Titel: Mittel gegen die Traubenkrankheit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 10 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi04_10

Mittel gegen die Traubenkrankheit.

Die landwirthschaftliche Gesellschaft zu Pisa (Accademia de' Georgofili) hat in einem Commissionsbericht darauf aufmerksam gemacht, daß der bisherige Verlauf der kalten Jahreszeit so wenig wie der künftige zu dem Glauben berechtigt, daß er in Beziehung auf die Traubenkrankheit, die uns (in Italien) nun zwei Jahre hindurch so großen Schaden gebracht hat, einen den Interessen des Eigenthümers wie des Landmanns günstigen Einfluß üben werde. Nichts berechtige nach dem Zustand der Reben im Zeitraum des Beschneidens auf den Traubenertrag zu schließen, noch an ein Aufhören der epidemischen Periode zu glauben. Aber ebenso wenig dürfe man sich der Entmuthigung hingeben oder dem Zufall sein Heil vertrauen. Alle Erfahrungen haben bis jetzt erwiesen daß, wenn die Trauben einmal von dem Kryptogam angegriffen sehen, die zur Abhülfe angewandten Mittel den Schaden nur mindern im Verhältniß der Schnelligkeit womit sie gebraucht werden, während die organischen Verletzungen der vorgeschrittenen Krankheit nicht entfernt werden können. während somit von den sogenannten Mitteln wenig zu erwarten sey, müsse man umsomehr auf Präservative denken, welche die Rebe mechanisch vor der Einwirkung des Uebels bewahren können. Nach zahlreichen Versuchen und vielfach eingesammelten Erfahrungen schlägt man nun folgendes Mittel vor: man bereite mit frischgelöschtem Kalk und Wasser eine sogenannte Kalkmilch, deren Adhäsion durch Zusatz von etwas Molken oder Blutwasser vergrößert wird. Mit dieser Flüssigkeit, welche etwa die Consistenz gewöhnlicher Mauertünche haben muß, bespritze man mit Pinseln das Ende des Rebstocks oder die Schosse in dem Augenblick des Beschneidens und Bindens, so daß alle Theile, aus denen die neue Vegetation hervorgehen muß, mit dieser Kalkmilch vollständig bedeckt und wie getüncht sind. Es wird gut seyn, diese Operation auch an dem Baum vorzunehmen welcher der Rebe zur Stütze dient. Sie zerstört den Kryptogam, wenn dieser schon sich zu bilden begonnen hat, und hält die Ansteckung ab. Kostspielig ist das Mittel nicht. Zeigen die Trauben eine Spur der Krankheit, so ist das bewährteste Heilmittel, sie in eine Mischung von gewöhnlicher Ziegelerde und Seifenwasser zu tunken, die sich der Oberfläche fest ansetzt und die Traube wie mit einem Schleier bedeckt. Die Wiederholung dieser Operation kurz vor dem Zeitpunkt des Reifens wäre rathsam. Auch hier sind die Kosten gering: es handelt sich nur um Sorgfakt, da die ganze äußere Traube bedeckt seyn muß wenn das Mittel wirken soll. Hoffentlich bleiben unsere schönen Felder von der entsetzlichen Krankheit verschont, die nun zwei Herbste in Trauerscenen verwandelt, und uns zum Theil kaum statt des Vino den Vinello gegeben hat. Die von der Akademie vorgeschlagenen Mittel könnten aber auch andern Ländern zu gute kommen.

Pisa, den 18 Febr. 1854. (Allg. Ztg.)

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