Titel: Miscellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1855, Band 135 (S. 393–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj135/ar135mi05

  Miscellen.

Ericsson's Luftexpansionsmaschine.

Ein mit Hrn. Ericsson persönlich bekannter Correspondent in New-York theilt uns Dd. 21. Februar d. J. mit, daß das sogenannte calorische Schiff mit einer Dampfmaschine versehen wurde (wie die Zeitungen gemeldet haben) und demnächst in See gehen wird; Ericsson nehme aber seine Versuche über die Luftexpansionsmaschine in kleinerem Maaßstabe wieder auf. Die Redact.

Die Zusammensetzung der Grubengase von Bexbach.

In den Steinkohlengruben von Bexbach in der bayerischen Rheinpfalz strömt das Grubengas in so bedeutender Menge und so constant aus einzelnen Wandlöchern abgebauter Stollen, daß man es förmlich gefaßt und zur Beleuchtung eines Stollens benutzt hat Dr. F. Keller in Speyer analysirte dieses Gas, indem er es mit Kupferoxyd verbrannte, nachdem es zuvor durch mehrere URöhren, die mit Schwefelsäure getränkten Bimsstein und Chlorcalcium enthielten, gegangen war. Die etwa beigemengte Kohlensäure wurde durch eine mit Kalilauge getränkten Bimsstein enthaltende URöhre entfernt. Das Gas war in Flaschen über Wasser aufgefangen und wurde aus diesen mittelst eines Aspirators durch die Verbrennungsröhre geleitet.

Die Analysen ergaben das Verhältniß des Kohlenstoffs zum Wasserstoff wie im reinen Sumpfgas. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Octbr. 1854, S. 74.)

Anwendung des Gaskalks zur Gewinnung von Berlinerblau.

Hr. Kraft ließ sich am 25. Juni 1850 in Frankreich folgendes Verfahren patentiren, um den Kalk, womit das Steinkohlengas gereinigt worden ist, zur Bereitung von Berlinerblau zu verwenden.

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Dieser Gaskalk enthält nicht nur Cyancalcium und Cyanammonium, sondern auch ziemlich viel freies Ammoniak. Um letzteres besonders zu gewinnen, setzt man den Gaskalk der Einwirkung eines Stromes von Wasserdampf aus und leitet das sich entbindende Ammoniak in eine Säure. Der hinterbleibende feste Rückstand des Gaskalks wird mit Wasser gehörig ausgelaugt; in diesem Wasser ist Cyancalcium und Cyanammonium aufgelöst; man gießt in dasselbe ein Eisensalz, läßt den Niederschlag sich setzen, decantirt die überstehende Flüssigkeit und gießt so oft frisches Wasser aus den Niederschlag, bis sich die blaue Farbe hinreichend entwickelt hat; er wird hierauf filtrirt, getrocknet etc.

1000 Kilogr. Gaskalk sollen bei dieser Behandlung 12 bis 15 Kilogr. Berlinerblau und 15 bis 20 Kilogr. Ammoniaksalze geben. (Brevets d'invention, t. XVII p. 159.)

Ryder's Firniß für polirte Metalle.

Die Mechaniker William und James Ryder zu Bolton-le-Moors in Lancashire, ließen sich am 24. Februar 1854 folgende Composition zum Firnissen der polirten Theile von Metallen patentiren, um solche gegen Oxydation zu schützen.

Man löst 2 Pfd. Gutta-percha, 4 Pfd. Colophonium und 2 Loth Schellack in 34 Pfd, rectificirtem Steinkohlentheeröl (von 0,85 spec. Gew.) auf, indem man das Ganze auf beiläufig 57° R. erwärmt.

Man kann dieser Composition auch verschiedene Farbstoffe zusetzen. Für einen schwarzen Anstrich ersetzt man das Colophonium durch Asphalt und das Steinkohlentheeröl durch unreines Benzin, welches aus Schieferkohlen gewonnen wird. (Repertory of Patent-Inventions, Februar 1855, S. 121.)

Bouillon's schützender Ueberzug für die Spiegelbelegung.

Das Verfahren welches sich Fr. Bouillon zu diesem Zweck am 9 Febr. 1854 in England patentiren ließ, besteht darin, an die belegte Hinterseite und die Ränder der Spiegel ein Gewebe zu kleben, welches mittelst eines Firnisses und Oelfarbe, nöthigenfalls noch durch Kautschuk, wasserdicht gemacht wird. Er beschreibt seine Methode folgendermaßen:

„Ich lege die zu behandelnde Spiegelplatte mit der nicht belegten Seite flach auf einen Tisch, welcher für große Spiegel um einen Zapfen beweglich seyn muß, so daß er nach Belieben geneigt werden kann. Dann gieße ich auf die Belegung gewöhnlichen Firniß, mit der Hälfte seines Gewichts Terpenthinöl verdünnt, und lasse ihn über die ganze Platte laufen, während ich dieselbe von Seite zu Seite neige. Den überschüssigen Firniß lasse ich nun ablaufen, und den zurückbleibenden Ueberzug an freier Luft trocknen. Zwei Tage nach dem Anbringen des ersten Ueberzugs überziehe ich die Platte mit einer zweiten Schicht, aber von nicht verdünntem Firniß, mittelst eines Kameelhaarpinsels. Letztere Operation wiederhole ich drei bis vier Mal, wobei sich jedoch der Spiegel nicht in horizontaler Lage zu befinden braucht, sondern auf seine Füße gestellt werden kann.“

„Hernach lege ich die Glasplatte auf eine ebene Fläche und breite über dem Firniß ein dickes Muslingewebe mit weiten Maschen aus, welches groß genug ist, um das ganze Glas und dessen Ränder zu bedecken. Das Muslingewebe muß vor dem Auflegen auf den Firniß gebügelt werden, um Falten zu beseitigen, auch muß man es beim Auflegen so strecken, daß sich keine Falten bilden können. Auf den Muslin gieße ich Firniß, mit der Hälfte seines Gewichts Terpenthinöl verdünnt, wodurch das Gewebe sogleich an der frühern Firnißschicht haftend gemacht wird. Dann lasse ich den Ueberschuß des Firnisses ablaufen, und nachdem der Ueberzug ganz trocken ist, trage ich mit einem Pinsel eine concentrirte Kautschuklösung auf. Der Kautschuk dringt in die Poren des Gewebes und verkörpert sich mit dem Firniß.“

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„Wenn die Kautschuklage trocken ist, wozu zwei Tage erforderlich sind, überziehe ich sie mit einer Schicht Firniß, dann mit zwei bis drei Lagen gewöhnlicher Oelfarbe. Nachdem der nun fertige Ueberzug auf dem Glast gehörig ausgetrocknet ist, widersteht er nicht nur der Reibung, sondern auch der Feuchtigkeit und schädlichen Gasarten.“

„Wenn die Spiegel nicht über See versendet werden sollen, kann man die Anwendung von Kautschuk unterlassen; in diesem Falle verfahre ich, wie angegeben, anstatt aber den Firniß zum Ankleben des Gewebes auf den Spiegel mit Terpenthinöl zu verdünnen, benutze ich dazu unverdünnten Firniß von gewöhnlicher Consistenz. – Anstatt des Muslins kann man auch stärkere Gewebe, z.B. solche von Draht, Pferdehaaren etc. anwenden.“ (Repertory of Patent-Inventions, Februar 1855, S. 158).

Eine das Chinin ersetzende organische Basis.

Hr. August Castets, Fabrikant von Fettsubstanzen zu Puteaux bei Paris, hat im Kümmelsamen ein das Chinin ersetzendes Alkaloid entdeckt, welches er Cumin nennt und wofür er sich am 24. Juli v. J. in England patentiren ließ. Die Darstellungsweise desselben ist nach der Patentbeschreibung im Repertory of Patent-Inventions, Märzheft 1855, S. 210 folgende:

1°. Der Same des römischen Kümmels wird mit kochendem Wasser extrahirt, die Lösung durch Abdampfen concentrirt und Bleiglätte zugesetzt, bis die Flüssigkeit nicht mehr sauer reagirt, worauf man das Bleioxyd theilweise mit Schwefelsäure niederschlägt.

2°. Die filtrirte Flüssigkeit wird zur Trockne abgedampft, wobei ein brauner klebriger Rückstand zurückbleibt, welcher das unreine Cumin und Extractivstoffe enthält; dieser Rückstand wird mit Alkohol behandelt, welcher über die Hälfte desselben auflöst.

3°. Die alkoholische Lösung wird zur Trockne verdampft, der Rückstand in destillirtem Wasser aufgelöst, die wässerige Lösung mit Säure (Schwefelsäure oder Salzsäure) behandelt und Ammoniak in Ueberschuß zugesetzt, welches das lösliche Salz zersetzt und reines Cumin fällt.

4°. Diese reine Basis wird wieder mit Schwefelsäure behandelt, abgedampft, und ihr schwefelsaures Salz dann in krystallisirtem Zustande erhalten.

5°. Um die andere Hälfte des Rückstands (Nr. 2), welche sich im Alkohol nicht auflöste, zu verwenden, behandelt man sie mit Schwefelsäure, dampft ab und läßt krystallisiren. Oder man zersetzt nach der Behandlung des Rückstands mit Säure das entstandene lösliche Salz durch überschüssiges Ammoniak; die gefällte reine Basis wird dann wie in Nr. 4 weiter behandelt. Um das schwefelsaure Cumin sehr rein zu erhalten, muß man es mehrmals umkrystallisiren.

Ikonometer für Photographen.

Es ist dieß ein ganz kleines Instrument, welches Reisenden zur Aufnahme von Ansichten ganz vortreffliche Dienste leisten wird.

Wenn der Photograph eine Ansicht aufnehmen und den Punkt wissen will, wo er seine Camera wird aufstellen sollen – wenn er den Effect beurtheilen will, welchen das Bild noch seiner Höhe und Breite gewähren – wenn er wissen will, wie groß er die Platte, das Papier oder Glas benöthigen wird, um eine bestimmte Ansicht aufzunehmen, wird der Ikonometer mit seinem matten Glase die Stelle seiner Camera vertreten – er wird an den verzeichneten Linien auf diesem Glase über Alles Auskunft erhalten und es ersparen, bald hier und bald dort die unbehülfliche Camera aufzustellen, um den geeigneten Platz zur Aufnahme zu ermitteln.

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Man kann so Untersuchungsreisen machen, z.B. Personen, welche einen Photographen mit der Aufnahme von Ansichten beauftragen – oder wenn der Photograph sich im voraus durch eine Reise seine Notate über die aufzunehmenden Ansichten machen und dabei keine andere Bagage mit sich führen will, als ein Instrument, das er in seiner Tasche trägt. – Es ist dieß eine kleine Camera obscura, ähnlich einem Theaterperspectiv, erfunden von dem ausgezeichneten Maler und Photographen Ziegler in Paris; an einem Ende des Instrumentes befindet sich ein Objectiv, am andern Ende das matte Glas, welches auf einer Scala im verjüngten Maaßstabe die Verhältnisse der Höhe und Breite mit Bezug auf die eigentliche Camera enthält; diese Scala läßt sich für jedes Objectiv bezeichnen. Der Operateur kann somit, wie mit einer Lorgnette in der Hand, die verschiedensten Standpunkte studiren und die Mittel zur Ausführung bestimmen.68) (Photographisches Journal, 1854, Nr. 11.)

Zubereitung des photographischen Papiers mit einer Lösung von Wachs in Terpenthinöl; nach Tillard.

Ein Liter Terpenthinöl bringt man in einer Flasche mit 25 bis 30 Grammen weißem Wachs zusammen, und läßt das Wachs sich darin auflösen, indem man die Mischung 24 Stunden lang unter öfterem Umschütteln stehen läßt. Um die Operation zu erleichtern, kann man die Flasche so viel als möglich an die Sonne stellen. Nachdem man die Lösung filtrirt hat, nimmt man 200 Kubikcentimeter derselben, und fügt 1 Gramm reines Jod hinzu, welches sich bald darin auflöst. Die Flüssigkeit, zuerst von röthlicher Farbe, nimmt bald eine gelbe Farbe an, ähnlich der einer verdünnten Chlorgoldlösung. Man gießt sie in eine Schale und taucht die Papierblätter (am besten von sächsischem Papier), welche man präpariren will, 5 Minuten lang darin ein, nimmt das Papier Blatt für Blatt wieder heraus, läßt es abtropfen, und, an einer Ecke aufgehängt, trocken werden. Wenn man es benutzen will, taucht man es einige Minuten lang in ein Silberbad (das essig-salpetersaure Silberoxyd von le Gray), dann in Wasser, und läßt es nach diesem Waschen zwischen Fließpapier trocken werden. Die folgenden Operationen sind dieselben, wie sie le Gray angegeben hat. Das so vorbereitete Papier liefert schöne Schatten, unter Erhaltung der Lichter, und gibt ein Bild von vieler Feinheit, auch nimmt es den Lichteindruck ziemlich rasch auf. (Aus Cosmos, durch polyt. Centrabl. 1654, S. 1452.)

Ueber den präparirten Catechu; von Dr. J. J. Pohl.

Unter dem Namen präparirter Catechu für Färber und Drucker wird um ziemlich hohen Preis eine Gattung Catechu verkauft, welche vor dem gewöhnlichen Handelsartikel große Vorzüge bezüglich der Ausgiebigkeit und der lebhaften, satt braunen Farbentöne darbieten soll, welche man damit erhält. Der prävarirte Catechu ist selbst im Bruche dunkler und feuriger braun gefärbt als der gewöhnliche, er enthält keine fremden Pflanzenbestandtheile, und schon das Aussehen zeigt, daß derselbe einer Erhitzung wenigstens bis zum Weichwerden ausgesetzt war. Beim Einäschern erhielt ich nur 1,5 Proc. Asche, welche Thonerde, Kali und Chromoxyd als Basen enthielt. Der Gehalt an letztgenannter Substanz, so wie das Aussehen und der verhältnißmäßig geringe Aschengehalt des präparirten Catechu's, da jener des gewöhnlichen zwischen 7 bis 12 Proc. beträgt, gaben wir den Fingerzeig zur Darstellung eines, dem zum Muster vorliegenden präparirten Catechu ganz gleichen Productes.

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Der käufliche Catechu wird zu diesem Behufe im Wasserbade geschmolzen und in diesem Zustande etwa eine Stunde erhalten. Sand, Erden u.s.w. setzen sich während dieser Zeit größtentheils zu Boden, und der gereinigte Catechu, noch Pflanzenbestandtheile enthaltend, kann darüber abgenommen werden. Man preßt ihn hierauf zur Entfernung der Pflanzenreste im geschmolzenen Zustande durch ein nicht zu dichtes Seihetuch. Der so von den meisten Unreinigkeiten befreite Catechu wird nun wieder in den Kessel des mittlerweile gereinigten Wasserbades gebracht und bei nahe der Kochhitze des Wassers in demselben 0,75 Proc. sehr fein gepulvertes, zweifachchromsaures Kali eingerührt. Das Chromsalz muß 1/2 Stunde mit dem Catechu unter beständigem gleichförmigem Rühren bei ungefähr 100° Cels. erhitzt werden, dann läßt man die geschmolzene Masse abkühlen und bildet daraus noch im warmen Zustande beliebig geformte Stücke.

Färbeversuche mit auf beschriebene Weise behandeltem Catechu lieferten in Hinsicht der Sattheit und des Feuers der Farbe dasselbe Resultat, wie das vom vorgelegten Muster erhaltene. Da die Asche des käuflichen präparirten Catechu namhafte Mengen Thonerde enthielt, so versuchte ich nebst dem zweifach-chromsauren Kali auch etwas gepulverten Kalialaun beizumengen, allein die mit dem so präparirten Catechu vorgenommenen Färbeversuche lieferten alle Farben matter und weniger satt, als man sie bei Anwendung von bloß mit zweifach-chromsaurem Kali präparirten Catechu erhielt. (Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wien, mathemat.-naturwissenschaftl. Classe, Bd. XII.)

Nachweisung von Stärke im Indigo; von Dr. J. J. Pohl.

Die Verfälschung des Indigos mit Stärke ist eine häufig vorkommende, der Werth dieses Farbstoffes wird nicht nur dadurch um das Gewicht der beigemischten Stärke verringert, sondern der Indigo erhält in Folge der hygroskopischen Eigenschaft des Verfälschungsmittels die Fähigkeit, beträchtliche Mengen von Wasser aufzunehmen. Die Wichtigkeit eines sicheren Verfahrens zur Ermittelung der Stärke im Indigo ermessend, hat bereits Persoz eine Untersuchungsweise angegeben69), welche darin besteht, daß er den Indigo längere Zeit mit verdünnter Schwefelsäure auskocht, um die etwa vorhandene Stärke in Zucker zu verwandeln, dann filtrirt, mit Kreide neutralisirt, von neuem filtrirt und abdampft, um den Ueberschuß des gelösten schwefelsauren Kalks zu fällen, hierauf mit Bierhefe versetzt und endlich die Flüssigkeit gähren läßt. Die Menge des bei der Gährung gebildeten Alkohols soll nun proportional der vorhanden gewesenen Stärke seyn.

Abgesehen von der Langwierigkeit dieses Verfahrens erfordert es sowohl bei der qualitativen als quantitativen Ausführung so viele Vorsichten, daß es ein Fabrikant kaum ausführen wird, und zudem ist es nicht einmal empfindlich zu nennen. Im Falle es sich um bloße Nachweisung der Stärke im Indigo handelt, kann man weit schneller und sicherer zum Ziele gelangen.

Der zu prüfende gepulverte Indigo wird mit verdünnter Salpetersäure bis zur Entfärbung erhitzt, und zu der erkalteten Flüssigkeit dann etwas Jodkaliumlösung gefügt. Die kleinste Menge von vorhanden gewesener Stärke wird jetzt durch die Bildung von Jodstärke angezeigt.

Eine etwas weniger empfindliche, aber selbst quantitative Bestimmung zulassende Ermittelung der Stärke besteht darin, den sehr fein gepulverten Indigo mit Chlorwasser bis zur Entfärbung zu maceriren und nachher der Flüssigkeit Jodkaliumlösung zuzufügen. Größere Mengen von Starke lassen sich dann, da sie fast unverändert bleiben, auf paffende Art selbst quantitativ bestimmen. Bei den meisten Indigosorten dient hierzu nachstehendes Verfahren. Der nach der Behandlung mit Chlorwasser bleibende stärkehaltige Rückstand wird mit kaltem Wasser auf einem gewobenen Filter |398| ausgewaschen, getrocknet und sein Gewicht ermittelt, worauf man denselben einäschert. Das Gewicht des Aschenrückstandes gibt, abgezogen vom ursprünglichen, bloß getrockneten Rückstande die Menge der vorhanden gewesenen Stärke zur Differenz.

Dieses Verfahren gibt freilich keine vollkommen scharfen Resultate, allein es bietet bei leichter Ausführbarkeit mindestens dieselbe Genauigkeit wie jenes von Persoz dar. (Sitzungsber. der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, mathematisch-naturwissenschaftl. Classe, Bd. XII.)

Staite's Behandlung des Krapps, um ihn für das Färben zu verbessern.

W. E. Staite ließ sich am 25. Februar 1854 zu diesem Zweck folgende Verfahrungsarten patentiren:

1. Alter gemahlener Krapp. Man bringt den Krapp in ein Bad, welches aus Wasser und Essigsäure besteht, im Verhältniß von beiläufig 1600 Thln. reinem Wasser auf sieben Theile Essigsäure von einem halben Grad am gewöhnlichen Acetometer. Das Verhältniß zwischen Wasser und Essig ändert sich aber, je nachdem der Krapp mehr oder weniger auflösliche Pflanzenstoffe enthält, welche ihm entzogen werden sollen.

Der Krapp muß in dem säuerlichen Bad bleiben, bis die Flüssigkeit zuerst eine gummige Consistenz erlangt hat, und hierauf klar und verhältnißmäßig farblos geworden ist. Dieß wird bei gewöhnlicher Temperatur in 30 bis 40 Stunden der Fall seyn. Der Krapp wird dann aus dem Bad genommen und in kaltem Wasser gut gewaschen, hernach auf ein Filter zum Abtropfen gebracht. Hierauf wird er getrocknet und zu einem feinen Pulver gemahlen. Um das Auswaschen des Krapps im kalten Wasser zu beschleunigen, kann man dabei eine schwache alkalische Lösung, vorzugsweise Ammoniak, anwenden.

2. Frisch gemahlener Krapp. Den Krapp, welcher noch nicht gealtert ist, bringe ich zuerst in ein Bad aus beiläufig sieben Theilen Ammoniak von 0,880 spec. Gew, und 1600 Theilen Wasser. In demselben lasse ich ihn 24 Stunden, oder bis die bei gewöhnlicher Temperatur löslichen Substanzen ausgezogen sind. Der Krapp wird dann aus dem Bad genommen und weiter behandelt wie es für alten Krapp angegeben wurde.

Den Munjeet (ostindischen Krapp) behandle ich auf ähnliche Weise; nämlich die beste Qualität direct nach Nr. 1, die geringeren Qualitäten aber zuvor nach Nr. 2. (Repertory of Patent-Inventions, Februar 1855, S. 122.)

Unterscheidung von ächt und unächt schwarzgefärbtem Tuche; von Dr. J. J. Pohl.

Um ächt schwarz gefärbtes Tuch von dem unächt gefärbten zu unterscheiden, wird häufig noch das zu prüfende Tuch 3 bis 4 Minuten mit Wasser gekocht, dem ungefähr 2 Procent Alaun und eben so viel raffinirter Weinstein zugesetzt sind. Aechtfarbiges Tuch soll nach dieser Operation die Farbe gar nicht geändert haben, während unächt gefärbte Waare eine Nüancirung ins Gelbrothe oder Kirschrothe annimmt. Diese Prüfung ist eines Theils für Ungeübtere unsicher, da beim längeren Kochen selbst ächte schwarze Farben ins Dunkelbraunrothe hinüber ziehen, anderen Theils ist sie zu unbestimmt, da dabei auf keine Unterscheidung des Indigo- und Berlinerblau-Schwarz von dem Chromschwarz Rücksicht genommen wird, das in neuester Zeit den ächten schwarzen Farben beigezählt, sich im Sonnenlichte wenig hält, wenn es auch der Einwirkung der Alkalien und Säuren im hohen Grade widersteht.

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Besser genügt den gestellten Anforderungen nachstehende Prüfungsweise. Ein kleines Stückchen des zu prüfenden Tuches kocht man mit einer kalt gesättigten Lösung von Oralsäure etwa 1 Minute lang, wonach es mit Wasser ausgewaschen und getrocknet wird. Hat die ursprüngliche Farbe durch diesen Vorgang gar nicht gelitten, so war das Tuch im strengsten Sinne ächtfarbig, d.h. mittelst Indigo oder Berlinerblau schwarz gefärbt. Ist die Farbe fast ganz abgezogen, so hatte man jedenfalls unächt gefärbtes Tuch; bei Umwandlung der Farbe ins Gelb- oder Rothbraune kann das Tuch entweder mit Chromschwarz oder unächt gefärbt seyn. In diesem Falle bedarf man noch einer Gegenprobe. Ein zweites Stückchen vom ursprünglichen Tuche wird zu diesem Endzwecke zwei Minuten lang mit Wasser gekocht, das bei 8 Procent Chlorkalk enthält, dann ausgewaschen und getrocknet. Bleibt bei diesem zweiten Versuche die Farbe des Tuchmusters ungeändert, oder wird sie nur ins dunkelste Kastanienbraun übergeführt, so kann man das geprüfte Tuch ebenfalls als ächtfärbig im weiteren Sinne des Wortes, d.h. mit Chromschwarz gefärbt, beträchten. Jedenfalls hat dem zweiten Versuche der erstgenannte vorauszugehen und die Prüfung mittelst Chlorkalk unterbleibt ganz, wenn durch die Oralsäure allein keine wesentliche Farbenänderung hervorgebracht wird. (Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, mathematisch-physikalische Clase, Bd XII).

Schwarze Holzbeize.

Vor einiger Zeit setzte Hr. Prof. Altmüller zu Wien mich in Kenntniß von seiner Beobachtung: daß die zum Schreiben mit Stahlfedern beliebte und auch sonst hin und wieder gebräuchliche (von Runge erfundene) Chromtinte ein vortreffliches Mittel zum Schwarzbeizen des Holzes abgebe. Einige hiernach von mir selbst angestellte Versuche mächten mir die Vorzüglichkeit dieser Beize so einleuchtend, daß ich nicht umhin kann, dieselbe in weiteren Kreisen zu empfehlen.

Die erwähnte Tinte – welche man sich leicht selbst verfertigen kann – wird ohne Erwärmung und überhaupt ohne alle Vorbereitung mittelst eines Pinsels oder Schwammes auf das Holz gestrichen, und nach dem Trocknen der Anstrich wiederholt. Drei- oder höchstens viermaliges Bestreichen bringt eine tiefe Schwärze hervor, welche den höchsten Grad von Schönheit erlangt, sobald Politur oder ein Firniß darübergesetzt wird.

Man kann die Tinte lange Zeit in Vorrath halten; sie übertrifft in Einfachheit der Anwendung sowie in Güte und Schnelligkeit des Resultates die gewöhnliche Schwarzbeize, und ist wenigstens eben so wohlfeil wie diese. Ich habe mit gleich gutem Erfolge die verschiedensten Holzarten zu meinen Proben benutzt, namentlich Ahorn, Kirschbaum, Linde, Pappel, Tanne etc.

Das Verfahren zur Bereitung der Chromtinte, welches ich nach mehreren vergleichenden Versuchen als das beste erkannt habe, ist folgendes: Man übergießt 2 Loth käufliches Blauholz-Extract (zerstoßen) mit 4 Pfund oder 2 Quartier kochenden Wassers, setzt, nachdem die Auflösung erfolgt ist, 1 Quentchen gelbes chromsaures Kali hinzu, und rührt gut um. Damit ist die Flüssigkeit fertig, die man nun als Schreibtinte oder als Holzbeize gebrauchen kann. Sie hat eine prächtige, tief violettblaue Farbe, welche man beim Schütteln der Flasche an der längs des Glases herabfließenden dünnern Schicht bemerkt; auf Holz gestrichen zeigt sie jedoch ein reines Schwarz.

Die Herstellungskosten berechnen sich wie folgt. Im Kleinverkauf kostet gegenwärtig, zu Hannover, das Pfund Blauholz-Extract 6 Ggr., das Pfund des gelben chromsauren Kalis 12 Ggr. Man erhält mit

1 Pfd. Extract für 6 Ggr. – Pf.
und 4 Loth chromsaurem Kali für 1 „ 6 „
–––––––––
zusammen 7 Ggr. 6 Pf.
|400|

30 bis 32 Quartier Tinte, wornach das Quartier höchstens auf 3 Pfennig zu stehen kommt.

In Ermangelung des Blauholz-Extractes wird die Bereitung etwas umständlicher. Man kann alsdann 4 Pfd. Blauholz etwa eine Stunde lang mit Wasser abkochen; die durch Abgießen und durch Auspressen des Holzrückstandes getrennte Flüssigkeit so weit eindunsten, daß sie nur noch 3 Quartier beträgt; endlich 1 Quentchen des chromsauren Kalis darin auflösen. Mit einer nach diesem Recepte bereiteten Tinte habe ich beim Schwarzbeizen des Holzes ausgezeichnet guten Erfolg gehabt; die Flüssigkeit setzte aber beim ruhigen Stehen einen bedeutenden schwarzen Bodensatz ab, worin ein Beweis liegt, daß sie mehr Wasser vertragen kann. In der That schreibt Runge zur Darstellung seiner Chromtinte eine größere Menge Wasser und auch mehr chromsaures Kali vor. Nach seiner Angabe soll man aus 125 Theilen Blauholz 1000 Theile Absud bereiten und denselben mit 1 Theil chromsaurem Kali versetzen. Ein zwischen diesem und dem vorhergehenden Recepte in der Mitte liegendes Verhältniß dürfte für die Anwendung zum Holzbeizen Empfehlung verdienen; nämlich

aus 4 Pfund Blauholz
9 Quartier Absud bereitet,
und dazu 1 Loth chromsaures Kali gegeben.

Jedenfalls bleibt aber die Anfertigung mittelst des käuflichen Extractes vorzuziehen, da sie so sehr schnell und mit so wenig Mühe von statten geht. Karl Karmarsch. (Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1854, Heft 6.)

Neue Methode des Einbalsamirens.

Das einzubalsamirende Object wird in eine 30 bis 40° R. warme Lösung von 1 Unze Tannin in 4 Pfd. destillirten Wassers ungefähr 6 Stunden lang eingetaucht und hernach an der Decke eines gut gelüfteten Zimmers aufgehängt. Nach sechs Monaten, selbst nach einem Jahre, gibt die Substanz kein Zeichen der Fäulniß. – Ersetzt man das Wasser durch schwachen Alkohol und nimmt eine kalte Lösung, so wird das Tannin leichter absorbirt und die Wirkung ist stärker. (Aus Giorn. de Pharm. di Torino, durch Archiv der Pharmacie Bd. CXXX S. 341.)

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Hr. Wilh. Horn in Prag führt dieses Instrument in seinem Depot.

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Persoz: Traité de l'Impression des Tissus. Paris 1846. Tome I, p. 427.

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