Titel: Verfahren zur Prüfung der Leinwandgewebe auf Beimischungen von Baumwolle; von Dr. Elsner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 7 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi06_7

Verfahren zur Prüfung der Leinwandgewebe auf Beimischungen von Baumwolle; von Dr. Elsner.

Der Verfasser hat im Jahr 1847 in einer Abhandlung über die bis dahin bekannten Methoden zur Prüfung der Leinengewebe auf eine Beimischung von Baumwolle (polytechn. Journal Bd. CV S. 192), zu diesem Zweck die Cochenille-Tinctur empfohlen. Er fand später, daß die weingeistige Tinctur von Färberröthe-Wurzel dazu fast noch zweckmäßiger ist, da die orangerothe Färbung der Leinenfaden stärker hervortritt gegen das Gelb der Baumwollenfäden, als die violette Färbung der Leinenfaden gegen die hellrothe Färbung der Baumwollenfäden bei Anwendung der Cochenille-Tinctur. Das Verfahren bei dieser Prüfungsmethode ist folgendes: |466| 1/2, Loth zerschnittene Färberröthe-Wurzel wird in einem Glase, welches man mit einer Glasplatte bedecken kann, oder in einem Glaskolben mit 6 Loth Alkohol von 94 Proc. Tralles übergössen und 24 Stunden lang bei gewöhnlicher Temperatur, unter öfterem Umschütteln, damit in Berührung gelassen. Die dadurch entstandene klare, braungelbe Tinctur wird durch weißes Löschpapier filtrirt und zum Gebrauche aufbewahrt.

Reine Leinengewebe färben sich beim Eintauchen in diese Tinctur nach 1/8–1/4 Stunde gleichförmig unrein orangeroth, reine Baumwollengewebe dagegen gleichförmig gelb; ist das Gewebe gemischt, so erscheinen die Leinenfäden gelbroth, die Baumwollenfäden gelb, das Ganze erscheint daher nicht mehr gleichmäßig gefärbt, sondern gestreift Werden die Gewebestreifen vor dem Eintauchen an den Kanten 2 Linien breit ausgezupft, was übrigens von wesentlichem Einfluß auf die Erkennung der einzelnen Fäden ist, so tritt die Erscheinung so deutlich hervor, daß die einzelnen verschieden gefärbten Fäden von Leinen und Baumwolle an den ausgezupften Kanten mit Leichtigkeit gezählt werden können. – Die Fäden können, nach Anwendung dieser Probe, auch noch, der Controle halber, der mikroskopischen und der Verbrennungsprobe unterworfen werden, was bei der Schwefelsäureprobe bekanntlich nicht möglich ist, da bei Anwendung derselben die Baumwollenfäden gänzlich zerstört werden. – Die Färbungsprobe mit der Röthe-Tinctur ist besonders für weiße Waare zu empfehlen, da dieselbe, ohne alle bei der Schwefelsäureprobe nothwendigen Voroperationen, sofort mit dem kleinsten Streifchen Waare vorgenommen werden kann; außerdem sind die Tincturen selbst völlig unschädlich. Bei gefärbter Waare dagegen ist die Anwendung der Schwefelsäureprobe einfacher.

Uebrigens hat der Verfasser schon früher auf die Anwendung der Röthe-Tinctur nächst der Tinctur von Cochenille aufmerksam gemacht. Der Sicherheit halber sind die Prüfungen mit beiden Tincturen anzustellen. (Aus Dr. Elsner's chemisch-technischen Mittheilungen der Jahre 1850–1852, Berlin 1853.)

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