Titel: Ueber die Fertigung der auf vergoldetem Glase radirten Bilder; von Bernhardi in Königsberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 8 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi03_8

Ueber die Fertigung der auf vergoldetem Glase radirten Bilder; von Bernhardi in Königsberg.

Die in der hiesigen polytechnischen Gesellschaft praktisch gezeigte Glasvergoldung behufs der Fertigung von Porträts und Verzierungen, wird ohne irgend ein Klebmittel, welches bleibend zwischen Glas und Gold das eine wie das andere verbindet, nur durch Bestreichung des Glases mit reiner Zunge, nachdem der Mund mit Wasser und einigen Tropfen Spiritus ausgespült worden, derart bewirkt, daß schon nach einigen Minuten die Feuchtigkeit vom Glase durch die Poren des Goldschaumes verdunstet und dann Gold und Glas ganz unmittelbar auf einander geheftet bleiben. Um nun dem Golde Festigkeit und Glanz zu verschaffen, deren es zum Radiren der Porträts, Kreise u.s.w. bedarf, muß es sich dem Glase noch fester anschließen, als nach der ersten Operation. Dieß wird dadurch erreicht, daß man, nachdem das Gold mit Seidenpapier und darüber mit anderem Papier bedeckt worden, mit einem Polirinstrument (einem Thierzahn oder Achat) anhaltend und so lange allenthalben, wo das Gold darunter liegt, mit mäßigem Drucke darüber streicht, bis jede matte Stelle daraus verschwunden und das Ganze als eine compacte glänzende Goldfläche auf der Rückseite des Glases erscheint.

Dieser Goldgrund bietet nun ein schönes Feld zu mannichfachen künstlerischen Arbeiten dar. Mit einem nicht gar zu spitzen Stahlstift oder einer Nadel können Porträts und jede sonst beliebige Zeichnung darauf einradirt werden.

Nachdem das Profil des zu zeichnenden Gegenstandes auf dem Goldgrunde gezogen ist, wird alles übrige, die Zeichnung nach außen zu umgebende Gold mittelst eines fein zugespitzten Hölzchens, das man mit dem Munde anfeuchtet, so weit fortgeschafft, daß nur noch so viel davon stehen bleibt, als man zu den Goldrändern, Kreisen u.s.w. nöthig haben könnte. Dadurch tritt nun der zur Radirung darzustellende Gegenstand in seinem Profil rein in Gold hervor, umgeben von der klaren Glasfläche, welche sorgfältig von jedem zurückgebliebenen Goldrest gereinigt werden muß.

Die Schönheit und Vollkommenheit dieser Goldradirarbeiten hängt natürlich, wie jede andere künstlerische Leistung, von der Befähigung und dem Fleiße des Darstellers ab, doch ist sie auch schon durch die Schönheit der Methode selbst viel lohnender, als manche andere mit gleichem Fleiße und Fähigkeit ausgeführte Zeichnung. Wenn nun alles Nöthige gethan, die Figur fertig, die umgebende Glasfläche vom Golde gereinigt ist und zu der umkreisenden Goldverzierung geschritten werden soll, dann bereitet man zuerst den Lack, womit nachher die fertige Arbeit, auf der Seite, wo das Gold liegt, gänzlich überzogen wird.

Zu diesem Lack werden in der Regel 3 Theile (etwa 3 Loth) klarer venetianischer Terpenthin und 1 Theil Gummi-Mastix in Körnern genommen, welche in einem glasirten Topfe, der aber nur zur Hälfte voll davon werden darf, auf glühenden Kohlen zusammengeschmolzen und mit einem kleinen Span von Lindenholz öfter umgerührt werden, bis der Schaum, der anfangs vom Sieden entsteht, schwindet und die obere Fläche klar erscheint, dann wird so viel Kienruß (etwa 2 Theelöffel |238| voll) hineingerührt, als zum Schwärzen der Masse nöthig ist. Wenn dieser Lack vollständig abgekühlt ist. dann bildet er eine harte, sehr glänzende Masse.

Mit einem erwärmten, erbsengroßen Körnchen dieses Lacks wird ein dünnes, aber festes Spänchen in der Mitte der Figur auf der Goldseite angeklebt; auf diesem Spänchen, im Centrum des ganzen Glases steht eine Spitze des Cirkels, während die andere Spitze das nach außen zur Verzierung stehen gebliebene Gold umkreiset und so die Goldumrandung einradirt. Das übrige Gold, das nicht zum Rande gehört, wird sorgfältig mit dem angespitzten Hölzchen fortgeschafft und nach erfolgter Reinigung aller Stellen, die nicht mehr mit Gold belegt sind, wird der bereits gefertigte Lack auf Kohlen siedend heiß gemacht, sodann das Glas durch Halten über die Kohlen nach und nach sehr stark erwärmt und die ganze Seite desselben, wo das Gold liegt, mit dem heißen Lack, mittelst eines Haarpinsels, bestrichen und darüber ein Papier gelegt, welches der warme Lack festhält.

Dieß nun fertige Bild ist keiner anderen Beschädigung ausgesetzt, als durch Zerbrechen des Glases, worauf es radirt ist, denn gegen andere Einflüsse ist es von außen durch das Glas und von innen durch den Lack geschützt. (Gewerbevereinsblatt d. Prov. Preußen, 1853, S. 133.)

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