Titel: Ueber Photographie auf Papier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131, Nr. XCVIII. (S. 353–358)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/ar131098

XCVIII. Ueber Photographie auf Papier.

Nach dem Cosmos, Revue encyclopédique, Februar 1854, S. 148.

I. Vorschriften von Dr. Fau.

Von Dr. Fau erschien ein kleines Buch unter dem Titel: Douze leçons de Photographie, welches zwar nichts Neues enthält, worin aber die letzten Fortschritte in der Photographie berücksichtigt sind.

1. Negative Bilder auf trocknem Papier (Wachspapier). – Das beste Papier ist dasjenige der Gebrüder de Canson; |354| man muß es Blatt für Blatt auswählen, es selbst mit Wachs tränken und von dem überflüssigen Wachs wieder befreien.44)

2. Jodiren des Papiers. – Das Jodiren geschieht in folgendem Bad:

destillirtes Wasser 250 Gramme
Jodammonium 10 –
weißer Honig ein Kaffeelöffel voll.

3. Empfindlichmachen des jodirten Papiers; Exposition in der camera obscura. – Das Bad zum Empfindlichmachen wird folgendermaßen bereitet: man löst 18 Gramme salpetersaures Silber in 125 Grammen destillirtem Wasser auf; andererseits löst man 9 Gramme salpetersaures Zink in 125 Grammen destillirtem Wasser auf; man vermischt beide Auflösungen und setzt 9 Gramme krystallisirte Essigsäure zu.

4. Hervorbringen des Bildes und Fixiren desselben. – Das Bad zum Entwickeln des Bildes ist eine Auflösung von 3 Grammen Gallussäure in 1000 Grammen destillirtem Wasser. Das Fixirbad besteht aus 15 Grammen unterschwefligsaurem Natron, in 100 Grammen Wasser aufgelöst. Der Verfasser empfiehlt insbesondere, daß man das Bild nicht zu rasch zum Vorschein ein zu bringen suchen soll, denn wenn man sich beeilt, so erhält man schmutzige und undurchsichtige Bilder.

5. Negative Bilder auf feuchtem (nicht gewichstem) Papier; Jodiren und Empfindlichmachen des Papiers. – Das Bad zum Jodiren besteht aus:

destillirtem Wasser 250 Grammen
Jodammonium 10 –
weißem Honig drei Kaffeelöffel voll.

Das Bad zum Empfindlichmachen besteht aus:

destillirtem Wasser 250 Grammen
salpetersaurem Silber 18 –
salpetersaurem Zink 9 –
Essigsäure 9 –

6. Entwicklung, Fixiren und Wichsen des Bildes. – Das Bad zum Entwickeln besteht aus 1000 Grammen Wasser und 1 Gramm Gallussäure. Das Bad zum Fixiren besteht aus 100 Grammen |355| destillirtem Wasser und 10 Grammen unterschwefligsaurem Natron. Um zu wichsen, überfährt man mit einem Stück Jungfernwachs die untere Fläche eines heißen Bügeleisens und führt dasselbe mehrmals über die Rückseite des Bildes; man entwichst zuerst zwischen zwei Blättern Fließpapier, dann zwischen zwei Blättern glatten Papiers.

7. Bereitung der Schießbaumwolle und des Collodium. – Die Schießbaumwolle bereitet Hr. Fau nach dem Verfahren des Hrn. Martin 45) von Versailles. – Um das einfache Collodium zu bereiten, löst man, so gut als möglich, 2 Gramme Schießbaumwolle in 120 Grammen reinem Schwefeläther auf, und setzt 60 Gramme Alkohol von 36° Baums (0,837 spec. Gew.) zu. – Um das Collodium welches Jodammonium enthält, zu bereiten, löst man 2 Gramme Jodammonium in 20 Grammen Alkohol von 36° Baumé auf, und setzt 180 Grm. einfaches Collodium zu. (Die Bereitung des Collodium welches Jodsilber enthält, ist unten nach Hrn. Lyte angegeben.)

8. Verfahren die auf den gereinigten Glasplatten verbreitete Collodiumschicht für das Licht empfindlich zu machen. – Das Bad zum Empfindlichmachen besteht aus 10 Grammen salpetersaurem Silber und 150 Grammen destillirtem Wasser.

9. Exposition in der camera obscura, Entwicklung des Bildes, Verfahren dem Bild Kraft zu geben. – Um das Bild zum Vorschein zu bringen, läßt man ohne Unterbrechung eine Flüssigkeit darüber laufen, welche besteht aus:

destillirtem Wasser 300 Grammen
Eisenvitriol 50 –
Schwefelsäure zehn Tropfen
Alkohol von 36'' Baumé 8 Grammen.

Um dem Bild Kraft zu geben, taucht man die Glastafel in ein zweites Bad, welches man erhält, wenn man 10 Gramme salpetersaures Silber in 200 Grammen destillirtem Wasser auflöst, dann 6 Tropfen Salpetersäure und 6 Gramme Alkohol zusetzt.

10. Fixiren der Bilder, Firniß für dieselben. – Das Bad zum Fixiren besteht aus 100 Gr. Wasser und 15 Gr. unterschwefligsaurem Natron. – Der Firniß für die negativen Bilder ist ein guter Gemäldefirniß; für die positiven Bilder empfiehlt Hr. Fau den Firniß mit Judenpech.

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11. Positive Bilder auf Papier, Vorbereitung desselben. – Für die positiven Bilder zieht Hr. Fau das sächsische Papier von kleinem Format vor; um es vorzubereiten, legt man es wechselsweise auf zwei Bäder; das erste Bad besteht aus 100 Gr. destillirtem Wasser und 10 Gr. Kochsalz; das andere Bad aus 100 Gr. destillirtem Wasser und 15 Gr. salpetersaurem Silber.

Das Bad zum Fixiren besteht aus 1000 Gr. Wasser und 100 Gr. unterschwefligsaurem Natron.

Hr. Fau empfiehlt besonders die von Hrn. Charles Chevalier in Paris construirten Apparate.

II. Neue Verfahrungsarten des Hrn. Lyte.

Dieselben sind nach den englischen und amerikanischen Zeitschriften folgende:

Hr. Lyte bereitet sein Collodium mit schwedischem Filtrirpapier, welches der Baumwolle weit vorzuziehen ist, weil man sicher ist damit eine vollkommen auflösliche Substanz zu erhalten, deren Eigenschaften nichts zu wünschen übrig lassen.

Erstes Verfahren. Empfindlichmachen des Collodium. Nachdem man ein klares und ziemlich dickes Collodium bereitet hat, nimmt man:

rectificirten Alkohol 1 Unze 31 Gramme
Jodammonium 45 Gran 3 „
Bromammonium 12 Gran 0,77 „
Salmiak 1 Gran 0,065 „

In diese Mischung wird soviel frisch gefälltes Jodsilber eingetragen, als sie auflösen kann; ein schwacher Ueberschuß, welcher sich am Boden absetzen würde, verursacht keinen Nachtheil. Folgende Vorschrift ist ebenfalls, gut:

rectificirten Alkohol 1 Unze 31 Gramme
Jodammonium 50 Gran 3,24 „
Bromammonium 12 Gran 0,77 „
Chlorsilber 5 Gran 0,32 „

Man nimmt anderthalb Drachmen (2 Gramme und 66 Centigr.) von dem ersten oder zweiten dieser empfindlichmachenden Präparate, und setzt jedem 1 Unze (31 Gramme) Collodium zu. Das so bereitete Collodium ist sehr rasch in seiner Wirkung, es gibt in einigen Secunden kräftige negative Bilder, und augenblicklich positive Bilder, welche man hernach mit einer Auflösung von Goldchlorid in Salmiak verstärken kann; auch liefert es sehr angenehme Halbtöne. Wenn man eine Landschaft aufnehmen |357| will, ist es gut, das Verhältnis des Jodammoniums zu vergrößern, um dem Himmel eine vollkommene Undurchsichtigkeit zu geben; man erhält aber einen noch viel bessern Effect, wenn man obige Verhältnisse für das Collodium beibehält und auf der Rückseite der Glastafel Wolken mit Tusche malt; dieses Verfahren ist vorzuziehen, weil der Zusatz von Jodammonium die Halbtöne schwächt.

Zweites Verfahren. Entwicklung der Bilder. Man nimmt:

destillirtes Wasser 10 Unzen 300 Gramme
Pyrogallussäure 6 Gran 0,39 „
Ameisensäure 1 Unze 31 „

Letztere Säure darf nicht concentrirt seyn, sondern es ist die gewöhnlich im Handel vorkommende gemeint. Diese Mischung wirkt so kräftig, daß das mit ihr behandelte Bild augenblicklich seine volle Intensität bekommt, ohne daß die Schatten an ihrer Stärke etwas verloren haben; die Halbtöne zeichnen sich durch einen Glanz aus, welchen kein anderes Verfahren liefert.

Folgende Komposition ist ebenfalls sehr zu empfehlen:

destillirtes Wasser 10 Unzen 310 Gramme
Schwefelsäure 3 Tropfen 3 Tropfen
Eisenvitriol 1/2 Unze 15,5 Gramme
Ameisensäure 1 Unze 31 „

Die Ameisensäure ist ein sehr glückliches Ergänzungsmittel des Eisenvitriols. Ersteres Bad gibt glänzendere positive Bilder und hinterläßt eine zarte Schicht von reducirtem Silber.

Drittes Verfahren. Vorbereitung des Papiers mit Eiweiß. Die Verbesserung des Hrn. Lyte besteht darin, daß er anstatt des bisher angewandten Salmiaks Chlorbaryum (salzsauren Baryt) zusetzt; man nimmt:

destillirtes Wasser 6 Unzen 180 Gramme
Eiweiß 6 Unzen 180 „
Chlorbaryum 7 1/2 Gran 485 Milligr.

Man schlägt diese Substanzen zusammen, bis sie gänzlich in einen weißen Schaum verwandelt sind; nachdem sich der Schaum in flüssiger Form gesetzt hat, bringt man diese Flüssigkeit in eine Flasche, läßt den Niederschlag sich vollständig absetzen, und filtrirt die überstehende Flüssigkeit durch einen feinen Musselin. Man läßt das mit Eiweiß zu präparirende Papier fünf bis zehn Minuten lang mit der Oberfläche dieser Flüssigkeit in Berührung, nimmt es dann weg, hängt es mittelst einer gebogenen Stecknadel zum Trocknen auf, und überfährt es dann mit |358| einem heißen Bügeleisen. Man macht es mit salpetersaurem Silber empfindlich, wovon man 120 Gran in 1 Unze Wasser (7,77 Gramme in 31 Grammen Wasser) auflöst.

|354|

Man s. Crookes' Verfahren Lichtbilder auf Wachspapier darzustellen, im polytechn. Journal, 1853, Bd. CXXX S. 201.

|355|

Mitgetheilt im polytechn. Journal, 1852, Bd. CXXV S. 120.

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