Titel: Ueber gewobene Fenster-Rouleaux aus Pappelholz; von Demselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 6 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi02_6

Ueber gewobene Fenster-Rouleaux aus Pappelholz; von Demselben.

In New-York, Philadelphia etc. findet man der Sommerhitze wegen sehr viel Venetian Blinds, die in der Regel sehr schön gefertigt sind, und – da sie ihrem Zwecke: einen angenehmen Luftzug hervorzubringen, am geeignetsten und in beliebigen Modificationen entsprechen, trotz ihres theuren Preises (gewöhnlich werden sie mit 5–10 Dollars bezahlt) sehr beliebt sind und in bessern wie mittleren Häusern |155| selten fehlen. Neben diesen hat man eine ebenfalls viel verbreitete billige Sorte, die auch vielleicht bei uns Eingang fände und dann einem Unternehmer ein hübsches Geschäft verspräche, da sich dieser Artikel, der in Europa, so viel mir bekannt, nirgends gefertigt wird, zum weiteren Verkauf sehr gut eignet, da mit großer Leichtigkeit jede beliebige Abänderung in der Breite und Länge dabei vorgenommen werden kann. Diese Fenster-Rouleaux bestehen aus – durch Baumwollfäden aneinander gewobenen – Stäbchen von Pappelholz.

Von Pappelbrettern werden auf einer einfachen, leicht zu beschaffenden Hobelmaschine Stäbchen abgeschnitten, die in der Breite 2,5''' – 3''' und in der Dicke 0,5''' messen; die Länge ist etwas größer als die erforderliche Breite der Rouleaux, um solche nach dem Weben gleichschneiden zu können. Auf einem gewöhnlichen festen Webestuhl (Kettenbaum unten, mit Streifbäumchen) werden nun diese Streifchen zu Rouleaux verwoben. Die Kette wird meistens sehr lang gemacht, da ein geübter Weber täglich 60–70. Ellen fertigen kann, oft 15–1800 Ellen lang, sie besteht aus dreidrähtigem baumwollenen Garn, manchmal aus double (etwa Nr. 10 wenn double), doch ist ersteres vorzuziehen; es befinden sich in einem groben Riet 4–6 Kettfäden beisammen (oder auch auf zwei Riete vertheilt), die von der nächsten Fadengruppe 30–50'' entfernt sind, vorzugsweise wird die Kette grün gefärbt, an den Kanten etwas mehr, mitunter werden auch rothe Fäden genommen. – Die Lade legt sich bei der Rückwärtsbewegung an feste Punkte an und kommt dadurch ihre Bahn mit einer gleichen, neben dem Stuhle befindlichen, in eine Linie; auf letzterer befindet sich ein langer Schütze mit eisernen Rollen, welcher mit einem über ihm befindlichen Rädchen durch einen Riemen verbunden ist und der am hinteren Ende an einer Schnur über eine Rolle ein Gegengewicht hat, um willig in seinen Ruhepunkt zurückzukehren. Am vorderen Ende hat dieser Schütze eine kleine federnde Zange, deren Lippen an der Mündung abstehen und erst etwas hinter derselben schließen. Das Rädchen ist mit einem Tritt verbunden. Man arbeitet mit beiden Füßen, mit dem rechten wird die Kette geöffnet und gleich darauf mit dem linken der Tritt abwärts gedrückt, welcher durch das Rädchen mit dem Schützen in Verbindung ist, wodurch dieser sich rasch durch das geöffnete Fach bewegt.

Der Weber hält mit der einen Hand die Lade, mit der linken faßt er eines der neben seinem Stuhl aufgehängten Stäbchen und steckt dasselbe in das Zängchen des Schützen, läßt nun den Tritt los und der Schütze kehrt, das Stäbchen nach sich ziehend, auf seinen Standpunkt zurück; die Stäbchen werden naß eingeschlagen und ihre Oberfläche stets gewechselt, da immer eine Seite glatt, die andere Seite gegen den Strich läuft, wodurch erreicht wird, daß die Kettenfäden sich nicht verschieben. Wenn eine zu einem Rouleau bestimmte Länge gewoben ist, so wird die Kette 5–6'' hereingezogen, um Abends die einzelnen Rouleaux abschneiden, die Enden der Fäden zusammenknüpfen und erstere zum Trocknen aufhängen zu können. Die Rouleaux werden nun gleich geschnitten, unten und oben mit einem Stab versehen, von denen der obere die Schnurröllchen trägt, und die Schnürung zum Aufziehen der Rouleaux angemacht. Diese Rouleaux ziehen sich regelmäßig auf, sind wohlfeil, gestatten einen angenehmen Luftzug, auch einige Durchsicht, da die Stäbchen nie ganz dicht angeschlagen werden können. Entweder verkauft man sie roh oder bedruckt sie mit hübschen Dessins mittelst Schablonen, oder werden auch die Stäbchen schon vor dem Weben gefärbt (meist grün).

Ein Württemberger, aus der Gegend von Reutlingen gebürtig, weder Weber noch Künstler (er hatte ein anderes Handwerk erlernt), beschäftigt in Philadelphia zwei Stühle fortwährend mit diesem Artikel, hat mehrere Arbeiter zum Bedrucken, zwei an der Hobelmaschine und macht ein recht gutes Geschäft. (Württembergisches (Gewerbeblatt, 1854, Nr. 3.)

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