Titel: Ueber das Erdnußöl und seine technischen Anwendungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 8 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi02_8

Ueber das Erdnußöl und seine technischen Anwendungen.

Das Erdnußöl wird aus den Früchten der Arachis hypogaca L., einer Leguminose, gewonnen. Diese kleine, meist niederliegende Pflanze findet sich wildwachsend in Südamerika, auf den Küsten des südlichen Afrika's und Asiens; sie wird seit Ende des vorigen Jahrhunderts im südlichen Theile von Nordamerika und besonders in Italien, Spanien und dem südlichen Frankreich cultivirt. Brioli, Professor der Botanik zu Novara, scheint sich zuerst für eine größere Verbreitung dieser Pflanze interessirt zu haben; er schrieb 1810 eine besondere Abhandlung über die Vortheile, welche die Cultur dieses Gewächses darbietet. Zu derselben Zeit suchten einige Landwirthe in der Gegend von Lyon den Anbau derselben zu heben. Später findet man sie auch in Spanien sehr viel angebaut.

Die Pflanze ist klein, und hat den Charakter der bohnenartigen Gewächse, sich nur an fremden Gegenständen zu erheben. Sobald die Fruchtbildung beginnt, zeigt der blüthentragende Stengel eine besondere Neigung, sich in den Boden zu verkriechen. Blüthen, welche nach dem Abblühen nicht unter Erde gelangen, bleiben entweder unfruchtbar, oder die Frucht gelangt nicht zur Reife. Im Culturbetrieb besteht demnach die Hauptpflege der Pflanze darin, dafür zu sorgen, daß alle abgeblühten Stengel mit Erde bedeckt werden. Auf diese Weise bilden sich hohe Erdhaufen über der Pflanze, die dann zur geeigneten Zeit umgearbeitet werden, um die reifen Hülsen zu sammeln. Eine einzige Pflanze soll, auf diese Weise behandelt, |157| eine sehr reichliche Ausbeute liefern, während im wilden Zustand die Pflanze nur 5 bis 6 Hülsen producirt.

Die Hülsen sind ein bis anderthalb Zoll lang, ein- bis dreisamig (meist zweisamig), haben eine schmutziggelbe, lederartige, höckerige, mit Längserhöhungen versehene Schale. Die Form derselben wird durch die Zahl der Früchte bedingt. Die Frucht ist länglichrund, außen mit einer sehr dünnen, feinaderigen, runzeligen, braunen Haut umgeben; im Innern sind sie weiß, ähnlich unsern weißen Bohnen, an die auch der Geschmack, wenn man von dem durch den großen Oelgehalt dieser Frucht bedingten Beigeschmack absieht, sehr stark erinnert. Geröstet steht sie der gerösteten Mandel im Wohlgeschmack sehr nahe, die sie denn auch, besonders in den südlichen Theilen von Nordamerika, als sehr beliebtes Surrogat ersetzt. In Spanien mischt man das Mehl der gerösteten Frucht der Cacao zu, oder gebraucht dasselbe häufig direct als Ersatzmittel. Der Oelgehalt beträgt nach Dubuc gegen 50 Procent.

Das Oel der gerösteten Frucht ist wenig gefärbt, von angenehmem Geschmack, und kann deßhalb in den meisten Fällen das Olivenöl ersetzen, doch soll es leichter ranzig werden. Es brennt mit heller Flamme, bildet mit Alkalien eine vortreffliche Seife, mischt sich sehr gut mit ätherischen Oelen, und bei + 2 2/5° R. scheidet sich aus ihm ein festes stearinartiges Fett ab; bei – 2 2/5 bis 3° R. wird es weich, und bei – 5 3/5° R. erstarrt es vollständig.

Alexandre und Cadet lenkten besonders in Frankreich (1815) die Aufmerksamkeit auf die vorzüglichen Eigenschaften dieses Oels in der Seifenfabrication. Es liefert eine feste, weiße, geruchlose Seife. Seit einigen Jahren hat es zu diesem Zweck als besonders geschätztes Material auch eine allgemeinere Verbreitung und Anwendung in Deutschland gefunden. Es kommt in den deutschen Handel über England aus Ostindien in besonders guter Qualität, zuweilen jedoch in geringeren Sorten aus Afrika.

Hr. Dr. Gößmann beschreibt in den Annalen der Chemie und Pharmacie, 1854 Heft 1, unter dem Namen „Arachinsäure“ eine neue fette Säure, die den einen Bestandtheil des Erdnußöls ausmacht. Vorstehendes bildet die Einleitung seiner Abhandlung.

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