Titel: Zur Geschichte der Ernte- (Mäh-) Maschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 10 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi02_10

Zur Geschichte der Ernte- (Mäh-) Maschine.

Der römische Schriftsteller Plinius sagt im 18ten Buch seiner Naturgeschichte §. 72 Folgendes:

„Auf den großen Landgütern Galliens hat man sehr große Wannen, die am Rande mit scharfen eisernen Zähnen versehen sind, auf 2 Rädern stehen und von verkehrt angespannten Ochsen durch das Kornfeld getrieben werden. Die Aehren, die dadurch abgerissen werden, fallen in die Wanne.“

Im Jahr 1810 wurde von dem Schotten James Smith, Aufseher einer Baumwollspinnerei und Kattunfabrik zu Donstown in der Provinz Perth, eine Mähmaschine erfunden, worüber die landwirthschaftlichen Blätter22) s. Z. Folgendes mittheilten. „Diese Maschine wird von 2 Pferden nicht gezogen, sondern wie ein Schiebkarren vorwärts geschoben. Indem sie sich fortbewegt, wird das auf ihrem Wege befindliche Getreide und zwar, gleichviel ob auf einem ebenen oder unebenen Boden, durch ein rundes Schneideisen, das an dem Rande des untern Theiles einer Trommel oder vielmehr einer umgestürzten abgehauenen Kugel befestigt ist, leicht und egal vom Halme abgeschnitten und seitwärts zusammen auf einen Schwaden gelegt. Da vorgedachtermaßen die Pferde so angespannt sind, daß die Maschine sich vor ihnen befindet und sie mit dem Kopfe nach derselben zugewendet sind, so treten sie im Fortschreiten auf bereits abgemähtes Feld und zertreten folglich kein Korn. Die landwirthschaftliche Gesellschaft zu Edinburgh hat Hrn. Smith ein Stück Silbergeschirr, 300 Rthlr. an Werth, und mit einer passenden Inschrift versehen, als einen Beweis ihrer Anerkennung seines Verdienstes überreicht und ihr Bedauern bezeugt, daß sie ihm keine, der Wichtigkeit der Erfindung angemessene Belohnung anbieten könne.“

Aus Vorstehendem ersieht man, daß die Sache der Erntemaschinen überhaupt keineswegs eine neue ist. Der Schneideapparat der in neuester Zeit bekannt gewordenen amerikanischen (Hussey'schen) Maschine insbesondere, der als neu und praktisch so sehr hervorgehoben wird, war nach Obigem schon den Galliern bekannt. Wenn von da nicht entlehnt, wäre er zum zweitenmal erfunden, was allerdings nur für ihn sprechen dürfte. Dasselbe ist der Fall mit dem Triebwerk der Maschine von Smith.

Unstreitig läßt dieses aber bei der amerikanischen, namentlich für unsere Verhältnisse, noch größere Vereinfachung wünschen. Eine Vereinigung des gallischen Schneideapparats mit dem Smith'schen Triebwerk scheint uns eine wesentliche Verbesserung erwarten zu lassen und möchten wir hiermit diese Frage der Prüfung competenter Mechaniker empfohlen haben. Zeller. (Zeitschrift der landwirthschaftlichen Vereine des Großherz. Hessen, 1854, Nr. 1.)

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cfr. Farmers Magazine, London 1816 Nr. LXV und nach diesem Schnee's landw. Zeitschrift von 1816 S. 226 und von 1817 S. 197.

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