Titel: Ueber die Unterscheidungsmerkmale des leinenen Hand- und Maschinengarns.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 131/Miszelle 8 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj131/mi131mi06_8

Ueber die Unterscheidungsmerkmale des leinenen Hand- und Maschinengarns.

Hierüber hat eine von der Handelskammer in Prag niedergesetzte (Kommission ein Gutachten aus Anlaß der Bestimmungen des Handelsvertrags mit Oesterreich, worin für Handgarne besondere Begünstigungen verabredet sind, abgegeben, dem wir Folgendes entnehmen:

Das Handgarn hat eine Eigenthümlichkeit, welche beim Maschinengarne nicht angetroffen wird, es fühlt sich fetter, klebriger und doch glatter an als dieses; der Faden ist auch elastischer und läuft nicht zusammengerollt, was seinen Grund darin hat, daß der Flachs beim Handspinnen nur genetzt und zum Faden gedreht wird, weßhalb die auf diese Art gegebene Anfeuchtung bald in sich selbst vertrocknet und daher der Faden schlank fortläuft, während bei Maschinengarnen, die naß gesponnen werden, das Product erst in geheizte Trockenstuben gebracht werden muß, wo der Faden durch den Einfluß der Wärme sich rollt. Der Faden der Maschinengarne ist durchgehends runder und gleich voll; der Faden der Handgarne hingegen ist spitzer und schärfer, hat eine ungleiche Drehung und ist sowohl von zu dünnen als zu dicken Stellen und von Knötchen nicht frei. Die Hauptunterscheidungsmerkmale liegen aber in der Zusammensetzung des Fadens. Dreht man einen Faden Handgarn auf und zieht ihn langsam auseinander, so gibt er eine lange Flachsfaser, wo hingegen bei Maschinengarn, wenn man den Faden zurückdreht und dann zerreißt, die Flachsfaser kurz und stumpf erscheint. Auch sind die Maschinengarne durchweg rauher als die Handgarne und mit kleinen, selbst bei den vollkommensten Gespinnsten hervorstehenden Härchen versehen Ein weiteres Erkennungszeichen ist die Farbe. Maschinengarne sind meist aus Wasserflachs gesponnen, welcher dem Garne eine hellgraue und egale Farbe verleiht. Zudem ist der Faden reiner und ohne schilfige Theile. Bei Handgarnen, wo die nöthigen guten Vorbereitungen des Urstoffs fehlen, fällt die Farbe des Garns, angenommen auch, es würde hiezu Wasserflachs versponnen, immer ins Bräunliche, Schwärzliche oder Röthliche. Es findet sich bei |467| demselben ein sogenanntes Ineinanderspielen der Farbe, kurz, die Farbe sieht schmutziger aus, und der Faden, besonders bei den ordinären Garnen, ist nie frei von Schilf. Die Farbe beim Handgarne fällt deßhalb so verschieden aus, weil auf dem Spinnrocken nur 1/2 bis 1 Pfd. Flachs, wie er sich eben darbietet, befestigt und versponnen wird, während beim Maschinengarne große Quantitäten von 20 bis 30 Cntr und noch mehr Flachs durcheinander gemengt werden und so schon ein gleichfarbiger Flachs auf die Maschine kommt. Endlich springt auch der auffallende Unterschied in die Augen, daß Handgespinnste in kleinen Döckchen (vier auf einen Strahn), Maschinengespinnst hingegen in großen Strähnen verarbeitet wird. (Austria.)

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