Titel: Miscellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1854, Band 133 (S. 73–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj133/ar133mi01

  Miscellen.

Dampfmaschine mit drei Cylindern, von Hrn. Legavrian, Maschinenbauer zu Lille.

Dieses neue Maschinensystem besteht darin. daß zwei große Cylinder bei jedem Kolbenzuge nach einander von dem Dampf gespeist werden. der aus einem dritten kleinem Cylinder ausströmt. Der Kolben des letztern theilt seine Bewegung einer liegenden Welle mit, die eine doppelte Geschwindigkeit von denjenigen hat, welche durch die Kolben der großen Cylinder bewegt werden. Man erlangt dadurch direct eine weit größere Geschwindigkeit als bei den Woolf'schen Maschinen, obgleich die |74| großen Kolben nur 1 Meter in der Secunde durchlaufen. Diese Einrichtung gewährt den Vortheil, den Mechanismus zu vereinfachen und die Maschine leichter zu machen.

Indem wir uns eine Beschreibung dieses Systems vorbehalten, theilen wir jetzt die Resultate mit, welche der Constructeur mit einer ersten Maschine von 50 Pferdekräften, während einjährigen Betriebes, erlangt hat, der Tag und Nacht fortging und die Triebkraft für eine Flachs- und Baumwollspinnerei lieferte.

Am Tage betreibt diese Maschine: 1) 3500 Flachsspindeln mit einer Geschwindigkeit von 3800 Umgängen in der Minute, nebst Vorbereitungsmaschinen; 2) 7000 Baumwollspindeln und deren Vorbereitungsapparate; 3) eine große Kautschuk-Schneidemaschine, deren Triebkraft auf 10 Pferdekräfte geschätzt wird. Der Dampfdruck im Kessel beträgt 4 1/2 Atmosphären. Ein Theil des Dampfes wird auch zur Erwärmung von 30 Trögen der Leinen-Webestühle und im Winter zur Heizung der Baumwollenweberei benutzt.

Während der Nacht bewegt die Maschine acht Kautschuk-Walzen, welche etwa 40 Pferdekräfte verbrauchen; der Dampfdruck beträgt alsdann 2 1/2 Atmosphären. Einen Theil des Dampfs verbraucht man auch zur Erwärmung der Walzen und Apparate zum Vulcanisiren des Kautschuks.,

Die Maschine ist auf diese Weise seit einem Jahre im ununterbrochenen Gange. (Aus Armengaud's Publication industrielle, t. IX p. 149. – Man vergl. die betreffende frühere Mittheilung im polytechn. Journal Bd. CXXIX. S. 6)

Bericht des Lieutenants F. M. Maury, Director der Sternwarte zu Washington, über die Möglichkeit einer Telegraphen-Linie durch den atlantischen Ocean.

Das Project einer directen Telegraphen-Verbindung zwischen Irland und Nordamerika ist neuerdings wieder in Anregung gekommen. Der bekannte Hydrograph und Director der Sternwarte zu Washington, Lieutenant F. M. Maury, hat kürzlich über die Möglichkeit einer solchen Anlage, so weit sie von der Beschaffenheit des Meeresbodens abhängt, folgenden Bericht an den Secretär der Marine der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Mr. J. C. Dobbin, abgestattet:

National-Observatorium, Washington, 22 Februar 1854.

Sir! – Die Vereinigte Staaten-Brigg „Delphin“ , unter Commando des Lieutenants O. H. Berryman, war im vergangenen Sommer in besonderem Dienst verwendet, welcher mit den in diesem Amte unternommenen Untersuchungen über die Winde und Meeresströmungen in Zusammenhang stand. Seine Arbeiten erstreckten sich vornehmlich auf den Theil des Oceans, welchen die Kauffahrer, die zu Handelszwecken zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Nordamerika hin und her fahren, als große Straße benutzen.

Lieutenant Berryman benutzte diese Gelegenheit, um auch eine Reihe von Tiefe-Lothungen zwischen den Küsten von Neufundland und Irland auszuführen. Das Ergebniß derselben ist höchst interessant für die Frage über die Ausführung einer unterseeischen Telegraphen-Leitung quer durch den Ocean, so weit dabei die Beschaffenheit des Seebodens in Betracht kommt; ich erlaube mir daher, dasselbe zum Gegenstande eines besonderen Berichtes zu machen.

Diese Linie von Tiefemessungen scheint die Frage der Ausführbarkeit eines unterseeischen Telegraphen zwischen beiden Continenten, wenigstens so weit dieselbe von der Beschaffenheit des Meeresbodens abhängt, zu entscheiden.

Von Neufundland bis Irland beträgt die Entfernung zwischen den nächsten Punkten etwa 1600 Seemeilen;16) und der zwischenliegende Meeresboden ist ein |75| Plateau, welches wie ausdrücklich dazu geschaffen erscheint, die Drähte eines unterseeischen Telegraphen zu tragen und dieselben außer dem Bereiche von Beschädigungen zu halten. Es liegt weder zu tief noch zu seicht; doch ist es so tief, daß die Drähte, wenn sie einmal eingesenkt sind, für immer aus dem Bereiche von Schiffsankern, Eisbergen und Reibungen aller Art seyn werden; andererseits ist es seicht genug, um die Drähte leicht auf den Meeresboden niederlegen zu können. Die Tiefe dieses Plateau ist ganz regelmäßig; sie wächst von den Küsten Neufundlands an gegen die andere Küste hin von 1500 bis 2000 Faden (9000 bis 12,000 engl. Fuß).

Die Entfernung zwischen Irland und Cap St. Charles oder Cap St. Lewis auf Labrador ist etwas geringer als die Entfernung von irgend einem Punkte Irlands nach dem nächsten Punkte auf Neufundland. Ob es aber besser ist, die Drähte von Neufundland oder von Labrador aus zu führen, soll hier nicht untersucht werden, noch habe ich die Absicht, hier zu erörtern, ob es möglich seyn werde eine Zeit zu finden, welche windstill genug und in welcher die See ruhig genug für eine solche Arbeit ist, ob es möglich ist einen so langen Draht herzustellen, und ein Schiff zu finden, groß genug, um ein Drahtseil von 1600 Meilen Länge aufzunehmen und einzusenken; wiewohl ich nicht zweifle, daß der Unternehmungsgeist und der Scharfsinn unserer Zeit, sobald er sich mit diesen Aufgaben zu beschäftigen haben wird, eine ausführbare und befriedigende Lösung derselben finden wird. Ich befasse mich hier mit der Frage nur so weit, als sie den Boden des Meeres betrifft, und in dieser Hinsicht werden sich meines Erachtens die größten praktischen Schwierigkeiten erst dann finden, wenn man an beiden Enden der Leitung seichtes Wasser erreicht, nicht aber in der tiefen See.

Ich lege hierbei eine Karte vor, welche das Tiefenprofil des atlantischen Oceans darstellt, gemäß Tiefenmessungen, welche von Zeit zu Zeit an Bord von Schiffen der Staats-Marine in Folge der vom Chef des Bureau of Ordnance and Hydrography ertheilten Instructionen ausgeführt worden sind. Diese Karte ist das 14te Blatt in der 6ten Ausgabe von Maury's Sailing Directions.“ Man wird aus derselben ersehen, daß wir durch jene einfache Mittel eine ziemlich gute Vorstellung von der Gestaltung des Theiles der Erdrinde gewonnen haben, welcher unter dem atlantischen Ocean liegt, und dessen Boden bildet.

Ein Draht, welchen man zwischen den genannten Punkten einsenkt, würde nördlich von der großen Bank von Neufundland vorbeigehen, und auf dem erwähnten schönen Plateau liegen, in dessen unmittelbarer Nähe die Gewässer des Meeres so still und so vollkommen ruhig zu seyn scheinen, wie am Boden eines Mühlteiches.

Es scheint angemessen, die Gründe für die Annahme auseinanderzusetzen, daß am Seeboden auf diesem „Telegraphen-Plateau“ keine merkbaren Strömungen und keine abreibenden Kräfte in Thätigkeit sind. Ich ziehe diesen Schluß aus einer physikalischen Thatsache von der. als ich sie erforschte, ich wenig ahnte, daß sie eine solche Tragweite haben würde. Es ist überflüssig, bei dieser Gelegenheit darauf hinzudeuten, welche wichtige Keime oft sogar in den anscheinend unerheblichsten physikalischen Thatsachen ruhen.

Lieutenant Berryman hatte nämlich mittelst Brock's Tiefsee-Sonde Proben von dem Seeboden auf diesem Plateau gewonnen, die ich Hrn. Prof. Bailey von West-Point zur mikroskopischen Untersuchung übersandte. Dieser ausgezeichnete Naturforscher kam meinem Wunsche bereitwilligst nach, und fand zu seinem großen Erstaunen, so wie auch zu dem meinen, als ich das Ergebniß erfuhr, daß alle diese aus der tiefen See herausgezogenen Boden-Proben erfüllt sind mit mikroskopischen Muschelschalen; nach seinen eigenen Worten „fand sich in denselben nicht ein Körnchen Sand oder Kies17).“

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Diese Muschelschälchen thun demnach dar, daß an dem Seeboden von wo sie heraufgezogen worden, keine Strömungen vorhanden sind und daß Brock's Sonde sie da fand, wo sie, nachdem sie an der Oberfläche der See gelebt hatten und bei ihrem Absterben allmählich niedergesunken waren, zur Ruhe gelangten. Wären Ströme am Seeboden vorhanden gewesen, so würden dieselben Trümmer des Seebodens, wie Schlick (oaze), Sand und Kies und andere Stoffe abgerieben und fortgeführt und mit jenen mikroskopischen Resten vermengt haben; es fand sich aber nicht ein Körnchen Sand oder Kies zwischen denselben. Dieß führt auf den Schluß, daß die See in diesen Tiefen weder durch Wellen noch durch Strömungen bewegt wird.

Es würde also daselbst ein Telegraphendraht, sobald er einmal eingesenkt ist, ebenso vollständig außer dem Bereiche von Unfällen seyn, wie wenn er in luftdichten Kapseln eingegraben wäre. Demnach ist, so weit die Beschaffenheit des Bodens der tiefen See zwischen Neufundland oder dem North-Cap an der Mündung des St. Lorenz-Stromes und Irland dabei in Betracht kommt, die Ausführbarkeit einer unterseeischen Telegraphen-Leitung quer durch den atlantischen Ocean nachgewiesen.

Die gegenwärtigen Verhältnisse Europa's verleihen der Anlegung einer Telegraphenleitung durch den atlantischen Ocean ein hohes Interesse für die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten. Ein allgemeiner europäischer Krieg scheint jetzt fast unausbleiblich; die Haltung, welche unser Staat in Bezug auf alle betheiligten kriegführenden Mächte einnehmen wird, ist die einer strengen und unparteiischen Neutralität. Um die Regierung besser in den Stand zu setzen jene Haltung zu behaupten, und um dem Volke der Vereinigten Staaten möglich zu machen, alle Vortheile einer solchen Stellung zu benutzen, würde eine telegraphische Verbindung mit Europa von unberechenbarem Nutzen seyn.

Dieser Ansicht von der Sachlage gemäß, und um die Ausführung einer solchen Linie zu beschleunigen, nehme ich mir die Freiheit Ihrer Erwägung zu empfehlen, ob es nicht angemessen wäre, von Seiten der geeigneten Behörde einen Preis auszusetzen für die Telegraphen-Compagnie, deren Telegraphendraht die erste Depesche quer durch den atlantischen Ocean befördern wird.

Ich habe die Ehre etc. etc.

M. F. Maury,
Lieutenant der Vereinigten Staaten-Marine.

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Zur Verwirklichung dieser Idee soll sich bereits eine Compagnie in New-York gebildet und von der englischen Regierung die ausschließliche Concession dazu nachgesucht haben, welche ihr nothwendig erscheint, um andere Concurrenten in den Vereinigten Staaten auszuschließen.

Bekanntlich wurde das erste Project einer telegraphischen Verbindung zwischen Europa und Nordamerika bereits im Laufe des Jahres 1852 von den Ingenieuren C. W. und J. J. Harrison aufgestellt. Nach ihrem Vorschlage sollte die Leitung von der nordöstlichsten Spitze von Schottland über die Orkney-Inseln, die Shetland-Inseln und die Faroer-Inseln nach der Südostküste von Island, dann quer durch diese Insel nach deren entgegengesetztem Ende und von da nach der Ostküste von Grönland bei der Insel Graah geführt werden. Von hier sollte die Leitung zu Lande bis Julianeshaab und endlich durch die Davisstraße nach Labrador laufen. Die ganze Länge dieser Linie war auf 2500 englische Meilen veranschlagt; dagegen würde ihr unterseeischer Theil, nach der Angabe der Herren Harrison, nicht nur um ein 1/3 kürzer als eine directe transatlantische Linie, sondern auch wegen der Zusammensetzung aus mehreren Abtheilungen bei weitem leichter herzustellen und zu unterhalten seyn. Die Beschaffenheit des Meeresbodens wird auch hier günstig genannt. (Zeitschrift des deutsch-österreichischen Telegraphen-Vereins, Mai 1854, S. 142.)

Mittel zum schnellen Befestigen und Oxydiren der Thonerde und Eisenmordants (Maturirsalze).

Zur Anfertigung der ächten Krapp- und Garancin-Druckartikel wird das Gewebe bekanntlich mit essigsaurer Thon- und Eisenbeize bedruckt, und einige Tage lang aufgehängt, damit durch Verdunsten der Essigsäure und Oxydation des Eisenoxyduls zu Eisenoxyd die Mordants sich auf der Faser befestigen. Um diese zeit- und platzraubende Operation zu umgehen, hat man in neuerer Zeit Mittel vorgeschlagen, den dabei vorliegenden Zweck in kürzerer Zeit zu erreichen, auch solche unter dem Namen Maturirsalz in den Handel gebracht. Die Wirkung dieser Mittel, mit denen man die Waare vor dem Bedrucken imprägnirt, besteht darin, daß sie die Basen aus den Mordants auf die Faser niederschlagen und zugleich das Eisenoxydul höher oxydiren. Solche Mittel sind unserer Quelle zufolge das salpetersaure und das arseniksaure Ammoniak. Beide sollen durch das Ammoniak die Basen niederschlagen und durch die Salpetersäure oder Arseniksäure das Eisenoxydul höher oxydiren, während bei Anwendung der letzteren zugleich unlösliche Verbindungen von Thonerde und Eisenoxyd mit Arseniksäure entstehen, die beim nachherigen Färben angenehme Nuancen liefern sollen. Als vorzüglich wirksam wird auch eine Mischung von salpetersaurem Ammoniak und chlorsaurem Kali empfohlen. (Deutsche Musterzeitung, 1853, Nr. 9.)

Unveränderlicher chemischer Tupfballen zum Schwärzen der Stempel etc., von C. Plancher, Apotheker zu Paris.

Bisher besaß man noch keine Tupfballen, womit man durch vollkommen gleiche Vertheilung der Schwärze auf dem Stempel einen reinen Abdruck erhalten konnte und welche sich zugleich unveränderlich conservirten. Die gewöhnlichen Tupfballen bestehen aus einem mit Tuch überzogenen Kiffen, daher sie sich schnell abnützen und ihr Ueberzug bald zerreißt; andere, welche Melasse und Tischlerleim enthalten, trocknen in kurzer Zeit aus und werden hart.

Hr. Plancher suchte daher diesen Uebelständen abzuhelfen und einen Tupfballen herzustellen, welcher ganz unveränderlich bleibt und dabei die Schwärze in gleichförmiger Weise auf dem Stempel vertheilt, so daß man einen Vollkommen reinen Abdruck erhalten kann.

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Dieß gelang ihm durch Vermischen von Tischlerleim als halb-feines Pulver mit einer Auflösung von Kochsalz. Das Verhältniß welches die besten Resultate gab, ist: Leim, 100; Kochsalz, 10; Regenwasser, 30.

Die Masse welche man erhält, ist ein weicher Teig, von brauner Farbe, und ganz unveränderlich. Die Erfahrung ergab, daß ein größeres Verhältniß von Salz den Teig viel weicher macht, während hingegen, wenn man das Verhältniß des Salzes vermindert, die Masse härter wird. Er schreibt daher der Verwandtschaft des Salzes zum Wasser die Unveränderlichkeit seines Tupfballens zu, welcher immer weich bleibt; jedes andere Salz, welches eine große Verwandtschaft zum Wasser hat, würde ohne Zweifel ein ähnliches Resultat geben; der Erfinder zieht aber das Kochsalz vor, weil es nicht nur wohlfeil ist und ein homogenes Product liefert, sondern auch die Eigenschaft besitzt, die thierischen Substanzen und insbesondere den Leim gut zu conserviren.

Um den Teig zu bereiten, löst man das Kochsalz in Wasser auf, dann filtrirt man; man gießt die Auflösung zum Leim und läßt letztern im Wasserbad bei der Temperatur des kochenden Wassers zergehen.

Der Erfinder setzt gern ein wenig Lavendelöl zu, um dem Teig einen angenehmeren Geruch zu ertheilen. Man kann diesen Teig auch durch Zusatz von Farbstoffen, z.B. Schwärze, Ultramarinblau, Zinnober etc., beliebig färben.

Um sich dieses Tupfballens zu bedienen, verbreitet man auf demselben eine Schicht Schwärze mittelst einer kleinen hölzernen Walze. Nachdem die Schwärze darauf verbreitet ist, braucht man nur ein einziges Mal den Stempel auf den Ballen zu drücken. Man erhält einen sehr reinen Abdruck, man mag stark oder schwach aufgedrückt haben, übrigens ist ein unbedeutendes Drücken ausreichend. (Armengaud's Génie industriel, Juni 1854, S. 294.)

Die Bestandtheile der Zuckerrübenrückstände, nach Schützenbach's Methode, und der Werth derselben als Futter; von Dr. G. F. Walz.

Man hat bisher und nicht ohne Grund dem Schützenbach'schen Verfahren in der Zuckerfabrication (der Anwendung getrockneter Rübenschnitte zur ununterbrochenen Zuckerfabrication) den Vorwurf gemacht, daß dasselbe der Landwirthschaft directen Nachtheil bringe. Dieser Nachtheil bestand vornehmlich darin, daß die Rübenrückstände nicht mehr als Viehfutter benutzt werden konnten, sondern höchstens als Dünger Verwendung fanden. – Die Direction der größten Rübenzuckerfabrik in Deutschland, Waghäusel, hat sich vielfach bemüht, diesen Vorwurf zu beseitigen, indem sie verschiedenartige Wege einschlug, die Rückstände für das Vieh noch genießbar zu machen. Es ist ihr dieß in der That gelungen: die Rübenschnitze, welche aus den Extractionscylindern genommen worden, werden zur Entfernung der löslichen Kalksalze und des mechanisch anhängenden Kalkes vielfach mit reinem Wasser gewaschen und dann entweder noch feucht, oder getrocknet mit Spreu, Häckerling oder Kleie gefüttert. – In der Fabrik selbst, die, beiläufig gesagt, jährlich 1,500,000 Cntr. Rüben verarbeitet, hat man Versuche mit der Fütterung angestellt, und die schönsten Resultate erzielt. Es wurden dort Ochsen, Kühe, welche Milch gaben, und Rinder damit gefüttert, alle hielten sich gesund, und nahmen an Milch- und Fleischproduction zu. – Zu Anfang der Fütterung hat es einige Schwierigkeit, bis die Thiere sich an dasselbe gewöhnt haben, und war es getrocknet, so muß es 6 Stunden vorher mit frischem Wasser eingeweicht werden.

Nachdem ich mich an Ort und Stelle über die Verwendung dieser Rübenrückstände überzeugt und mit der Direction deßhalb Rücksprache genommen hatte, war es von großem Interesse zu erfahren, welchen chemischen Bestand die fraglichen Rübenschnitze noch besitzen.

Beim Verbrennen derselben blieb eine Asche von weißer Farbe, welche aus den ganz trockenen dargestellt, 26,5 Proc. betrug.,

Diese Asche war natürlich ungemein reich an Kalk und enthält folgende Bestandtheile in 100 als Mittel von zwei Analysen:

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Kali 2,779
Kalk 33,290
Magnesia 4,590
Eisenoxyd 4,133
Phosphorsäure 3,882
Schwefelsäure 1,352
Kieselerde 4,570
Chlor 0,062
Kohle und Sand 25,042
Kohlensäure 20,300
–––––––
Summa 100,00.

Jene 73,5 Proc., welche verbrennen, sind eine sehr stickstoffreiche Faser, und es wurden mit dem ganz trockenen Pulver zwei Verbrennungen mit Natronkalk vorgenommen:

1) 0,361 Gramme lieferten Platinsalmiak 0,051.

2) 0,543 Gramme gaben Platinsalmiak 0,062. – Sonach berechnet sich der Stickstoffgehalt auf 3 Procent.

(Neues Jahrbuch für Pharmacie, herausgegeben von G. J. Walz und J. L. Winckler. Speyer, 1854.)

Ueber die Aufbewahrung der medicinischen Blutegel; von Hrn. Ch. Fermond.

Vergleichende Versuche über die Conservirung der Blutegel lieferten dem Verfasser folgende Resultate:

1) daß das Seine- und Regenwasser den Blutegeln besser zusagen, als das Wasser aus dem Ourcq-Canal und namentlich als das gypshaltige Wasser der Pariser Brunnen;

2) daß Fayence – Gefäße zu ihrer Aufbewahrung den gläsernen oder glasirten thönernen bei weitem vorzuziehen sind; letztere hingegen, den meistens gebräuchlichen Steinzeug-Gefäßen;

3) daß die Dunkelheit für die Conservirung der Blutegel nachtheilig und es zweckmäßiger ist, sie an das gewöhnliche Tageslicht zu setzen;

4) daß selbst unter den günstigsten Umständen die Aufbewahrung der Blutegel in Wasser bei weitem nicht so vortheilhaft ist, wie ihre Aufbewahrung in der Erde; während im erstern Fall die Sterblichkeit nahezu drei Viertheile betrug, belief sie sich im letztern Fall in derselben Zeit auf höchstens ein Fünftheil;

5) daß dennoch bei ihrer Aufbewahrung in Erde mehrere Uebelstände stattfinden, welche der Verfasser durch eine Vorrichtung, die er tragbaren Sumpf nennt, zu beseitigen suchte;

6) daß die Hauptvorzüge dieser „tragbaren Sümpfe“ folgende sind: a) leichte Erneuerung der Luft in ihrem Innern. indem die Blutegel durch einen besondern Kunstgriff zu entschlüpfen verhindert werden, ohne daß man sie mit Linnen- oder sonst einem Zeuge zu bedecken braucht; b) leichte Ersetzung des verdorbenen Wassers durch frisches, reines Wasser, mittelst Verdrängung von unten nach oben, wobei die Erde selbst ausgewaschen und von den sie etwa verunreinigenden übelriechenden Stoffen befreit wird;

7) daß diese tragbaren Sümpfe mittelst einer unbedeutenden Abänderung zur Aufbewahrung auswärtiger Blutegel, welche eine lange Seereise zu bestehen haben, sehr geeignet werden. (Comptes rendus, April 1854, Nr. 14.)

Verhinderung des Absterbens der Goldfische.

Nach einer Mittheilung in der Versammlung naturforschender Freunde in Berlin wird das Absterben der Goldfische, die man in Gläsern zu halten pflegt, leicht |80| dadurch verhindert, daß man junge Pflänzchen der Pista Clatensis (Familie der Lemnaceen), die sich auf diese Weise vortrefflich cultiviren läßt, in die Gläser legt. (Würzburger gemeinnützige Wochenschrift, 1854, Nr. 27.)

Kaukasisches Insektenpulver.

Gegen Wanzen, Flöhe. Motten, Ameisen und andere Insecten kommt gegenwärtig ein Mittel im Handel vor, das trotz seiner bewährten Wirksamkeit noch viel zu wenig bekannt zu seyn scheint. Ursprünglich bloß in Persien im Gebrauch, ist es bereits seit längerer Zeit in unseren Apotheken unter dem Namen „Kaukasisches Insectenpulver“ zu haben und besteht aus den Blüthen und Blättern des Pyrethrum caucasicum. Es betäubt und tödtet durch seinen eigenthümlichen – für Menschen und größere Thiere durchaus unschädlichen – Geruch die Insecten. Man wendet es theils trocken, theils als Tinctur an, welche durch mehrtägiges Ausziehen aus 2 Thln. Pulver und 12 Thln. Weingeist bereitet wird.

Gegen Flöhe und Ameisen reicht das einfache Ausstreuen oder selbst das Anhängen in einem Säckchen hin.

Gegen Motten sind hauptsächlich die Monate April und Mai als günstige Epochen zu bezeichnen, indem da die Thiere noch als Maden erscheinen und als solche leichter getödtet werden. Hauptsache ist dabei das gleichmäßige Verbreiten des Pulvers in alle Theile der Möbel u.s.w. Man kehrt dieselben um, löst die die Füllung bedeckende Hülle los und sucht das Pulver so viel als möglich ins Innere zu schaffen. Am nächsten Tage bringt man die Sachen wieder in ihre gewöhnliche Lage, klopft sie aus und wird dann die theils betäubten, theils getödteten Thiere herausfallen sehen. Die Wiederholung des Experiments und nachherige Bestreichung der Gurten mit Tinctur wird die gänzliche Ausrottung des Insects zur Folge haben. Will man darüber allem Zweifel enthoben seyn, so ist das Räuchern mittelst des Pulvers auf einer heißen Blechplatte, unter die Sitze und Polster geschoben, noch als rathsam zu empfehlen.

Schaben oder Schwaben und Wanzen werden durch das Streuen des Pulvers, Ausklopfen und Räuchern der Matratzen u.s.w., wie oben angegeben, ebenfalls entfernt; dagegen sind, als hauptsächliche Aufenthaltsorte der Wanzen, die Ritzen und Ecken der Bettstellen und Tapeten mit Tinctur anzustreichen. (A. a. O.)

Vorschrift zur Vertreibung der Motten, Fliegen, Mücken etc.

Zur Vertreibung der Motten wendet man einer älteren Vorschrift zufolge, bekanntlich auch gewisse flüchtige Oele an. So tränke man z.B. in einer Mischung aus Lavendelöl, ätherischem Wermuthöl, von jedem 4 Loth, Terpenthinöl 1 Loth, in ein Glas zusammengewogen, und durch Schütteln in einander gebracht, Streifen von Maculatur- (Fließ-) Papier, und lege dieselben in die Taschen, in das Futter oder in die Säume der Kleider.

Fliegen von den Spiegeln und sonstigen Meubles etc. ferne zu halten, reibe man die zu beschützenden Gegenstände an einigen Punkten mit Lorbeerlack ein, dessen Geruch alle Fliegen vertreibt oder betäubt.

Mücken, Schnacken etc. aus einem Zimmer zu vertreiben. Man schließe Fenster und Thüren, rühre Honig mit etwas Wein an, bestreiche damit das Aeußere einer Glaslaterne, in die man einige Stunden vor dem Schlafengehen ein brennendes Licht stellt. Alles fliegende Ungeziefer bleibt an der Laterne hängen. (A. a. O.)

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Von Cap Freels auf Neufundland bis Erris Head in Irland beträgt die Entfernung 1611 Seemeilen, von Cap Charles oder Cap St. Lewis auf Labrador bis zu demselben Punkte Irlands 1601 Seemeilen.

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Prof. Bailey hat seitdem das Ergebniß dieser mikroskopischen Untersuchung selbst bekannt gemacht unter dem Titel: Examination of some Deep Soundings from the Atlantic Ocean; by J. W. Bailey, (Silliman's Journ. XVII. No. 50. p. 176). Es waren ihm 6 Proben des Seebodens zur Untersuchung übergeben worden, von denen 5 aus größeren Tiefen, nämlich:

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1)unter42° 4'nördl.Breiteund29° 0'westl.Längeaus1080FadenTiefe
2)44° 41'24° 35'1360
3)49° 56' 30''13° 13' 45''1580
4)47° 38' 9° 8'1800
5)54° 17'22° 33'2000

und eine sechste aus seichtem Gewässer in der Nähe von Neufundland, nämlich: unter 42° 53' 30'' nördl. Breite und 50° 5' 45'' westl. Länge aus 175 Faden Tiefe gefördert worden. Er fand, wie im Texte angegeben, daß diese Bodenproben fast ausschließlich kalkige Schalen mikroskopischer Muscheln aus der Familie der Foraminiferen (Polithalamien nach Ehrenberg), namentlich von der Species Globigerina, enthielten, vermischt mit einem feinen, aus Trümmern solcher Schalen bestehenden Kalkmehle ohne ein Körnchen Sand oder Kies. Er fand aber ferner, abweichend von Maury's obiger Angabe, daß jene Thierchen, deren Schalen den Seeboden bilden, weder in den an den Lothungsstellen in verschiedenen Tiefen geschöpften und ihm zur Untersuchung übergebenen Seewasserproben, noch in den seichten Gewässern an der Küste von Neufundland lebend vorkommen, und läßt es dahingestellt, ob dieselben in so großer Tiefe leben, oder ob ihre Schalen, wie Wohl wahrscheinlicher, durch Meeresströmungen, etwa den Golfstrom, von weit her herbeigeführt und daselbst abgelagert seyen. Hrn. Maury's Schlußfolgerung selbst wird übrigens hierdurch nicht wesentlich modificirt: der Umstand, daß diese leichten Theilchen sich ablagern konnten, würde beweisen, daß das Wasser unmittelbar über dem Meeresboden ungewöhnlich ruhig ist.

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