Titel: Ueber Mittel zur Verhütung der Kesselsteinbildung in Dampfkesseln; von Dr. Elsner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 1 (S. 458–460)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi06_1

Ueber Mittel zur Verhütung der Kesselsteinbildung in Dampfkesseln; von Dr. Elsner.

Bekanntlich sind mehrfach Sägespäne empfohlen worden, um die Bildung von Kesselstein zu verhindern. Roard empfahl dazu Sägespäne von Mahagoniholz; nach Hill leisten auch solche von Eichenholz gute Dienste. Es scheint also, daß es nicht gerade nöthig ist, zu diesem Zwecke Späne von Mahagoniholz anzuwenden, sondern daß auch Späne von anderen Holzarten denselben Erfolg haben. Versuche, welche der Verfasser in dieser Hinsicht angestellt hat, wobei er Späne von kienenem Holze anwendete, bestätigen diese Ansicht; denn sehr gypshaltiges Wasser, welches, ohne Zusatz für sich allein längere Zeit gekocht, einen starken Absatz von Kalktheilen an den Wandungen des Gefäßes bildete, setzte gar keinen mehr an, als er dasselbe Wasser längere Zeit mit Sägespänen, auch verschiedener Holzarten, kochte; es bildete sich vielmehr dabei eine schleimige breiartige Flüssigkeit, die sich leicht entfernen |459| ließ, wobei die Wandungen des Gefäßes von jedem Ansatze vollständig frei geblieben waren.

Ritterbrandt empfahl den Zusatz von Salmiak zum Kesselwasser, um sowohl die Bildung von Kesselstein zu verhüten, als auch den schon gebildeten Kesselstein aufzulösen, welche Wirkung darauf beruht, daß der kohlensaure und schwefelsaure Kalk mit dem Salmiak leichtlösliches Chlorcalcium und andererseits kohlensaures und schwefelsaures Ammoniak bilden Bei den Versuchen des Verfassers über das Verhalten des Salmiaks zu einem sehr gypshaltigen Brunnenwasser hat er die Erfahrungen Ritterbrandt's vollständig bestätigt gefunden; ein sehr geringer Zusatz von Salmiak zu Brunnenwasser, welches, ohne diesen Zusatz längere Zeit gekocht, eine starke Bekrustung von Kalktheilen an die Wandungen des Gefäßes absetzte, bewirkte, daß sich gar kein solcher Absatz bildete; auch ein schon entstandener Absatz wurde durch Zusatz von Salmiak zu dem Wasser leicht entfernt. Da die verschiedenen zur Speisung angewendeten Wasser natürlich auch verschiedene Mengen Kalksalz enthalten, so ist ersichtlich, daß sich nicht bestimmt angeben läßt, wie viel Salmiak dem Wasser hinzugesetzt werden muß, um die Bildung des Kesselsteins zu verhindern; man kann indessen im allgemeinen dem Speisungswasser so viel Salmiak hinzusetzen, als es feste Bestandtheile nach der Verdampfung hinterläßt. Es versteht sich von selbst, daß etwa nur 10 Pfund des Wassers abgedampft zu werden brauchen, um aus dem hierbei erhaltenen festen Rückstande den Gehalt an festen Bestandtheilen in dem ganzen Quantum des Speisungswassers zu berechnen; auch die zwei- bis dreifache Menge des trocknen Rückstandes kann wohl noch an Salmiak angewendet werden, besonders wenn schon Krusten vorhanden sind. Man darf im allgemeinen annehmen, daß ein Theil Salmiak, zu 1200 Theilen Brunnenwasser hinzugesetzt, hinreicht, die Bildung von Kesselstein zu verhindern, oder, was dasselbe ist, 1 Pfund Salmiak aus 20 Kubikfuß gypshaltiges Brunnenwasser, wie sich der Verfasser durch Versuche, welche er mit einem gypshaltigen Wasser anstellte, überzeugte, dem er in oben angegebenem Verhältniß Salmiak hinzusetzte, wobei er fand, daß die Entstehung eines festen Absatzes an den Wandungen des Gefäßes gänzlich verhütet wurde. Bei Anwendung des Dampfes zum Erwärmen von Flüssigkeiten u.s.w. ist übrigens daran zu denken, daß aus dem mit Salmiak versetzten Wasser, wenn dieses kohlensauren Kalk enthielt, mit den Wasserdämpfen Dämpfe von kohlensaurem Ammoniak sich entwickeln, und in solchen Fällen, wo diese nachtheilig seyn würden, auf die Anwendung dieses Mittels zu verzichten.

Was die Wirksamkeit der ebenfalls gegen Kesselsteinbildung empfohlenen gerbst offhaltigen Substanzen anbetrifft, so hat der Verfasser dieselben ebenfalls als sehr wirksam befunden. Es bildet sich ein brauner schlammartiger Bodensatz, der sich nicht an die Kesselwände ansetzt und sich leicht entfernen läßt. Dieser Bodensatz besteht aus einer Verbindung von Kalk mit Gerbsäure und braunem Farbstoff. Als gerbstoffhaltige Substanz empfiehlt der Verfasser außer Catechu, Eichenrinde, Scheiten von Eichenholz u.s.w., namentlich die in Deutschland häufig wild wachsende Tormentillwurzel, die sehr reich an Gerbsäure ist. Der Verfasser hat stark gypshaltiges Brunnenwasser, welches, für sich allein anhaltend gekocht, einen starken Absatz an die Wandungen des Gefäßes absetzte, mit einem Zusatze geschnittener Tormentillwurzel gekocht und gefunden, daß sich nun durchaus kein Absatz an die Wandungen anlegte, dieselben im Gegentheil klar und rein blieben. Während des Kochens bildete sich ein bräunlicher, leicht zu entfernender Niederschlag. Am zweckmäßigsten wird es seyn, die Wurzel nicht im geschnittenen Zustande zu verwenden, weil sie, ähnlich den Sägespänen, in die Hähne. Ventile, Wasserstandsglas u.s.w. eindringen, und hierdurch Uebelstände für den Betrieb hervorrufen könnten, sondern ein wässeriges Extract der Wurzel zu benutzen und dasselbe dem Speisungswasser hinzuzusetzen, wo alsdann solche Uebelstände nicht eintreten können.

Guinon hat bekanntlich zuckerhaltige Stoffe, wie Melasse, Stärkezucker u.s.w., gegen Kesselsteinbildung sehr wirksam befunden. Der Verfasser hat sich gleichfalls durch Versuche von der Richtigkeit der Angabe Guinon's überzeugt, indem er ein sehr gypshaltiges Brunenwasser, welches, für sich gekocht, einen starken Absatz an die Wandungen des Gefäßes absetzte, mit einem Zusatze von Zucker kochte, wobei sich nur ein schleimartiger, bräunlicher, leicht zu entfernender Niederschlag bildete.

Hinsichtlich der Anwendung des von Fresenius und früher von Kuhlmann empfohlenen kohlensauren Natrons macht der Verfasser, indem er die Brauchbarkeit |460| dieses Mittels bestätigt, darauf aufmerksam, daß es von großer Bedeutung ist, nicht eine verhältnißmäßig zu große Quantität von Soda oder Potasche dem Speisungswasser hinzuzusetzen, weil nämlich in diesem Falle der große Uebelstand eintreten könne, daß einzelne Löthungen, Verkittungen u.s.w. der Maschinentheile so angegriffen werden, daß Lecke in den Kesseltheilen entstehen, wodurch das Wasser und der Dampf entweichen, der Betrieb gestört und Kostenaufwände zur Reparatur nöthig werden, welche einzelne Fabrikanten schon zu der Ansicht gebracht haben, vor dem Zusatze von Soda oder Potasche zu warnen. Wenn eine verhältnißmäßig zu große Menge Soda oder Potasche dem Speisungswasser hinzugesetzt wird, so läßt es sich ganz wohl denken, daß die erwähnten großen Uebelstände eintreten können; bei einem richtigen Verhältniß des Zusatzes von Soda zu dem im Speisungswasser aufgelösten Gyps werden obige Uebelstände gewiß nicht eintreten, da bei der Umänderung des Gypses nur kohlensaurer Kalk, welcher als unlöslicher Niederschlag sich ausscheidet, und auflösliches schwefelsaures Natron entsteht, von welchen beiden neuen Verbindungen keine einen irgend schädlichen Einfluß auf die Kesselwandungen auszuüben im Stande ist. Bei Anwendung von Aetznatron nach dem Vorschlage von Dam ist ein Ueberschuß desselben aus gleichem Grunde zu vermeiden. Der Verfasser erwähnt übrigens, daß in allen Fällen, wo er kohlensaure Alkalien anwendete, die Kesselwandungen, bei Benutzung desselben Wassers, nie so vollständig rein und frei von jeder Spur Ansatz erschienen, als bei der Anwendung von Salmiak; hiernach würde daher der Salmiak den Vorzug vor den kohlensauren Alkalien hinsichtlich seiner Verwendung als Kesselsteinbildung verhinderndes Mittel verdienen. (Aus Dr. Elsner's Schrift: Zusammenstellung der bisher angewendeten Mittel, die Entstehung des Kesselsteins zu verhüten. Berlin 1854, Verlag von Julius Springer, im polytechnischen Centralblatt, 1854 Liefer. 4.)

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