Titel: Ueber die Darstellung eines vollkommen reinen Steinöls.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 10 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi03_10

Ueber die Darstellung eines vollkommen reinen Steinöls.

Da die Angaben der Chemiker über die Eigenschaften des reinen Steinöls ungemein von einander abweichen und dieß höchst wahrscheinlich daher rührt, daß zur Zeit noch kein sicher zum Ziele führendes Verfahren ausfindig gemacht worden, dieses Naturprodukt von allen seinen zufälligen Beimischungen vollkommen zu befreien, so ließ ich mir angelegen seyn, diesen Gegenstand experimentell zu verfolgen und habe dabei das Vergnügen gehabt, ein Verfahren ausfindig zu machen, das rohe Steinöl in einen solch gereinigten Zustand überzuführen, wie man es vielleicht bisher noch nicht gesehen. Ein ganz eigenthümlicher, keineswegs unangenehmer Geruch und das Vermögen, den allerkräftigsten chemischen Agentien zu widerstehen, charakterisiren dieses vollkommen gereinigte Steinöl im hohen Grade.

Die vorzüglichste Untersuchung, die wir über Steinöl besitzen, verdanken wir Saussure, sie ist auch in die meisten Lehrbücher übergegangen. Nach ihm haben einige andere Chemiker versucht, das Steinöl in verschiedene Bestandtheile zu zerlegen, unter anderen Unverdorben, Sell und Blanchet. Das natürliche Steinöl von Amiano im Herzogthum Parma ist in dem unreinen Zustande, wie es direct aus dem Erdboden hervorquillt, durchsichtig, gelb und stark irisirend, sehr flüssig und zeigt ein spec. Gewicht von 0,836. Durch Destillation läßt sich dasselbe zwar einigermaßen von fremdartigen Beimischungen befreien, und selbst das specifische |239| Gewicht um ein Bedeutendes herabstimmen, indeß gelingt es auf diesem Wege allein nicht es im vollkommen reinsten Zustande hervorgehen zu sehen. Schon früher ist vorgeschlagen worden, das rohe Steinöl durch bloßes anhaltendes Schütteln mit concentrirter Schwefelsäure zu reinigen28), indeß haben neuere Untersuchungen gelehrt, daß auch auf diesem Wege dem rohen Steinöle nicht alle fremdartigen Beimischungen entzogen werden, ja ich bin zu der Ueberzeugung gelangt, daß wenn man die Behandlung des Steinöls mit concentrirter Schwefelsäure auch wochenlang ununterbrochen fortsetzen wollte, man doch niemals ein Oel gewinnen würde, welches nicht noch, wenigstens theilweise, von concentrirter Salpetersäure verharzt würde.

Meinen Beobachtungen zufolge enthält das rohe Steinöl viele harzige Stoffe aufgelöst, die sowohl bei reflectirtem, wie durchgelassenem Lichte das so charakteristische Irisiren des rohen Oels zu bedingen scheinen und die durch bloße Behandlung des Oels mit concentrirter Schwefelsäure wohl theilweise, aber niemals ganz vollständig verkohlt werden können. Da ich nun gefunden, daß ein vollkommen reines Steinöl weder von concentrirter Schwefelsäure, noch auch von concentrirtester Salpetersäure, auch nicht von der stärksten Aezkalilauge, selbst in der Siedhitze, im mindesten angegriffen oder verändert wird, so ist leicht zu erachten, daß auch durch eine abwechselnde Behandlung des rohen Steinöls mit den genannten drei Stoffen, dasselbe vollkommen müsse von seinen harzigen und öligen Beimischungen befreit werden können. Alle ätherischen Oele ohne Ausnahme werden bekanntlich von der concentrirtesten Salpetersäure, die ein spec. Gewicht von 1,52 hat, gänzlich zersetzt und viele von ihnen theils in harzartige, stark nach Moschus riechende Stoffe, andere in stickstoffhaltige heftig detonirende Säuren u.s.w. verwandelt. Die concentrirte Schwefelsäure verkohlt sehr viele ätherische Oele und Harze, und das Aetzkali endlich erzeugt mit den meisten dieser Stoffe theils harzartige Verbindungen, theils eigenthümliche organische Salze, die indeß zur Zeit noch wenig untersucht sind.

Das Verfahren nun, dessen ich mich bediene, um das Steinöl in vollkommenster Reinheit zu erhalten, besteht in folgendem: Zuerst verletzt man das rohe, in einer dickwandigen Glasflasche befindliche Oel mit etwa dem 12ten Theile (dem Raume nach) concentrirtester Salpetersäure, wobei man Sorge trägt, die Flasche von außen durch fortwährendes Aufschütten von kaltem Wasser möglichst kühl zu halten; die Säure verharzt augenblicklich den größten Theil der in dem Oele befindlichen fremdartigen Beimischungen, sie färbt sich schwarzbraun, verdickt sich, während das darüber befindliche Oel durch Aufnahme von salpetriger Säure ein gelbröthliches Ansehen erhält. Man überschüttet jetzt den Inhalt der Flasche mit einer großen Menge kalten Wassers, hebt mittelst einer Pipette das obenauf schwimmende Oel ab, behandelt es noch ein- oder zweimal auf gleiche Weise, und schüttelt es dann erst zwei- oder dreimal abwechselnd mit concentrirter Schwefelsäure, und zuletzt mit einer sehr concentrirten Aetzkalilauge, mit welcher man es überdieß noch einige Tage lang in Berührung läßt, und rectificirt dann das nun völlig von fremden Beimischungen befreite Oel in einer Glasretorte mit angelegter Kühlröhre. D. (Böttger's polytechn. Notizblatt, 1853, Nr. 20.)

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Man vergleiche Böttger's Beiträge zur Physik und Chemie, Heft 1 S. 109.

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