Titel: Das Gaspuddel- und Walzwerk zu Brezowa in Ungarn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 1 (S. 315–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi04_1

Das Gaspuddel- und Walzwerk zu Brezowa in Ungarn.

Oesterreich verbraucht mehr Eisen als es erzeugt, und hat daher neuerlich große Anstrengungen gemacht, um dieses Mißverhältnis zu heben. Es hat in vielen Provinzen noch sehr bedeutende Waldungen, die nur durch den Hüttenbetrieb verwerthet werden können, und erzeugt mehr als jedes andere deutsche Land, von sehr guten Eisensorten. Das hauptsächlichste Brennmaterial zum Puddelbetriebe, gute Steinkohlen, hat es nur hin und wieder, und gerade nicht häufig an denjenigen Punkten wo sie zum Hüttenbetriebe bequem liegen. Man hat daher in Oesterreich mehr als anderwärts den Gaspuddelbetrieb zu heben gesucht, und damit auf mehreren Hütten, namentlich zu Lippitzbach in Kärnthen, dem Grafen Ferd. v. Egger gehörig, außerordentlich gute Resultate erlangt. Ein wahres Musterwerk dieser Art hat aber die k. k. Regierung zu Brezowa unweit Rohnitz an der Gran, im Schemnitzer Directionsbezirk Ungarns, im Jahre 1853 erbaut und im November desselben Jahres in Betrieb gesetzt. Die von Hrn. v. Hingenau redigirte österreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen,“ 1853, Nr. 1, und 1854, Nr. 6. enthält von diesem Werk eine Beschreibung, der wir nachstehende Notizen entnehmen.

Dieses Werk ist auf eine jährliche Production von etwa 85,000 Ctr. Stabeisen, Schienen, Spurkranzeisen, Kessel- und andern Blechen berechnet. Es liegt am rechten Ufer der Gran, welche das erforderliche Aufschlagewasser liefert, und besteht aus einem großen hufeisenförmigen Gebäude, welches durch das, von der Rückseite bis etwa in die Mitte hineinreichende Gefluder in zwei gleiche Flügel abgetheilt wird. |316| Auf jedem Flügel werden in einem hiezu bestimmten Anbaue 9 Gasflammöfen mit Holzfeuerung – wie zu Lippitzbach – (Puddel-, Schweiß- und Glühöfen), im Ganzen also 18 Flammöfen errichtet, während die Walzwerke und andere Maschinen im Raume der beiden Flügelgebäude selbst aufgestellt werden. In der Mitte zwischen beiden Flügeln ist das Gebläse aufgestellt.

Sämmtliche 18 Flammöfen werden mit gedarrtem Holz (größtentheils Tannen und Fichten) gefeuert, und die Ueberhitze wird zur Erhitzung der Gebläseluft verwendet. Für je 9 Flammöfen, d.h. für jeden Flügel ist nur eine gemeinschaftliche Esse bestimmt. Hinter dem Walzwerksgebäude stehen die Holzdarröfen und zwar in Verbindung mit einem Gebäude, wo das Holz zersägt und gespalten wird. – Der Holzrechen, oberhalb der Hütte, steht mit denselben durch eine Pferdeeisenbahn in Verbindung, die mit mehreren Flügelbahnen versehen ist.

Hinter den Flammöfen eines jeden Flügels zieht sich ein gemeinschaftlicher Rauchcanal, welcher den Rauch aus jedem Ofen mittelst eines kleinen Seitencanals aufnimmt und ihn einer 80 Fuß hohen und 4 Fuß weiten Esse zuführt. – In jedem gemeinschaftlichen Rauchcanal ist ein doppelter Winderhitzungsapparat, bestehend aus hufeisenförmigen, senkrecht stehenden Röhren, eingebaut, von denen stets einer im Betriebe ist, während der andere reparirt werden kann. – Die erhitzte Gebläseluft wird aber nicht allein zum Betriebe der Gasflammöfen, sondern auch zum Darren des Holzes in eigenen Darröfen verwendet und daher beiden in entsprechenden Röhrenleitungen zugeführt. Es können auf diese Weise in einer Minute 4500 Kubikfuß Luft auf 200° C. erhitzt werden.

Die Darröfen, 16 an der Zahl, sind hinter der Walzwerkshütte in einer Reihe aufgestellt. Jeder Darrofen ist 21 F. lang, 7 F. hoch und 7 F. breit, an beiden Längenenden offen und mit eisernen, lehmbeschlagenen Flügelthüren versehen, welche nach vollendeter Beschickung des Ofens geschlossen und überdieß mit Lehm verschmiert werden. Die Sohle der Oefen liegt 24 bis 27 Zoll über dem Niveau der vorbeilaufenden Eisenbahn.

Die Ladung der Oefen geschieht auf folgende Weise: das Holz wird in leichten eisernen Rollkörben, deren jeder etwa 2/3 Klafter 3fußiges Scheitholz faßt, auf Eisenbahnwagen gebracht, welche aus einfachen auf vier Rädern ruhenden Platten bestehen, auf deren Oberfläche für die Rollkörbe ein Schienengeleise angebracht ist. Diese Bahnwägen werden auf der Eisenbahn vor die zu beschickenden Oefen geführt, das auf dem Plattwagen befindliche Schienengeleise mit jenem im Darrofen mittelst zweier Fallschienen verbunden, und die Rollkörbe auf denselben in den Ofen geschoben, worin sie auch während des Darrens bleiben. Das Ausleeren der Oefen geschieht ebenso leicht und schnell als das Füllen; da die einen der gegenüberstehenden Flügelthüren freien Luftzutritt gestatten, so werden auch hiebei die Arbeiter nicht im geringsten belästigt.

Ueber den Darröfen ziehen sich zwei Röhrentouren hin, die eine mit heißem, die andere mit kaltem Winde; von beiden kann eine beliebige Menge Luft mittelst eines durch die Ofendecke durchgeführten Rohres eingelassen und daher die Temperatur beliebig regulirt werden. Die Abzugsöffnungen befinden sich in den Seitenwänden, etwas unterhalb der Sohle jedes Ofens, und stehen mit einer niedrigen Esse in Verbindung.

In jedem Darrofen haben 8 Rollkörbe Platz, welche etwa 576 Kubikfuß Holz fassen. Da nun die Trocknung desselben in 1 1/2 Tagen vollkommen beendet ist, so liefert jeder Ofen täglich 384 Kubikfuß gedarrtes Holz (Holzstoff), und, da bei vollem Betriebe des Werks der tägliche Bedarf sich auf 5550 Kubikfuß beläuft, so sind im Ganzen 14 Darröfen hinreichend, während zwei zur Reserve dienen. – Von den Darröfen führen bedeckte Eisenbahnen längs der beiden Flügel der Walzhütte, so daß das gedarrte Holz mit Leichtigkeit zu jedem Flammofen geführt werden kann. – Man erspart durch die Benutzung der Ueberhitze zum Betriebe der Darröfen jährlich 700 Kubikklafter Holz, welche sonst, wie zu Lippitzbach, zur Feuerung der Darröfen erforderlich wären. – Vier Circularsägen und vier Spaltmaschinen, die in einem Gebäude unmittelbar an den Oefen befindlich sind, und wohin das Holz von dem Holzrechen auf der Eisenbahn gefahren wird, bewirken dessen Zerkleinerung.

Die Puddel- und Darröfen erfordern zusammen in der Minute 4200 Kubikfuß Wind, den ein aus vier Cylindern bestehendes Gebläse reichlich liefert. |317| Dieses bedeutende Werk wurde am Ende November v. J., wie oben bemerkt, mit vier Puddelöfen in Betrieb gesetzt, und es werden seitdem Rohschienen fabricirt, da die Stabeisenwalzwerke noch nicht vollendet sind. Die Gaspuddelöfen entwickeln eine hohe Weißglühhitze und die aus denselben abziehende Hitze erwärmt die Luftheizungs-Apparate und die Darröfen so vollständig, daß letztere selbst mit nassem Holze beladen, gute Resultate geben.

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