Titel: Treviranus, über die Füllung der Barometer-Röhren mit Quecksilber und das Auskochen derselben.
Autor: Treviranus, Ludwig Georg
Fundstelle: 1854, Band 132, Nr. LIV. (S. 187–198)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj132/ar132054

LIV. Ueber die Füllung der Barometer-Röhren mit Quecksilber, die Reinigung des Quecksilbers und einen zum Auskochen desselben im Rohr dienlichen Apparat; von L. Georg Treviranus.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

In Bd. CXXVI S. 90 dieses Journals befindet sich ein Aufsatz von mir unter der Aufschrift: Ueber eine Vereinfachung der Construction und des Gebrauchs der stationären Barometer, |188| in welchem die Möglichkeit dargethan wurde, Barometer in der Art einzurichten, daß sich der Quecksilberspiegel des Gefäßes, oder auch der Flasche, selbst regulirt. Von den Vortheilen, welche dieses in Bezug auf die Bequemlichkeit im Gebrauch des Barometers, in der Zeitersparung und der Richtigkeit der Beobachtungen gewährt, bin ich selbst so sehr überzeugt, daß ich den Wunsch nicht unterdrücken konnte, mindestens ein Gefäß-Barometer ausgeführt zu sehen, welches, nebst den obigen Vortheilen, allen andern Forderungen, welche man sonst an Barometer der bessern Art zu machen berechtigt ist, ein Genüge zu leisten geeignet sey.

Zu diesen Erfordernissen gehört bekanntlich unter anderm auch: daß das Quecksilber im Rohre selbst ausgekocht wird, worin ich aber zu jener Zeit, als ich den oben angezogenen Aufsatz schrieb, noch gar keine Erfahrung hatte, sondern mir dachte, ich müsse vor allem den Auskoch-Proceß von Jemand verrichten lassen, welcher in dieser Sache ganz bewandert sey. Jedoch was ich seitdem darüber las und mir mündlich über den Gegenstand mitgetheilt wurde, brachte mich auf die Vermuthung, daß wenn sichs wirklich so verhielte, man bei dem Auskochen wohl noch nicht die rechte Methode getroffen hätte. Da soll es so starke Schwankungen der Säule und so heftige Schläge im Rohr geben, daß man jeden Augenblick gewärtigen muß, es in Trümmer gehen zu sehen. In dem Glauben, daß dieß nicht so seyn könne, wenn die Sache besser angegriffen würde, wurde ich durch den Umstand bestärkt, daß das Auskochen des Quecksilbers im Rohr bei den Verfertigern gewöhnlicher Barometer ganz aus der Mode gekommen zu seyn scheint, und daß sie, wenn sie ja einmal Bedürfniß dafür haben, die Sache so betreiben, wie sie sie von dem infalliblen Meister gelernt haben, gar nicht denkend und zugeben wollend, daß es auch wohl auf andere und bessere Art geschehen könnte.

Als ich hierüber nachdachte, schien mir gleich anfänglich der Gebrauch eines offenen Kohlenfeuers, dessen Hitze nicht auf einen Punkt hin concentrirt ist, keine Nachahmung zu verdienen; sowie auch die schräge Lage, in welcher man das Rohr dem Feuer aussetzt, weil es eben als keine leichte Aufgabe erscheint, ein solches mit Quecksilber gefülltes, dabei stark erhitztes Rohr in den Händen in der Art zu handhaben, daß keine Ungleichheit in der Erwärmung des Umfanges stattfindet, welche den Bruch veranlassen kann.

Ich kam nun auf die Idee, eine Weingeistlampe mit doppeltem Luftzug zu benutzen, und zwar so, daß das Glasrohr nach und nach in dem Innern des Rohrs der Lampe sich in senkrechter Richtung herabsenkt, während die Hitze des brennenden Weingeistes durch einen über dem Gefäße der Lampe befindlichen Schirm concentrirt, gleichförmig und ohne daß das |189| Rohr mit den Händen berührt wird, immer nur auf einen kleinen Theil von dessen Höhe und Umfang wirkt.

Schon der erste Versuch, welchen ich mit dem obgleich noch unvollkommenen Apparat anstellte, fiel zu Gunsten der neuen Auskochungsmethode aus. Schläge im Rohr, welche entstehen, wenn es zu viele Feuchtigkeit vermischt mit Luft im Innern enthält, gab es gar nicht, wohl aber wurde ein ziemliches Schwanken der Quecksilbersäule, auf und nieder, bemerkt. Solche Oscillationen entstehen zwar zum Theil aus dem Entweichen der Luft und des Wasserdampfes, und sie lassen sich wohl nicht ganz beseitigen; aber der Hauptgrund liegt, wie ich beobachtete, in dem Umstand: daß, wenn man den Auskochproceß übereilt (nämlich schon einen höhern Punkt des Rohres dem Brennpunkt der Lampe aussetzt, ehe der niedrigere Theil, vergleichsweise wie beim Silber, geblickt hat, so daß man genöthigt ist das Rohr am Seil und der Rolle wieder zu heben), dann die Masse des kochenden Quecksilbers zu groß wird, und die Dämpfe nicht mehr mit der Leichtigkeit als beim regelmäßigen Verlauf des Processes entweichen können.

Es geht in diesem Falle, wo immer nur beiläufig ein 3/4 Zoll der Quecksilberhöhe sich im Kochen befindet, dasselbe so ruhig vor sich, daß man das Rohr bis auf beiläufig 1 1/2 Zoll unter dem offenen Ende mit Quecksilber füllen, nebstdem das Ende mit einem Korkstöpsel, ohne daß er herausfliegt, schließen darf. Auch schienen Quecksilberdämpfe nicht eher ins Freie zu treten, als bis das Auskochen nahe beendiget, nämlich zum offenen Ende des Rohres vorgeschritten ist. Die Quecksilberdämpfe, welche sich früher entwickeln, schlagen sich in den höhern kältern Theilen des Rohrs wieder nieder.

Bei dem letzten Rohr von 3 1/4''' Weite, welches ich auskochte, betrugen die Oscillationen der Säule, soviel ich während einzelnen Blicken bemerken konnte, nur etwa 1/2''; denn nur ganz kurze Zeiträume darf man das Auge von dem Punkt, wo es kocht, wegwenden. Kocht man zu wenig, dann ist es, wie gesagt, nicht recht; kocht man zu viel, dann gibt es braune Flecken im Rohr. Ist aber alles ganz regelrecht von statten gegangen, dann zeigt sich weiterhin beim Umwenden des Rohrs die übrigens schon von Anderen beobachtete sonderbare Erscheinung, daß sich die Säule in der Spitze des Rohrs aufhängt, d.h. ohne daß man vorher am Rohr etwas rüttelt und klopft, gar nicht herunter auf den dem Druck der Luft entsprechenden Höhenstand sinken will. Das Auskochen erfordert nur eine Zeit von etwa 10 Minuten und an Weingeist 1/4 Seidel, welches hier im Kleinhandel 3 Kreuzer kostet.

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Bei zwei in der Weite wenig verschiedenen Röhren, welche beide mit gleich gut gereinigtem Quecksilber gefüllt und dann ausgekocht wurden, war (nachdem sie lange genug gestanden hatten, um gleiche Temperatur anzunehmen) mit Berücksichtigung der Capillar-Depression gar kein Unterschied in der Quecksilberhöhe, über dem Spiegel des Gefäßes gemessen, bemerkbar; wogegen sich bei unausgekochten, aber anscheinend gut gefüllten Röhren, im Vergleich mit ersteren, ein Minus von 1 bis 6''' ergab, woraus ich folgere: daß man bei Anfertigung der sogenannten Normal-Barometer das Auskochen des Quecksilbers im Rohr selbst nicht entbehren kann.

Um nur eine Linie stellte sich das Quecksilber niedriger bei einem Rohr von (+ –) 2 1/2''' Weite, welches ich vor der Füllung mit Baumwolle möglichst rein ausgeputzt, dann in kochendem Wasser erwärmt hatte, worauf ich das Quecksilber bis auf 120° R. erhitzte und, nachdem es auf etwa 80° wieder abgekühlt war, es ins Rohr füllte, endlich die kleinen Blasen welche sich noch zeigten, mit einer größeren Luftblase sich vereinigen ließ und aus dem Rohr entfernte. Das Verfahren hiebei besteht darin, daß man das Rohr bis auf etwa 1/4 oder 3/8'' unter dem Korkstöpsel (womit man das offene Ende schließt) mit Quecksilber füllt; dann durch eine etwas über die Horizontale erhöhte Lage des Kopfes bewirkt, daß sich die Blase zum Kopfe hinauf, und endlich (indem man das Rohr senkrecht auf den Kopf stellt) wieder nach dem verstöpselten Ende begibt, auf ihrem Wege dahin die kleinen Blasen mitnehmend. Diese Manipulation muß so oft wiederholt werden, bis das Quecksilber und die Luftbläschen keine Neigung mehr zeigen sich im Stamm des Rohres festzusetzen, dasselbe also durch die Luftblase noch besser als die Baumwolle es vermochte, gesäubert ist.

Dasselbe Verfahren wende ich auch bei den zum Auskochen bestimmten Röhren an, und diese Vorbereitung mag wohl mit Ursache seyn, daß bei mir das Auskochen selbst so leicht von statten geht.

Ist aber das Rohr nur etwa 1 1/2'' und darunter weit, dann kann man nach meinen Beobachtungen die Luftblase gar nicht zum Laufen bringen, sondern muß suchen durch Schütteln und Stoßen das Quecksilber zu vereinigen; daher nicht zu bezweifeln ist, daß ein solches Rohr weit mehr Luft und Feuchtigkeit birgt als ein weiteres, bei welchem das Putzen und die laufende Blase noch anwendbar ist. Das Rohr bei welchem sich das Quecksilber um 6''' zu niedrig stellte, hatte wirklich nur 1 1/2 Weite, was hinreichend erklärt, daß es sich so schlecht bewährte.

Ich habe noch versucht, dasselbe zu einem Flaschen-Barometer gehörige Rohr (welches ich eben so wenig als ein Anderer gut füllen konnte) |191| auszukochen, und bei dieser Gelegenheit stellten sich dann in der That alle die mißlichen Umstände ein, welche mir als die gewöhnlich den Auskochproceß begleitenden bezeichnet wurden. Die Oscillationen des Quecksilbers im Rohr betrugen mindestens 5 Zoll; die Schläge waren continuirlich, und als das Auskochen bis zu der halben Rohrslänge gediehen war, zerbrach das Rohr mit einem heftigen Knall.

Ich will jedoch keineswegs behaupten, daß es gar kein Mittel gäbe, auch solche und noch engere Barometer-Röhren vollkommen von Luft und Feuchtigkeit zu befreien, aber die vermehrte Arbeit, welche dieses wahrscheinlich erheischt und das größere Risico welches man dabei läuft, dürfte den erwarteten Nutzen in der Ersparung an Quecksilber wohl überwiegen; es sey denn, daß auf das Auskochen Verzicht geleistet wird und man wegen der Luftleere eben nicht ängstlich ist, sondern sich wie gewöhnlich begnügt, die Scala am Brett des Wetterglases beiläufig übereinstimmend mit derjenigen eines guten Barometers zu befestigen.

Wenn ein gehörig weites, in der angegebenen Art aufs sorgfältigste gefülltes Rohr, beim Tages- oder auch beim Kerzenlichte, mit dem Ansehen eines ausgekochten verglichen wird, dann hält es wirklich schwer einen Unterschied zu finden. Man glaubt freilich mehr Glanz und Feuer in dem ausgekochten Quecksilber zu bemerken, dieß kann aber trüglich seyn und mitunter seinen Grund nur in der Beschaffenheit des Glases und dessen Wandstärke haben, so daß ich längere Zeit in Zweifel war, ob es ein äußerliches Unterscheidungszeichen gäbe, bis ich es kürzlich durch Zufall entdeckte.

Bringt man an einem an der Wand hängenden Barometer, dessen Rohr seitwärts unter einem Winkel von etwa 45° vom Lichte getroffen wird, auf dessen Brett eine Blende (ein schmales Lineal) in der Art an, daß die dem Lichte zugekehrte Seite des Rohrs im Halbschatten zu liegen kommt, so bemerkt man bei einem ausgekochten Rohr an dessen etwas verdunkelter Seite nichts, was nicht naturgemäß wäre; bei einem unausgekochten Rohre hingegen die im Schatten liegende Seite, wie die Milchstraße am Himmel, von unten bis oben mit unzähligen feinen weißen Pünktchen übersäet. Dieß beobachte ich wenigstens an dem Rohr eines gewöhnlichen Barometers, welches ich besitze, dessen Quecksilber-Säule sich um 2 1/2''' niedriger als die eines ausgekochten Rohrs stellt, und ich zweifle nicht, es wird sich auch, wiewohl wahrscheinlich im geringeren Grade, bei Röhren so finden, welche mit mehr Sorgfalt als das genannte Rohr gefüllt sind.

Diese Luft- und Wasserbläschen im Rohr werden beim Auskochen desselben sehr bemerklich, und ich wiederhole, nicht eher darf an dem betreffenden |192| Punkt das Kochen unterbrochen werden, als bis sie sich in einer Blase vereiniget haben und entwichen sind.

Aus dem Vorhandenseyn der Bläschen und weil sie sich bis zur Kuppe des Quecksilbers, also auch bis zum Vacuum erstrecken, läßt sich entnehmen, daß beim unausgekochten Rohr wenig Hoffnung vorhanden ist, daß das Vacuum wie Anfangs erhalten wird, sondern es muß in dem Maaße als die Bläschen hineingelangen, aufhören, also der Barometerstand niedriger werden. Eine Gleichheit in der Angabe zweier Barometer und ein constantes Vacuum läßt sich demnach nur, wie abermals folgt, von den ausgekochten Röhren erwarten.

Für erstere ist freilich auch noch erforderlich, daß das Quecksilber welches zur Füllung verwendet wird, stets gleiches specifisches Gewicht, also auch gleichen Grad der Reinheit besitzt. Auf diesen Punkt wird indessen, wie ich gefunden habe, von Seite der Barometer-Verfertiger weit mehr Sorgfalt als auf die Wahl der Röhren in Bezug auf die Weite und auf die Füllung verwendet, wohl hauptsächlich weil, wenn das Quecksilber bis zu einem gewissen Grad verunreinigt ist, man mit der Füllung des Rohrs gar nicht fertig wird; das Quecksilber hängt sich bald hier bald dort an dem Glase an, verunreinigt dasselbe, zeigt sich zu träge, und die Kuppe ist nicht mehr regelmäßig abgerundet, so daß der Fehler dem Auge sichtbar wird und das Wetterglas keinen Käufer findet.

Anfänglich schien es mir, nach demjenigen was ich über die Anfertigung der Barometer von Andern hörte und darüber las, daß chemischreines, durch Destillation aus dem Zinnober dargestelltes Quecksilber, unentbehrlich sey. Solches chemisch-rein seyn sollendes Quecksilber habe ich mit dem doppelten und dreifachen Preis bezahlt, wofür man gutes Quecksilber hier bei den Materialisten bekommt, und doch fand ich später, als ich selbst mehr Einsicht in der Sache gewonnen hatte, daß man durch Kochen mit wenig sehr verdünnter Salpetersäure, bei etwa 1 Procent Verlust am Material, das Quecksilber in kurzer Zeit so reinigen kann, daß es mindestens eben so brauchbar ist als das auf jenem Wege dargestellte.20)

|193|

Durch eine zweimalige Behandlung mit Salpetersäure habe ich Quecksilber, welches eine hiesige Materialhandlung um einen mäßigen Preis liefert, in dem Maaße gereiniget, daß die Lösung durchaus kein Blei (die gewöhnlichste Verunreinigung des Quecksilbers) mehr enthielt und bei einer Temperatur von + 10° R. das salpetersaure Quecksilber in großen schneeweißen Krystallen anschoß, was bei dem zuerst genannten theuren Quecksilber nicht so der Fall war. Ob jenes theure Quecksilber von den Lieferanten wirklich aus Schwefel-Quecksilber durch Destillation dargestellt wird, ist freilich sehr zweifelhaft.21)

Es wäre nach meiner Ansicht wünschenswerth, ein in der Praxis (von den Barometermachern etc.) leicht anwendbares Mittel zu besitzen, wodurch sich erkennen 22) ließe, ob ein Quecksilber ganz frei von Oxydul ist. Man hat vorgeschlagen, das Quecksilber durch eine Tute von weißem Papier laufen zu lassen, wobei man, wenn das Papier nicht geschwärzt wird, schließen dürfe, daß das Quecksilber frei von Oxyd ist; ich muß jedoch bemerken, daß ich mir bis jetzt kein Quecksilber verschaffen konnte, welches das Papier der Tute gar nicht schwärzte; diese Anforderung dürfte, streng genommen, zu den Unmöglichkeiten gehören und der Natur des Quecksilbers entgegen seyn, da es bei einer solchen Filtration ohne Reibung des Quecksilbers nicht abgeht.

Zur Füllung der Barometerröhren ist, wie ich schon bemerkte, ein Quecksilber von möglichst großer Lebendigkeit erforderlich, welches mindestens, wenn man es auf einem ganz reinen glasirten, also ganz glatten Teller im Cirkel herumlaufen läßt, dann keine Schwärze absetzt. Bei solchen vergleichenden Versuchen über die Beweglichkeit und Reinheit verschiedener Quecksilberproben muß aber nothwendig der angewandte Quecksilberkörper stets gleiche Größe, etwa 3/4 Zoll im Durchmesser, haben. Bei allem Quecksilber, welches ich besitze, lassen sich durch gewisse Bewegungen des Tellers zwar die sogenannten Schwänzchen darauf erzeugen; aber je reiner das Quecksilber ist, desto schwieriger ist deren Erzeugung |194| und desto kürzer und glänzender fallen sie aus; sind sie im mindesten geschwärzt, so folgere ich daraus, daß das Quecksilber noch nicht zu Barometern brauchbar ist.

Ein anderes Mittel zur Prüfung des Quecksilbers auf seine Reinheit soll darin bestehen, daß man ein kleines Quantum davon, etwa 1/4 Loth, in einem ganz reinen eisernen Löffel abdampft und aus der Größe und der Farbe des zurückbleibenden Flecks auf die Qualität schließt. Es hat mir jedoch nicht gelingen wollen, auf diese Art zu constanten Resultaten zu gelangen; der Fleck fiel bei demselben Quecksilber mehr oder minder groß, auch mehr oder weniger braun gefärbt aus, und selbst das aus dem Zinnober dargestellte Quecksilber hinterließ eine Marke. Eine weiße Einfassung des braunen Fleckes, welche mitunter auch vorkam, scheint auf die Anwesenheit von Zinn zu deuten.

Daß es übrigens nur der Beimischung sehr kleiner Quantitäten der fremden Metalle bedarf, um das Quecksilber wesentlich zu verschlechtern, dürfte sich aus nachfolgenden Beobachtungen, welche ich in dieser Hinsicht machte, schließen lassen. Man liest hin und wieder, daß das Quecksilber im Kleinhandel bisweilen mit anderen Metallen von geringerem Werth, am häufigsten mit Blei, verfälscht wird. Ich wollte daher ermitteln, wie weit eine solche Fälschung getrieben werden kann, wozu ich einen Posten Quecksilber mit 1 Proc. Blei, einen zweiten mit 1 Proc. Wismuth, und einen dritten mit 1 Proc. Zinn versetzte, welche drei Metalle sich vollständig darin auflösten. Das im Verhältniß von 1 Proc. zugesetzte fremde Metall bewirkte jedoch in den drei Fällen, daß das Quecksilber fast alle Beweglichkeit und allen Glanz verlor, und sich in einen halbflüssigen Brei verwandelte, welchen man beliebig formen konnte. Diese Versuche dürften es demnach außer Zweifel setzen, daß Niemand in betrügerischer Absicht eine Fälschung des Quecksilbers vornehmen kann, ohne daß es leicht entdeckt wird.

Das Quecksilber, welches ich zu diesen Versuchen anwandte, war ein sehr reines; ich untersuchte nun noch mit den drei Posten, deren jeder 1 Procent von einem der genannten Metalle enthielt, wie sich die Rückstände nach dem Verdampfen des Quecksilbers in Form und Farbe zeigen. Aber die Verdampfung war bei jeder Post schwieriger als ich mir gedacht hatte; während ich mittelst der Flamme einer Kerze stets 1/4 Loth gewöhnliches Quecksilber innerhalb 15 Minuten verdampfte, ging der Proceß jetzt so wenig von statten, daß ich genöthigt war eine Weingeistlampe unter den Löffel zu stellen; aber auch mit deren Hülfe dauerte es ungewöhnlich lange bis das Quecksilber beiläufig auf 1 1/2''' im Durchmesser reducirt war, |195| worauf in allen drei Fällen die Verdampfung bald mit einer Explosion des Kügelchens endigte, so daß ich über den erwarteten Rückstand keinen Aufschluß erhalten konnte.

Diese Erscheinung ist von einigen Chemikern, welchen ich sie mittheilte, als bisher unbekannt erklärt worden, und ich glaubte sie daher um so mehr erwähnen zu müssen, weil sie hinsichtlich der Destillation des unreinen Quecksilbers im Großen beachtenswerth ist.

Aus obigen drei Versuchen folgte, daß man reines Quecksilber nicht mit 1 Proc. Blei, Zinn oder Wismuth versetzen darf, wenn es zu physikalischen Zwecken nicht ganz unbrauchbar werden soll; seitdem habe ich mich durch einen vierten Versuch überzeugt, daß das Quecksilber vom Blei selbst nicht 1/5 Proc. verträgt, und sehr wahrscheinlich selbst 1/10 Proc. noch zu viel ist.

Aber angenommen, dieses sey noch zulässig, dann läßt sich nach der Vermischungsregel, unter der Voraussetzung, daß bei der Auflösung des Bleies im Quecksilber der körperliche Raum beider Metalle nicht verändert wird, ein Schluß auf das spec. Gewicht der Mischung wie folgt machen:

beim Quecksilber ist das spec. Gew. = 13,596; das absol. = 100,0; das Product = 1359,6
„ Blei „ „ = 11,330; „ „ = 0,1; „ „ = 1,1
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
die Summen sind: = 100,1 und = 1360,7
und als spec. Gewicht der Mischung folgt: 1360,7 : 100,1 = 13,593

Dasselbe ist also noch um 0,001 besser, als ich Seite 192 in der Anmerkung annahm; es würde sich aber auf 13,590 und zwar im Minimum stellen, wenn in dem Amalgam Zinn, welches nur ein spec. Gewicht = 7,291 hat, anstatt Blei angenommen würde.

Aus dem Vorhergehenden dürfte sich entnehmen lassen: daß die Unrichtigkeit der Angabe, welche bei mehreren Barometern aus der Verschiedenheit des spec. Gewichtes ihres Quecksilbers entspringen kann, jedenfalls viel geringer ist als die Differenz, welche aus einer schlechten Füllung und Unterlassung des Auskochens entspringt; ferner, daß das spec. Gewicht von chemisch-reinem Quecksilber und solchem, welches zur Füllung der Barometer nicht mehr tauglich ist, wahrscheinlich in noch engern Gränzen eingeschlossen ist, als sich aus den Zahlen 13,596 und 13,593 ergibt.

Was endlich die specielle Einrichtung des Auskoch-Apparates für das Quecksilber der Barometer-Röhre anbelangt, so dürfte sie mit Hülfe der |196| Abbildungen aus dem, was ich anfänglich bereits darüber bemerkte und jetzt noch hinzufügen werde, ganz verständlich werden.

Fig. 1 ist der Aufriß des Apparates von vorne, in welchem übrigens die vordere Stütze für das Tischblatt fehlt und dieses unterhalb der Lampe durchbrochen ist. Fig. 2 ist ein vollständiger Aufriß von der Seite. Fig. 3 zeigt im Verticaldurchschnitt das Rohr eines Flaschen-Barometers und wie beim Auskochen ein Verlust an Quecksilber zu verhindern ist; nebstdem, wie der erhitzten Luft und den Dämpfen ein Ausweg ins Freie verschafft wird, und wie die Leitung für das Rohr einzurichten ist, damit die Flasche durchpassiren kann, wenn die Leitung nicht mehr nöthig ist. Fig. 4 zeigt einen Eisendraht, an dessen Obertheil ein aus dünnem Kupferblech bestehendes durchbrochenes Körbchen befestigt ist, in welchem der Kopf des Barometerrohrs während des Auskochens ruht; Fig. 5 zeigt den Grundriß des Bleches vor dem Biegen. Dieselben Theile sind in den Figuren mit gleichen Buchstaben bezeichnet. Zwischen Figur 1 und 2 befinden sich die einzelnen zwischen und an den Säulen angebrachten Theile von oben angesehen.

In Fig. 1 ist B der Kopf einer Schwelle, die mit einer zweiten A, A in der Mitte im rechten Winkel zusammengeplattet ist und welche zusammen die vier Füße des Apparates bilden. In A, A sind zwei viereckige Säulen C, C und C', C' eingezapft, durch Keile darin befestigt und oben nochmals durch das Joch D, D zusammen verbunden. An jede der beiden Säulen ist das Blatt G, G, worauf die Lampe ruht, seitwärts durch eine Holzschraube befestigt; zu weiterer Befestigung des Blattes dienen oben die Knaggen d, d und unten die Stützen E und E'. Zwischen dem Fuß des Gestelles und dem Blatte befindet sich der Schieber F, F; in dessen Mitte der Eisendraht a, b mit dem Körbchen oder der Spur b für das Glasrohr; außerhalb den Säulen die Gehänge F, g von Eisendraht zur Befestigung der Seile g, l daran. Wegen der Erhöhung des Punktes b über F ist eine directe Befestigung der Seile an dem Schieber nicht anwendbar, weil dadurch dessen leichte Bewegung zwischen den Säulen mehr oder weniger gehindert würde.

Die beiden Schnüre gehen von g aus über die Rollen I, I; sie sind hinter dem Gestell an den Enden des Querholzes K, K und eine dritte Schnur ist in dessen Mitte befestigt. Diese dritte Schnur K, L, Fig. 2, welche durch ein Loch des Tischblattes passirt, dient um den Schieber F, F sammt dem Barometerrohr nach Erforderniß hinauf oder herunter bewegen, ihn auch auf einer gewissen Höhe feststellen zu können. Zu diesem Ende wird die Schnur zwischen den Einschnitt des Holzes L eingeklemmt und herumgeschlungen.

|197|

Im Anfange der Auskochung eines Barometerrohrs, wo der Schieber F, F nur etwa 1 1/2 Zoll unter dem Tischblatt steht, und bis das Quecksilber beiläufig auf die Hälfte seiner Länge ausgekocht ist, bedarf das Rohr aber einer Leitung, die es in der Mitte des Brettes H, H in dem viereckigen Loche m des Grundrisses findet. Das Brett hat zwei Federn r, r, um es an den Säulen auf dem erforderlichen Höhenpunkt leicht stellen und festhalten zu können. Drei Seiten des viereckigen Loches m werden durch das Holz von H und die vierte Seite wird durch die innere Kante des kleinen Schiebers n gebildet. Zieht man letztem mittelst des Stiftes p gehörig, dann kann beim Auskochen eines Flaschen-Barometers (weil m vorne erweitert ist) die Flasche ungehindert das Brett passiren. Dasselbe gilt auch von dem Rohr eines Heber-Barometers. Nachdem das Rohr aus m getreten ist, findet es hinreichende Leitung und Stütze im Obertheil der Lampe.

Die Lampe besteht aus einer aus Kupferblech getriebenen Schale e, e, Fig. 1, von 3'' Weite und 1'' Tiefe, in deren Mitte sich ein Rohr von 7/8'' Weite befindet, das nach oben bis i, i reicht und unten mit dem Fuß der Lampe eben ist. Dieses Rohr paßt in eine Büchse, welche in dem Tischblatt festsitzt und etwa 1/4'' vorspringt.

Zur Concentrirung der Hitze des in dem Gefäße brennenden Weingeistes ist der umgekehrte Trichter c, u, u, c etwa 1/2'' über dem Gefäße und mit drei Füßen auf dessen Rand ruhend angebracht; oben endigt er sich in einen Cylinder von 1/4'' Höhe und 1'' Weite. Nur innerhalb dieses Cylinders und 5/8 bis 3/4'' darüber findet das Kochen des Quecksilbers im Glasrohre statt.

Einestheils zur Ablenkung der Flamme von den höhern Theilen des Glasrohrs, anderntheils um dieses nicht ohne Leitung zu lassen, nachdem es diejenige in dem Holze verlassen hat (zugleich auch um es möglichst central in der Flamme zu erhalten), befindet sich über dem umgekehrten Trichter ein zweiter v, v in gewöhnlicher Lage mit nach unten gestülptem Rand.

Die Trichter sind durch zwei Blechstreifen von 3/8'' Breite und Nieten mit einander verbunden. In den oberen wird ein Ring von Kupfer- oder Messingblech gelegt, mit so weiter Oeffnung im Centrum, daß das Glasrohr noch den nöthigen Spielraum behält.

Ist ein gerades Rohr bis zum höchsten Punkt seiner Füllung mit Quecksilber ausgekocht, dann hat es keine Schwierigkeit, die Lampe an dem hölzernen Handgriff abzunehmen; hat man aber das Rohr eines Flaschen- oder Heber-Barometers ausgekocht, dann muß es vorher mittelst |198| einer am gebogenen Theil befestigten, durch das Auge x am Joch D, D laufenden Schnur in die Höhe gezogen werden.

Man kann wohl ohne Gefahr für das Glasrohr den Aufsatz v, v weglassen, wenn dafür dem Rohr in dem cylindrischen Theil u, u des umgekehrten Trichters eine Leitung, bestehend aus drei oder vier Stiften von Platindraht, gegeben wird. Der Vortheil bestünde darin, daß sich in der senkrechten Richtung weitere 2 1/2 bis 3'' der Quecksilberhöhe auskochen ließen, als die jetzige Einrichtung der Lampe für gebogene Röhren gestattet.

Wer indessen auch bei diesen das Auskochen bis zum äußersten Punkt treiben will, mag, wenn er in senkrechter Richtung nicht weiter kam, das Rohr aus der Lampe herausnehmen und den Rückstand des Quecksilbers, mit Hülfe derselben Weingeistlampe, wie gewöhnlich in schräger Richtung des Rohrs auskochen. Die Hauptarbeit hat dann auch in diesem Fall schon der Apparat verrichtet.

Bezüglich Fig. 3 ist noch zu bemerken, daß das Röhrchen z von Schwarzblech angefertigt seyn muß, weil Kupfer von heißem Quecksilber angegriffen wird.

Brünn, im April 1854.

|192|

Es besitzt nämlich die nöthige Lebendigkeit und ist hinreichend rein, um mindestens das Glas nicht zu schwärzen und sich daran anzulegen. Stellt sich aber ein solches Quecksilber bei einem Barometerstand von 28'' oder 336''', z.B. um 1/10''' höher, so kann dieß ja von der Capillar-Depression abgezogen werden.

Nach Regnault's Untersuchung (Bd. CXVII S. 12 dieses Journals) hat chemisch-reines Quecksilber von 0° im Vergleich mit destillirtem Wasser von + 4° C. ein spec. Gewicht von 13,596, wie auch Kopp fand. Nehmen wir nun an, ein für Barometer noch ganz brauchbares Quecksilber habe 13,592 spec. Gewicht, so stellt sich die Säule von 336''' auf: 13,592 : 13,596 = 336 : x = 336,1, also wie gesagt nur um 0,1''' höher. A. d. Verf.

|193|

Eine Methode chemisch-reines Quecksilber darzustellen, gab Millon an, im polytechn. Journal, 1847, Bd. CIII S. 398. Ebendaselbst ist das Verfahren von Ulex mitgetheilt, das Quecksilber durch Behandlung mit Eisenchlorid zu reinigen, welche Methode für die Anwendung desselben zu Barometern vollkommen ausreichend seyn dürfte. A. d. Red.

|193|

Um das Quecksilber von Oxyd zu befreien, welches dasselbe schwer beweglich macht, schüttelt man dasselbe nach Dr. Mohr's Vorschrift mit kalter verdünnter Salpetersäure oder mit warmer verdünnter Schwefelsäure, und wascht es dann mit viel Wasser aus. A. d. Red.

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