Titel: Ueber Ausziehung des Farbstoffs aus den Krappblumen mittelst Holzgeist; von J. Gerber und E. Dollfus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 7 (S. 398–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi05_7

Ueber Ausziehung des Farbstoffs aus den Krappblumen mittelst Holzgeist; von J. Gerber und E. Dollfus.

Einer Abhandlung Mémoire sur la garance,“ welche die Genannten am 29. December 1852 der Société industrielle de Mulhouse überreichten, entnehmen wir das Nachstehende: |399| Einen möglichst reinen Krappfarbstoff kann man auf folgende Weise erhalten: Man extrahirt Krappblumen bis zur Erschöpfung mit siedendheißem Holzgeist, filtrirt den Auszug und fügt ihm eine gewisse Menge destillirtes Wasser hinzu. Es entsteht dadurch ein reichlicher gelber Niederschlag, den man auf einem Filter sammelt und mit destillirtem Wasser auswäscht. Die Verfasser nennen den so dargestellten Körper Azale (von Azala, einer arabischen Benennung des Krapps; wahrscheinlich ist dieser Körper aber im Wesentlichen nichts Anderes als Alizarin). Er bildet ein etwas glänzendes Pulver von lebhaft gelbbrauner Farbe, und zeigt bei der Anwendung zum Färben dieselbe Wirkung, wie das 40fache Gewicht Krapp. 1 Liter Wasser löst von diesem Körper nur etwa 1 Centigramm auf. Die Lösung hat eine schwach gelbliche Farbe, die aber beim Hineinleiten von Sauerstoffgas bräunlich und zuletzt rosenroth wird. Auch das in Wasser suspendirte Azale wird an der Luft erst bräunlich und gibt dann eine rothe Auslösung, welche durch Säuren gelb, durch Alkalien purpurviolett wird.

Der Holzgeist (rectificirter, noch schwach gelblich gefärbt) besitzt für den Farbstoff ein weit größeres Auflösungsvermögen als Weingeist. Aus 100 Theilen Krappblumen erhielten die Verfasser durch Erschöpfung mit siedendheißem Holzgeist 6,75 Theile trocknes Extract von der Farbe des gelben Catechu, brüchig, aber bei gelindem Erwärmen erweichend. Als der Rückstand daraus, ebenfalls bis zur Erschöpfung, mit siedendheißem Holzgeist, dem pro Liter 10 Grm. Schwefelsäure zugesetzt waren, ausgezogen wurde, erhielten sie noch 6,65 Theile eines etwas weicheren Extracts. Der Rückstand war dann alles Farbstoffes beraubt. Die Säure wirkte bei der zweiten Ausziehung entweder durch Auflockerung des Zellgewebes, oder dadurch, daß sie Basen wegnahm, mit denen der Farbstoff verbunden war.

Das mit Holzgeist bereitete Krappextract gibt beim Färben dieselbe Wirkung, wie das 12 1/2fache Gewicht Krappblumen, so daß die 13,3 (eigentlich 13,4) Theile Krappextract, welche durch bloßen und durch mit Säure vermischten Holzgeist aus 100 Theilen Krappblumen erhalten werden, denselben Effect hervorbringen, wie 13,3 × 12,5 oder 166 Theile derselben Krappblumen. Es scheint hiernach bei Anwendung der Krappblumen zum Färben von dem nicht durch Holzgeist allein ausziehbaren Theile des Farbstoffs auch ein Theil zur Wirkung zu kommen, da sonst die 13,3 Theile Krappextract einer noch größeren Menge Krappblumen in der Wirkung entsprechen würden.

Bei den mit dem Krappextracte angestellten Färbeversuchen wurde dasselbe vor dem Zusammenbringen mit Wasser in einigen Tropfen Weingeist oder Holzgeist vertheilt, was unnöthig ist, wenn man den reineren Farbstoff (das Azale) anwendet. Dem Bade wurden 15–20 Proc. Kreide zugefügt, da das Extract sauer reagirte, was die Verf. von Ameisensäure, die aus dem Holzgeiste entstanden seyn soll, ableiten Beim Färben mit diesem Extracte ist keine der beim Färben mit Krapp anzuwendenden Vorsichtsmaßregeln nöthig Man kann ohne Nachtheil die Temperatur des Bades steigen oder sinken lassen. Wird das Bad nicht ausgefärbt, so kann man es später zu einer zweiten und dritten Färbung benutzen, bis der Farbstoff darin ganz verbraucht ist. Das in dem Wasser wohl zertheilte und suspendirte Extract färbt mordancirte Kattunproben bei gewöhnlicher Temperatur und nach einigen Stunden der Berührung stark. Die Farben dieser Proben widerstehen, nachdem man dieselben einige Minuten lang in warmes Wasser getaucht hat, der Seife und den Schönungsmitteln sehr gut. Die mit Krappextract hervorgebrachten Farben sind im Allgemeinen schöner und solider, wie diejenigen, welche man mit Krapp und anderen aus demselben erzeugten Producten darstellt. Unter denselben ist namentlich das Violett zu erwähnen, welches sich stets zuerst färbt. Ist in dem Bade die Menge des Farbstoffs im Vergleiche mit der des vorhandenen Mordants sehr gering, so entsteht nur das Violett durch den Eisenmordant. Es scheint, daß, je reiner der Farbstoff ist, desto mehr seine Verwandtschaft zu dem Eisenmordant, die zu dem Thonerdemordant überwiegt.

Das Azale läßt sich sublimiren und bildet dabei lange Nadeln von orangerother Farbe. Bringt man mordancirten Kattun in Wasser, welches Azale in Suspension enthält, so färbt sich derselbe sehr rasch, selbst wenn die Temperatur nicht über 30° C hinausgeht. Das dabei erhaltene Violett ist sehr lebhaft, und weit schöner, wie man es auf dem gewöhnlichen Wege erhalten kann. Das Braun und Schwarz sind vollkommen. Roth und Rosa, obgleich schön und lebhaft, haben doch nicht die |400| Qualität derselben geseiften und avivirten Farben. Der nicht mordancirte Grund bleibt ungefärbt. Alle diese Farben widerstehen dem Seifen und Aviviren vollkommen; das Violett verändert sich dabei nicht, das Roth und Rosa werden dadurch so schön, als man es nur wünschen kann.

Der Krapp und die daraus dargestellten Producte (Garancin, Krappblumen, Krappcarmin, Krappextract) geben durch Erhitzen sublimirtes Azale, natürlich um so mehr, je mehr dasselbe schon in der angewendeten Substanz concentrirt ist. Aus Krappcarmin stellten die Verf. es dar durch Vermischen desselben mit der Hälfte seines Gewichtes Salmiak, und Erhitzen dieses Gemisches. Dasselbe bedeckte sich dabei erst mit einer weißen Schicht von sublimirtem Salmiak, die aber bei zunehmender Wärme schön roth wurde. Als nach dem Erkalten die sublimirte Kruste für sich genommen und in Wasser gebracht wurde, löste sich der Salmiak auf, und der Farbstoff wurde für sich erhalten. (Aus dem Polytechnischen Centralblatt, 1854, Liefer. 1.)

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