Titel: Methode zur Reinigung der fetten Oele, insbesondere des Olivenöls für Uhrmacher; von F. Carl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 9 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi02_9

Methode zur Reinigung der fetten Oele, insbesondere des Olivenöls für Uhrmacher; von F. Carl.

Die Uhrmacher bedienen sich bekanntlich des wasserhellen Provencer Oels, welches sie ziemlich theuer bezahlen müssen. Es kann sich jeder Uhrmacher ein solches selbst darstellen, wenn er käufliches Olivenöl mit gleichen Theilen sehr starken Weingeistes (32 bis 35° Baumé) mengt und 14 bis 15 Tage bei gewöhnlicher Temperatur stehen läßt, in welcher Zeit die Mischung öfters geschüttelt werden muß. Schon nach einigen Tagen verliert sich die gelbe Farbe des Oels, bleicht immer mehr und mehr, bis es nach der angegebenen Zeit wasserhell geworden ist. Man trennt mittelst eines Trichters oder durch Abziehen die untere (Oel) von der obern Schichte (Weingeist), bewahrt das Oel in gut verschlossenen Flaschen auf und ebenso den Weingeist, welcher zu ähnlichen Experimenten wieder verwendet werden kann. Noch schneller geht dieses Bleichen vor sich, wenn die Mischung dem Sonnenlichte ausgesetzt wird.

Außer der wasserhellen Farbe bietet dieses Verfahren noch den Vortheil, daß das im Olivenöle befindliche Stearin (Margarin?) größtentheils daraus entfernt und eine weit geringere Temperatur erfordert wird, dieses Oel zum Gestehen zu bringen, während solches schon bei einer Temperatur von 4,8° R. beim gewöhnlichen Provencer Oel der Fall ist, wobei es durchschnittlich 28 Proc. Stearin absetzt.

Nach diesem Verfahren lassen sich auch andere Oele mehr oder weniger bleichen; so wurden Versuche mit Mandel-, Mohn- und Ricinus-Oel angestellt, welche sämmtlich vollständig entfärbt wurden. Für andere Techniker dürfte es nicht minder von Wichtigkeit seyn, daß Leinöl, selbst das dunkelste und trübste sich gleichfalls so weit entfärben läßt, daß es eine nur noch schwach weingelbe, dabei helle und glänzende Farbe besitzt.

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Dadurch, daß der Weingeist nicht verloren geht, sondern entweder zu demselben Zwecke wieder verwendet oder durch Destillation der Art gereinigt wird, daß derselbe zu jeglichen anderen Zwecken wieder verwendbar ist, wird diese Verfahrungsweise sehr billig und ist gewiß einfacher als jede andere Methode, wie z.B. Schütteln der Oele mit Bleiessig, Behandlung des geklärten Oels mit verdünnter Schwefelsäure, Entfernung aller Säure durch Auswaschen mit siedendem Wasser und Stehenlassen über geschmolzenem Chlorcalcium etc. (Würzburger gemeinnützige Wochenschrift 1854, Nr. 3.)

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