Titel: Die optischen Gläser auf der Londoner Industrie-Ausstellung; von Prof. Dr. Gustav Schueler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 6 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi03_6

Die optischen Gläser auf der Londoner Industrie-Ausstellung; von Prof. Dr. Gustav Schueler.

Die Fabrication guter optischer Gläser, besonders in größeren Dimensionen, ist so schwierig, daß selbst durch die unermüdlichsten und ausdauerndsten Arbeiten der mit allen wissenschaftlichen Vorkenntnissen ausgerüsteten Männer, wie Dollond, Fraunhofer, Utzschneider, Guinand, Daguet, Bontemps, Chance und Maës, es denselben doch noch nicht gelungen ist, sie immer in der Weise herzustellen, wie sie der Optiker und der Astronom bedarf. Die Fortschritte in diesem Zweige der Glasfabrication, welche die neuere Zeit aufzuweisen hat, sind indessen sehr groß, und haben sich besonders Bontemps und Maës durch Anfertigung großer Gläser verdient gemacht. Die Schwierigkeit liegt bei deren Darstellung besonders darin, dieselben in allen ihren Theilen von gleicher Dichtigkeit, ohne Blasen und Streifen und von möglichster Farblosigkeit zu erhalten. Durch häufige Veränderung der Glassätze und aufmerksamste Behandlung während ihrer Schmelzung und Abkühlung ist es in neuester Zeit Daguet in Solothurn, Bontemps, Associé der Gebrüder Chance zu Birmingham, und Maës zu Clichy bei Paris gelungen, sehr große Gläser darzustellen, die nach dem Urtheile berühmter Astronomen, Physiker und Optiker, wir nennen einen Herschel, Brewster, A. Roß, einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht haben.

Die Herstellung solcher Scheiben in Kronglas ist noch weit schwieriger, als in Flintglas, weil es härter und schwerer zu schmelzen ist. Wird der Glassatz zu leichtschmelzend gemacht, so wird das Glas oft hygroskopisch und dadurch ungeeignet zu Fernröhren; setzt man ihn zu hartschmelzend, dann krystallisirt das Glas leicht und entglaset bei der Abkühlung. Diesem letzteren Fehler ist das Flintglas weniger unterworfen.

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Beide Glassorten, das bleihaltige Flint- und das bleifreie Kronglas, sind aber zu achromatischen Instrumenten durchaus nöthig; bei dem ersteren ist die Farbenzerstreuung im Verhältniß zur Lichtbrechung viel stärker. Man schleift deßhalb ein Linsenglas aus Kronglas und setzt es mit einem planconcaven Flintglase, oder zwei Linsen ersteren Glases mit einer biconcaven Flintglaslinse zusammen, um ein Objectivglas für ein Fernrohr oder Mikroskop zu bilden.

Das specifische Gewicht des Flintglases von Daguet ist nahe = 4,0, des Kronglases zwischen 3,5 und 3,6 gefunden worden, während das specifische Gewicht des Flintglases von Gebr. Chance = 3,56 bis 3,58 war.

Daguet hat Scheiben in Flintglas von 27 bis 38 Centimeter Durchmesser, in Kronglas von 10 bis 16 Centimeter; Bontemps eine solche in Flintglas von sogar 29 bis 29 1/2 Zoll und 200 Pfd. wiegend, und eine in Kronglas von 20 Zoll Durchmesser geliefert.

Optische Gläser in kleinen Dimensionen fabricirt in ausgezeichneter Qualität immer noch die berühmte Fraunhofer'sche Fabrik in München, die sie aber nur zu ihren eigenen optischen Instrumenten verwendet und nicht in den Handel bringt.

Bontemps hat sich früher erboten, Linsen von 22 Zoll Durchmesser in Flintglas zu 550 Fr., in Kronglas zu 400 Fr. zu liefern, die früher selbst mit 40,000 Fr. bezahlt wurden.

Das von Gebr. Chance ausgestellte dünne Glas ist so dünn, wie feines Papier, und dient zur Bedeckung der Gegenstände bei mikroskopischen Untersuchungen.

Unter Beihülfe des Franzosen Tabouret haben die Gebr. Chance seit etwa drei Jahren die Anfertigung von Leuchtapparaten zu Leuchtthürmen aus Glasplatten, Prismen und Linsen unternommen und einen solchen Apparat ausgestellt. Die Färbung des Glases ist etwas dunkel, was aus dem Bestreben, das Glas möglichst wenig hygroskopisch darzustellen, hervorgegangen ist; sie bezweifeln nicht, ein weißeres Glas gleicher Güte zu diesem Zwecke darstellen zu können.

Oben ist die Rede von den Maës'schen zinkhaltigen Kröngläsern gewesen, welche nach dem Zeugniß des Optikers A. Roß zu London als die besten gerühmt worden. Eine vorläufige Untersuchung dieses Glases ergab:

Kieselerde 56,613
Zinkoxyd 13,495
Bleioxyd 4,108
Eisenoxyd, Spuren von Manganoxyd und etwas
Thonerde

0,400
Kalk 0,700
Arsenik Spur
Alkalien, Borsäure und Verlust 24,684
–––––––
100,000

Magnesia konnte nicht gefunden werden. – (Amtlicher Bericht über die Londoner Industrie-Ausstellung, Berlin 1853, Bd. III S. 355.)

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