Titel: Ein leicht bedruckter Kleiderstoff auf der Londoner Ausstellung; von Demselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 7 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi02_7

Ein leicht bedruckter Kleiderstoff auf der Londoner Ausstellung; von Demselben.

Im Krystallpalast fand ein eleganter Kleiderstoff in der Abtheilung „Bradford“ unter den Kennern ungemeinen Beifall, und Manchen reizte wohl die Wißbegierde, |156| seine Herstellungsweise zu kennen. Der Stoff gehörte unter die „Unis“ und war vorwiegend aus Mohair, Alpaca oder Seide, meist Jacquard-Dessins, wiewohl auch glatt. In diese oder vielmehr auf diese Dessins (z.B. wellenförmiges Gebilde – nachgeahmtes Moirée) war ein zweites (z.B. Bouquets) nur wie ein Hauch hingestreut, indem einzelne schwarze oder braune Punkte diese bildeten. Das Ganze machte einen herrlichen Effect.

Glücklicherweise hatte ich einige Tage vor meinem Besuche der Metropole Gelegenheit gehabt, die Fabrication dieses Stoffes zu sehen.

Die Kette besteht aus zwei Theilen, von denen der eine mit dem gewünschten Bouquet bedruckt ist und in den andern – Grundkette – eingelassen wird. Zu dieser bedruckten Kette wird natürlicherweise am liebsten Baumwolle genommen, welche dann, um einen reinen und feinen Druck herstellen zu können, vorher eng gestellt (so daß diese Kette etwa 1/3 ihrer späteren Breite einnimmt) und leicht verwoben wird, wozu man ganz feines Einschlaggarn nimmt und nur etwa 3–4 Schuß auf 2'' machen läßt (natürlich auf einem mechanischen Webestuhl dort), so daß eben nur die Kettenfäden sorgfältig aneinandergereiht und gehalten erscheinen und so leicht selbst mit feinen, zarten Mustern bedruckt werden können. Ist dieß geschehen, so werden sie mit der Grundkette zusammen aufgebäumt, wobei die feinen Einschlagfäden der bedruckten Kette unter leichter Nachhülfe beseitigt werden.

Bei einfachem Gewebe nun wird je der zweite Schuß die bedruckte Kette nach oben bringen und so das aufgedruckte Dessin nur in Punkten wie einen Schleier oder Hauch erscheinen lassen. Daß die Anordnung des Ganzen und die richtige Vertheilung einen geübten Fabrikanten oder Meister erfordert, ist klar, aber auch das ganze Etablissement, in welchem ich diese Fabrication sah, zeigte, daß es einen solchen habe, und wohl darf ich den Namen desselben beifügen, da er mit Stolz von der Bewohnerschaft Bradfords genannt wird und ein geborner Württemberger ist.

Hr. A. Tremel, gebürtig aus Künzelsau, besitzt eines der bedeutendsten und schönsten Etablissements Bradfords und stellte auf der „Exhibition“ eine prachtvolle Sammlung aus von Plain alpaca lustres and chameleons, figured Orleans, figured Circassians, Madonnas etc. etc., wofür ihm die Preis-Madaille ertheilt wurde. Dieses Etablissement, auf einer kleinen Anhöhe vor der Stadt gelegen, hat eine durch eine colossale Dampfmaschine betriebene Spinnerei und Weberei; sämmtliche Webestühle, selbst mit zwei und drei Jacquard-Maschinen auf einem Stuhl, sind mechanisch eingerichtet, und werden darauf ebensowohl seidene als wollene oder baumwollene Ketten verarbeitet.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: