Titel: Kayser, über steinerne Zapfenlager.
Autor: Kayser, C. W.
Fundstelle: 1854, Band 134, Nr. XLIX. (S. 173–175)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj134/ar134049

XLIX. Einiges über steinerne Zapfenlager; von C. W. Kayser in Charlottenburg.

Aus der Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, August 1854, S. 110.

Im polytechn. Journal Bd. CXXI S. 157 wurde über eine neue Art von Zapfenlagern, schon vielfältig im sächsischen Erzgebirge angewandt, berichtet; sie bestehen der Beschreibung nach aus einer Abart des schwärzlich blättrigen Gypses, dem sogenannten Katzenstein. Durch diese Notiz angeregt, erlaube ich mir nun, folgende hierher gehörige Erfahrungen mitzutheilen.

Jeder Techniker weiß, wie wenig zuverlässig gußeiserne Zapfenlager für liegende schwere Zapfen sind und auch oftmals diejenigen, welche aus Messing oder ähnlichen Legirungen (Rothguß) angefertigt werden. Daher hat man die weit billigere Legirung von Blei und Antimon benutzt, und auch da mit Erfolg angewandt, wo die Zapfenlager trocken liegen, d.h. wo die Schmiere nicht durch Wasser weggewaschen wird. Ist aber letzteres der Fall, so adhärirt das Eisen bald aus Hartblei, dicke Späne werden abgerieben und das Lager wird durch die Verrückung der Welle bald unbrauchbar. In diesem Falle nun ist man gezwungen, wenn nicht zu messingenen, doch zu gußeisernen seine Zuflucht zu nehmen. Wie oft aber Erhitzung der in solchen Lagern gehenden Zapfen und das damit im Zusammenhange stehende Loswerden desselben eintritt, wenn sich diese öfter als 15mal in der Minute umdrehen, ist hinlänglich bekannt.

Diese eben angeführten Umstände umgeht man ganz einfach durch Anwendung von steinernen Zapfenlagern. Daß zu diesem Zwecke nicht jede Gebirgsart zu gebrauchen ist, liegt auf der Hand; ich habe aber dennoch, ohne von jenen Katzensteinlagern zu wissen, von 1849 bis 1853 verschiedene Versuche gemacht, die meistens günstig ausfielen.

1) Zapfenlager von Rauchwacke aus dem Hangenden des Gypses bei Osterode am Harz. Dieser bituminöse Dolomit findet sich in Schichten von 4 Zoll bis 1 Fuß Mächtigkeit. Es sind besonders solche Stücke geeignet, wo die Zapfenlage rechtwinkelig gegen die Absonderungsfläche eingehauen werden kann. Die Mächtigkeit der Schicht, woraus Steine zu Lagern genommen werden sollen, muß wenigstens der Länge des aus der Welle hervorstehenden Zapfens gleich seyn. Die Fläche des Steins, welche auf dem Angewege oder Wellklotz ruht, sollte eigentlich eben |174| gearbeitet seyn, weil im anderen Falle durch ungleiche Vertheilung des Drucks ein Zerbrechen zu befürchten ist; sonst aber können diese Unebenheiten durch einen dauerhaften Cement ausgefüllt werden.

Hat sich nun ein in einem solchen Stein gehender Zapfen eingearbeitet (was schon nach einigen Wochen der Fall ist), so wird er nur noch wenig abgenutzt, geht gut, sowohl trocken wie naß, und verbraucht wenig Schmiere. – Lager dieser Art sind in Osterode, sowie auch in der Bleiweißfabrik am Scheerenberge mehrfach angewandt.

2) Zapfenlager aus Grauwacke. Hierzu verwandte ich eine dichte, feinkörnige Abänderung von blauer Farbe. Sie ließ sich zwar nicht so leicht bearbeiten, wie jener Dolomit, bildete aber ein sehr gutes Lager. Obgleich die Gemengtheile verschieden hart sind, so arbeitete sich doch die Reibungsfläche sehr glatt, griff den Zapfen, obgleich er oft mehrere Tage nicht geschmiert und daher ganz trocken ging, nicht im geringsten an. Auch war die Reibung weit geringer, so daß der Zapfen nicht warm wurde, was unter gleichen Umständen bei metallenen Lagern gewiß geschehen wäre. Da ich nur Gelegenheit gehabt habe, trocken liegende Zapfen zu beobachten, so wäre es wünschenswerth, auch an einem naßliegenden einen Versuch zu machen.

3) Zapfenlager aus Gabbro. Ich wandte zu diesem Zwecke einen feinen, schwarzen, sehr zähen und harten Gabbro, wie selbiger am Randauthale bei Harzburg vorkommt, an. Vermöge der genannten Eigenschaften konnte er nur schwer bearbeitet werden und daher wurde durch den Arbeitslohn dieses Lager so theuer, wie gußeiserne. Nur eins davon habe ich länger beobachtet, weil für ein zweites noch kein passender Zapfen frei war. Auch er bewährte sich für den ihm angepaßten Zapfen eines 12- bis 14pferdekräftigen Wasserrades (ebenfalls in der schon oben erwähnten Bleiweißfabrik) sehr gut, obgleich es längere Zeit dauerte, ehe er spiegelglatt war; dann aber leistete er bessere Dienste, als jegliches Metall.

Aus dem Gesagten geht nun hervor, daß man in der Wahl eines Steines zu Zapfenlagern nicht zu ängstlich zu seyn braucht; es ist nur darauf zu sehen, daß er neben hinreichender Zähigkeit auch eine gewisse Härte besitze; hält er Quarz, so muß auch ein feinkörniges, zähes Bindemittel (Glimmer) da seyn.

Für leichtere und trockene Zapfen nun gibt es noch ein anderes Material, welches wohl mehr Beachtung verdiente, als ihm bislang gewidmet wurde, ich meine damit das Holz. Es eignen sich hierzu nur die schwereren Hölzer, die entweder fette Schmiere nicht oder doch nur |175| unbedeutend einsaugen. Hölzer, wie Ebenholz, oder, da dieses seltener zu haben ist, die härteren Farbehölzer, besonders das Rothholz, sind die empfehlenswerthesten. Oftmals wird der Gang der Fabrik durch ausgelaufene messingene Einlagen gestört, indem ein neuer Guß das Fehlende ersetzen muß, während doch ein hölzernes Lager, welches bei den obigen Voraussetzungen öfters einem messingenen gleichkommt, fast eben so schnell herzustellen ist, als das Modell zu jenem Gusse.

Dergleichen Einlagen habe ich schon mehrfach angewandt. So geht z.B. seit einem halben Jahre die Welle einer Farbholzraspelmaschine, deren Zapfen 2 Zoll Durchmesser hat, welche sich mit einer großen Schnelligkeit dreht, vier Pferdekräfte beansprucht und täglich 12 Stunden im Betriebe ist. Die Lager bestehen aus Rothholz. Der Zapfen, welcher, beiläufig erwähnt, mit Knochenöl geschmiert wird, erwärmt sich wenig und wird auch nicht so stark abgenutzt, als wenn man ein Messinglager benutzt.

Daß die Zapfenauflage auf Hirn- und nicht auf Längsfasern genommen wird, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden.

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