul 0,102 0,515
Chlor 0,022 0,112
Schwefelsäure 0,084 0,424
Phosphorsäure 1,342 6,775
Kieselsäure 4,777 24,114
Kohlensäure 4,104 20,712
–––––––––––––––––
19,810 100,000

c. Boden.

Ein schmutzig gelbbraunes, zum Theil feines Pulver, mit linsenbis erbsengroßen Steinchen und wenig organischen Theilen untermengt. Es zeigte folgende procentische Zusammensetzung:

Kieselsäure 80,10
Eisenoxyd (mit Oxydul) 6,40
Alaunerde 4,35
Kalk 0,30
Magnesia 0,57
Phosphorsäure Spur
Kali 3,93
organische Materie 4,35
––––––
100,00

C.
Fichtenstamm und Boden aus dem Reviere Seehof bei Strullendorf.

a. Holz.

1000 Gram, desselben lieferten durch Ausziehen mit Alkohol 118 Gram. Weichharz, welches an kochendes Wasser vorzüglich Bitterstoff, dann eine fast wie Guajakharz kratzend schmeckende Materie und eine leise Spur Gerbestoff abgab; die wässerige Flüssigkeit bewirkte in Eisenchloridlösung eine sehr schwache schmutziggelbe Trübung, die ich von der Gegenwart der Benzoësäure ableite, obgleich sich diese Säure dießmal weder durch Geruch noch durch Geschmack zu erkennen gab. Die Benzoësäure schien hier eben so verlarvt zu seyn, wie sie es im Guajakharz ist. |311| Das mit Wasser aufgekochte Harz blieb selbst nach längerm Verweilen in der Wärme schmierig.

Auch in diesem Holze war keine Spur Stärkmehl zu entdecken.

3000 Gram. Holz gaben 12,657 Gram. (= 0,4219 Proc.) Asche, die folgende Zusammensetzung hatte:

In 100 Theilen:
Kali 0,350 2,775
Natron 0,417 3,294
Kalk 4,542 35,606
Magnesia 0,857 6,792
Alaunerde 0,030 0,257
Eisenoxyd 0,982 7,758
Manganoxydul 0,020 0,158
Chlor 0,060 0,474
Schwefelsäure 0,168 1,337
Phosphorsäure 0,823 6,502
Kieselsäure 1,500 11,872
Kohlensäure 2,908 22,975
––––––––––––––––
12,657 100,000

b. Rinde.

1000 Gram. Rinde gaben 128 Gr. trockenes geistiges Extract, von welchem beim Kochen mit Wasser 69 Gram, ungelöst blieben. Auch dieses Extract stimmte wesentlich mit dem der Rinde von A überein, wie auch hier kein Stärkmehl, wohl aber wieder oralsaurer Kalk sich vorfand.

1000 Gram. Rinde gaben 29,18 Gram. (= 2,918 Proc.) Asche, welche bestand aus:

In 100 Theilen:
Kali 0,215 0,736
Natron 0,080 0,274
Kalk 12,152 41,715
Magnesia 0,185 0,634
Alaunerde 0,900 3,084
Eisenoxyd 0,100 6,342
Manganoxydul
Chlor 0,015 0,051
Schwefelsäure
Phosphorsäure 2,112 7,169
Kieselsäure 4,401 15,084
Kohlensäure 9,020 30,911
––––––––––––––––
29,180 100,000
|312|

c. Boden.

Derselbe war im äußern Ansehen dem Boden von A sehr ähnlich, und von folgender procentischer Zusammensetzung:

Kieselsäure 90,35
Eisenoxyd (mit Oxydul) 5,60
Alaunerde 1,35
Magnesia 0,32
Kalk 0,30
Kali 1,18
Phosphorsäure Spur
organische Substanz 0,90
–––––––
100,00

Aus den vorstehenden Untersuchungen lassen sich, wie ich glaube, einige praktische Schlüsse ziehen. Fassen wir zuerst den uns am nächsten berührenden Theil, die Versuche mit dem Holze, ins Auge, so ergibt sich daraus folgendes:

Das Holz A enthält gegen 14, das Holz B 11 und das Holz C ebenfalls 11 Proc. Harz; A ist also bedeutend reicher an Harz als B und C. Ferner ist das Harz von A bei gewöhnlicher Temperatur fest, während die von B und C weich sind. Beide Umstände scheinen mir ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Moment zur Erklärung der größern Festigkeit des Holzes A zu seyn. Das Harz besitzt im starren Zustande jedenfalls eine größere Kraft, die Fasern des Holzes zusammenzuhalten, als im weichen; und überwiegt nun noch in gleich großen Mengen Holz das Hartharz an Quantität das Weichharz, so vergrößert sich die Festigkeit des Hartharz-haltigen Holzes noch mehr.

Die relative Menge der mineralischen oder Aschen-Bestandtheile kann für die Festigkeit des Holzes nicht maaßgebend seyn, denn B enthält davon über 1/5 mehr als A, und C fast eben soviel als A, und doch ist A das festeste Holz. – Es würde eine gewagte Hypothese seyn, wenn man mineralischen Stoffen, welche sich in den Hölzern in so geringer Menge befinden, irgend eine deren Festigkeit bedingende Rolle zugestehen wollte. Eher noch hätte man Grund, bei einem Holze welches relativ reich an Mineralstoffen wäre, eine größere Sprödigkeit, wenn auch größere Härte vorauszusetzen, als bei einem an Mineralstoffen relativ armen. – Noch gewagter möchte es scheinen, den einzelnen Mineralstoffen einen verschiedenen Einfluß auf die Festigkeit des Holzes einzuräumen. In A, dem notorisch festesten und zähesten der drei Holzarten, wiegt die Kieselsäure bedeutend vor, während der Kalk darin bedeutend weniger ausmacht als in B und in C. Die Kieselsäure ist aber eher geeignet, die davon durchdrungene organische Substanz spröde zu |313| machen, wenn sie in beträchtlicher Menge auftritt. Der Kieselsäuregehalt des Holzes A beträgt indessen nicht viel mehr als 1/10 Procent. Dem Kalke kann um so weniger ein Einfluß auf die Festigkeit des Holzes zugestanden werden, da er in dem festesten Holze weniger (nämlich 1/10 Proc.) beträgt als in den andern (2/10 bis 3/10 Proc.), nicht zu gedenken, daß er in dem Holze wesentlich als organisch saures Salz enthalten ist. Die übrigen Aschenbestandtheile sind in gar zu geringer Menge vorhanden; von ihnen will ich nur noch die Alaunerde hervorheben, welche Einige nicht, Hertwig und ich aber gefunden haben.

Die Frage über die Ursache der größern Festigkeit des Holzes A, gegenüber den Hölzern B und C, dürfte hiernach vom chemischen Standpunkte aus gelöst seyn. Aber sie ist es noch nicht vom physiologischen und vom forstwirtschaftlichen, d. i. praktischen Standpunkte aus. Dem Forstmanne muß daran gelegen seyn zu wissen, wie es zugeht, daß in dem einen Holze Hartharz, in dem andern Weichharz vorkommt, um darnach seine Culturmethode einzurichten, weil das Hartharz-haltige Holz einen ungleich größern Gewinn abwirft als das Weichharz-haltige. Die Beantwortung dieses Desiderats fällt schon schwerer, ich will sie jedoch versuchen.

Bekanntlich sind die Harze im Allgemeinen als Oxydationsproducte der ätherischen Oele zu betrachten; die letztern gehen durch Aufnahme von Sauerstoff allmählich erst in eine dicke schmierige und endlich in eine feste Masse über. Ein solcher Vorgang findet auch unter unsern Augen bei dem ätherischen Oele der Fichten, dem Terpenthinöle, statt. Es verdickt sich mit der Zeit, und destillirt man es nach längerer Berührung mit der Luft, so hinterläßt es einen nicht unbedeutenden harzigen Rückstand von Colophon.

Einen ganz ähnlichen Vorgang müssen wir in den lebenden Fichtenstämmen voraussehen; je älter dieselben sind, um so weniger liefern sie beim Anschneiden Terpenthin (ein Gemisch von Harz und Oel), um so geringer ist das noch darin enthaltene Oel, denn von dem ursprünglich vorhandenen Oele hat sich der größte Theil in Harz verwandelt. Wenn nun auch ein Theil des in der Pflanze erzeugten Oels unverändert verdunstet, also verloren geht, so wirkt doch auch der dem Holze zugängliche Sauerstoff gleichzeitig oxydirend auf einen andern Theil Oel und verharzt ihn. Ist der Luftzutritt beschränkt, so wird es weit länger dauern, bis das Oel vollständig in Hartharz übergegangen ist, als bei freiem Zutritt derselben. Durch die Substanz der Rinde hindurch wird die atmosphärische Luft kaum zu dem Holze gelangen können; die Rinde bekommt aber nach und nach Spalten, welche nun das Holz gegen die |314| Einwirkung der Luft nicht mehr schützen können; je zahlreicher die Spalten, umsomehr dringt die Luft hinzu, und um so vollständiger muß der Oxydationsproceß des ätherischen Oels und seine Umwandlung in Harz erfolgen. Bei gleicher Bodenbeschaffenheit wird derjenige Baum mehr Rindenspalten bekommen, welcher dem Einflüsse des Windes am meisten ausgesetzt ist; ja der Boden scheint hier nicht einmal von Bedeutung, denn das Holz A stammt von einem solchen, der reich an Kieselsäure und ärmer an den übrigen, der Pflanze nöthigen Mineralstoffen ist, als die beiden Boden, auf denen das Holz B und C gestanden hatten.

Um mm Fichtenstämme zu erziehen, welche den an sie zu machenden Forderungen von Festigkeit möglichst entsprechen, wäre es meiner Ansicht nach das beste, ihnen eine Lage zu geben, wo die Spaltenbildung der Rinde und somit der Zutritt der Luft zu dem Holze befördert wird. Der isolirte Stand der Stämme ist, wie jeder Forstmann weiß, ein Mittel, ihr Wachsthum zu kräftigen, weil bei dichterm Stande die vorhandene Nahrung in zu viele kleine Theile zersplittert wird. Aber die Isolirung allein möchte unserm Zwecke erst dann genügend entsprechen, wenn zugleich dem Luftzuge der erforderliche Zugang zu den Stämmen gestattet wird, weil dadurch die Spaltenbildung der Rinde und die freiere Einwirkung des atmosphärischen Sauerstoffs auf das im Holze befindliche ätherische Oel befördert wird. In die Rinde künstlich gemachte Einschnitte möchten, abgesehen davon daß eine solche Behandlung der Bäume im Großen kaum ausführbar wäre, noch das gegen sich haben, daß dadurch wegen möglichen Ausfließens von Terpenthin leicht Verluste an Festigkeit gebender Materie entstehen könnten. Soweit ich nun die Standorte der betreffenden Fichtenstämme bei Bamberg kenne, finde ich, daß die zu Schiffsmasten tauglichen Stämme an dem Winde frei zugänglichen sanften Abhängen stehen, was bei den andern nicht der Fall ist.

Daß neben dem Klima, die Bodenart auf das Wachsthum dieser Bäume von Einfluß ist, leidet gar keinen Zweifel; daß sie aber die Festigkeit des Holzes bedinge, glaube ich durch die vorliegenden Thatsachen widerlegt zu sehen, denn unter den drei untersuchten Bodenarten ist die von A die an assimilirbaren Mineralstoffen ärmste, und doch bringt sie das festeste Holz hervor. Ich will hier nicht zu der Idee meine Zuflucht nehmen, der ärmste Boden disponire die Pflanze zur besten Entwickelung des rein Organischen, sondern ich halte an der natürlichen Annahme fest, daß der reichere Luftzutritt zu dem Holze die Bildung des Hartharzes aus dem ätherischen Oele begünstigt habe, daß dieser reichere Luftzutritt durch eine vermehrte Spaltenbildung |315| der Rinde ermöglicht, und daß die vermehrte Spaltenbildung eine Folge freiern Zutritts des Windes sey.

Schließlich nur noch wenige Worte über einige Bestandtheile der Rinde. Braconnot führt unter den Bestandtheilen der Fichtenrinde Spuren von Stärkmehl an, und Dumenil will darin sogar 5,925 Proc. gefunden haben. Mir ist es nicht gelungen, auch nur eine Spur von Stärkmehl darin zu entdecken. Möglich, daß die Rinde jüngerer Stämme dasselbe enthält. Was Dumenil als Hartharz zu 9 Proc. anführt, ist das oben erwähnte Phlobaphen. – Unter den Aschenbestandtheilen der Rinde erscheint die Alaunerde am bemerkenswerthesten, da sie in der Asche der Rinde A über 10, in der von B über 4 und in der von C über 3 Proc. ausmacht. Von einer Täuschung kann hier keine Rede seyn; übrigens fand schon Hertwig in der Fichtenrinde Alaunerde, wenn gleich nicht so viel; denn er führt in 100 Theilen Asche dieser Rinde nur 2,42 basisch-phosphorsaure Alaunerde auf. Daß in Vonhausen's Analyse der Asche des sammt der Rinde verbrannten Holzes keine Alaunerde vorkommt, dürfte, wie oben, in der Methode der Analyse (nach Fresenius und Will) genügend begründet seyn.

|305|

Obige Zeilen wurden schon vor einem halben Jahre geschrieben; das erwähnte Vorhaben ist inzwischen ausgeführt und die betreffende Untersuchung in meiner Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie (Bd. III S. 10) niedergelegt.

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